CSU Söder fast einstimmig zum Spitzenkandidaten gekürt

Er wurde in Nürnberg enthusiastisch gefeiert: Fast einstimmig haben die CSU-Delegierten Markus Söder zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2018 gewählt.

Seehofer (l.) und Söder
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Seehofer (l.) und Söder


Nun ist es offiziell: Der bayerische Finanzminister Markus Söder soll Horst Seehofer nächstes Jahr als Ministerpräsident beerben. Beim CSU-Parteitag in Nürnberg wurde der 50-Jährige am Samstag fast einstimmig zu Seehofers Nachfolger gekürt.

Per Handzeichen stimmte die überwältigende Mehrheit der 900 Delegierten am Samstag auf dem Parteitag in Nürnberg für Söder. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann zählte als Versammlungsleiter vier Gegenstimmen und keine Enthaltungen.

Die offizielle Stabübergabe soll dann im ersten Quartal 2018 sein: Dann will Seehofer sein Amt abgeben, und Söder soll im Landtag zum neuen bayerischen Ministerpräsidenten gewählt werden. "Ich werde mich mit ganzer Kraft, mit ganzer Leidenschaft für dieses Land und die CSU einsetzen", versprach Söder unter großem Applaus.

Auf dem Parteitag war Seehofer zuvor als Parteichef wiedergewählt worden. Bei einer geheimen Wahl hatte er 83,7 Prozent der Stimmen bekommen. Dies war Seehofers bislang schlechtestes Ergebnis bei der Wahl zum Parteivorsitz.

Söder schwor seine Partei zuvor nach dem Krisenjahr 2017 auf den Kampf um die Verteidigung der absoluten Mehrheit in Bayern ein. Erstmals seit seiner Nominierung zum Nachfolger Horst Seehofers als Regierungschef nannte Söder eine Fortsetzung der Alleinregierung als Wunschziel: Bayern sei "wie ein großer Baum: tiefe Wurzeln in der Tradition, aber unsere Äste wachsen nach oben", sagte er. "Diesen bayerischen Baum hat die CSU gepflanzt. Wir wollen ihn auch weiter pflegen - und am allerliebsten allein. Das ist unser Anspruch."

"Wer glaubt, wir geben auf, der wird sich täuschen"

"Es hat uns ganz schön durchgeschüttelt", sagte Söder rückblickend auf das Jahr 2017 - und auch 2018 werde nicht viel leichter. Denn die Ausgangslage sei anders als bei früheren Wahlen: Die Lage in Berlin sei unklar, in den Umfragen sei noch "eine Menge Luft nach oben", und es gebe neue Wettbewerber im Parteiensystem.

Es gebe keinen Anlass zu zweifeln, sagte Söder, aber auch keinen Anlass, blauäugig zu sein. Unter großem Jubel rief er den Delegierten zu: "Wer glaubt, wir geben auf, wer glaubt, wir haben Angst, der wird sich täuschen." Die CSU werde kämpfen, um bei der Landtagswahl erfolgreich zu sein.

Seehofer hatte seit 2008 beide CSU-Führungsposten inne, war aber nach der Pleite bei Bundestagswahl vor knapp drei Monaten massiv intern unter Druck geraten. Nach einem wochenlangen Streit hatte Seehofer schließlich Anfang Dezember die Ämtertrennung vorgeschlagen und seinem langjährigen Rivalen Söder eine gute Zusammenarbeit angeboten.

Im Video: Videoanalyse zum Parteitag: "Die CSU ist in einem desolaten Zustand"

SPIEGEL ONLINE

als/AFP/dpa/Reuters

insgesamt 45 Beiträge
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gutmichl 16.12.2017
1. glückliches Bayern
Söder hat früh den Irrweg der CDU unter Merkel mit den passenden Worten kommentiert und musste daher auch nie seine Meinung ändern. Zum Konstrast mag man Herrn Gabriels Ansichten nehmen. Mit Söder hat die CSU die Chance, wieder zu wachsen und Bayern das Kaos der anderen Bundesländer zu ersparen. Schade, dass die CSU nicht bundesweit als Alternative zur CDU antritt.
Freidenker10 16.12.2017
2.
Mir kommt der Machtkampf in der CSU sehr gelegen, garantiert er doch ein stück weit die Eingrenzung Merkels in ihrer unsäglichen Flüchtlingspolitik! Auch wenn der zahnlose bayerische Tiger meist als Bettvorleger endet, so zwingt er die CDU doch zumindest zu einer Anpassung dieses "wir schaffen das" Geschwafels! Ohne die CsU ( s ist absichtlich klein geschrieben! ) hätte die AfD aus meiner Sicht noch mehr Stimmen geholt! Ansonsten ist es mir total wurscht wer oder was den Weißwurstäquator regiert!
lars.manhof 16.12.2017
3. Ordnung ist das ganze Leben
Die so häufig zitierte ‚Geschlossenheit‘ der CSU ist praktisch vergleichbar mit der ‚Fußfessel‘ oder der ‚Residenzpflicht‘ und sie entspricht auch in etwa dem strammen Militärregime mit Stechschritt in Nordkorea. Aber: Jetzt ist die CSU wieder synchronisiert und alles ist in Ordnung. Deshalb wird auch eine Minderheitsregierung aus CDU und CSU jetzt richtig spannend und könnte die eine oder andere Tatortproduktion der ARD ersparen.
kuac 16.12.2017
4.
Söder redet viel, aber sagt wenig konkretes. Wie will er die Wähler von der AfD zurückholen? Nur mit flotten Sprüchen wird das nicht klappen.
post.scriptum 16.12.2017
5. Es steht zu hoffen, dass Söder ...
... auch in der Bundespolitik starken Einfluss nehmen wird. Seehofer mimt zu sehr die Merkel-Versteherin, wogegen Söder schon aus anderem Holz geschnitzt ist. Vermutlich wird das Regieren für die Geschäftsführende in Berlin ungleich schwieriger, wenn sie überhaupt noch einmal eine Koalition zustande bringt. Eine willfährige SPD, wie in der letzten GroKo, wäre für Merkel natürlich ein Geschenk des Himmels.
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