"Tag der Volksmusik" CSU-nahe Stiftung finanziert Preis aus Nazi-Vermögen

Der "Tag der Volksmusik" ist eine Erfindung von Nazis der ersten Stunde. Aus dem Vermögen des Ehepaars Wutz bezahlt die Hanns-Seidel-Stiftung nach SPIEGEL-Informationen bis heute die alljährliche Veranstaltung, auf der bayerische Gruppen ausgezeichnet werden.


Hamburg - Die Preisträger werden für ihre besonderen Verdienste auf dem Gebiet der bayerischen Volksmusik gewürdigt, so definiert die Hanns-Seidel-Stiftung auf ihrer Webseite die Auszeichnung am "Tag der Volksmusik". Geehrt wurden in den vergangenen Jahren Gruppen wie die Flotten Saiten, die Galderschummer Schlapperflicker oder die Frankobarden.

Was die so Geehrten wohl nicht wussten: Die Veranstaltung finanziert die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung bis heute aus dem Erbe zweier Nationalsozialisten der ersten Stunde. Nach SPIEGEL-Information erbte die Seidel-Stiftung in den achtziger Jahren das Geldvermögen und das Anwesen am Starnberger See von Max und Maria Wutz. Nach deren Vorgaben und von deren Geld richtet sie seit 1984 die jährliche Musikveranstaltung aus.

Nach Recherchen des SPIEGEL gehörte das Ehepaar zu den ersten Unterstützern Adolf Hitlers. Max Wutz diente den Nationalsozialisten nach eigenen Angaben mit "Gut und Blut", er sei zeitweise Begleitmann Adolf Hitlers gewesen und habe Geld für das NS-Propagandaorgan "Völkischer Beobachter" gegeben. Seine Frau Maria nannte "die anmaßende Frechheit der Juden" als Grund für ihren Parteieintritt. Besucher haben nach dem Tod des Ehepaars einen NSDAP-Blutorden, das Ehrenzeichen für Teilnehmer des Hitler-Putsches, im Haus der beiden gefunden.

Die Hanns-Seidel-Stiftung räumte auf Anfrage ein, 2010 auf die Vita des Ehepaars Wutz aufmerksam gemacht worden zu sein. Im Anschluss daran tilgte sie den Namen des Ehepaars aus ihren Mitteilungen zum "Tag der Volksmusik", veranlasste aber keine öffentliche Aufarbeitung. Auch intern wurde die Information nicht kommuniziert.

Die Mitglieder des erweiterten Vorstands der Hanns-Seidel-Stiftung, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber, teilten dem SPIEGEL mit, von der Seidel-Stiftung keine Informationen über den Vorgang erhalten zu haben.

Diese Meldung stammt aus dem neuen SPIEGEL. Das Heft können Sie ab Sonntag um 8 Uhr kaufen.



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Seite 1
marcshit 10.11.2012
1.
Zitat von sysopDer "Tag der Volksmusik" ist eine Erfindung von Nazis der ersten Stunde. Aus dem Vermögen des Ehepaars Wutz bezahlt die Hanns-Seidel-Stiftung nach SPIEGEL-Information bis heute die alljährliche Veranstaltung, auf der bayerische Gruppen ausgezeichnet werden. CSU-nahe Stiftung finanziert Preis aus Nazi-Vermögen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/csu-nahe-stiftung-finanziert-preis-aus-nazi-vermoegen-a-866499.html)
...wo man singt, da lasse dich nieder!
Dr. Fuzzi 10.11.2012
2. Och Joh!
Es stellt sich lediglich die Frage, was mit dem Erbe zweier Nationalsozialisten der ersten Stunde ansonsten geschehen sollte. Es ist doch völlig in Ordnung, wenn das restliche Vermögen (sie hatten es scheinbar schon zu Zeiten des Hitler-Putsches) wenigstens heute halbwegs sinnvoll verwendet wird. Ich bin übrigens kein Fan der Volksmusik! Die Erben des Quandt-Vermögens, welches in der NS-Zeit nachhaltig aufgebaut wurde und deren Zwangsarbeiter bis heute um einen Ausgleich bemüht sind (auch wenn diese allmählich wegsterben), erfreuen sich bis dato höchster Wertschätzung und werden nicht derartig in den Medien angeprangert!
fuenfringe 10.11.2012
3. Lesen Sie eigentlich
Zitat von Dr. FuzziEs stellt sich lediglich die Frage, was mit dem Erbe zweier Nationalsozialisten der ersten Stunde ansonsten geschehen sollte. Es ist doch völlig in Ordnung, wenn das restliche Vermögen (sie hatten es scheinbar schon zu Zeiten des Hitler-Putsches) wenigstens heute halbwegs sinnvoll verwendet wird. Ich bin übrigens kein Fan der Volksmusik! Die Erben des Quandt-Vermögens, welches in der NS-Zeit nachhaltig aufgebaut wurde und deren Zwangsarbeiter bis heute um einen Ausgleich bemüht sind (auch wenn diese allmählich wegsterben), erfreuen sich bis dato höchster Wertschätzung und werden nicht derartig in den Medien angeprangert!
die Artikel, die Sie kommentieren? "Nach SPIEGEL-Information erbte die Seidel-Stiftung in den achtziger Jahren das Geldvermögen und das Anwesen am Starnberger See von Max und Maria Wutz. *Nach deren Vorgaben* und von deren Geld *richtet sie seit 1984 die jährliche Musikveranstaltung aus.*" Es gibt eine Menge anderer Projekte, die man mit Nazi-Geld finanzieren kann. Man sollte allerdings nicht deren Vorgaben erfüllen. Sonst ist man was? Ein sogenannter Erfüllungsgehilfe...
BettyB. 10.11.2012
4. Überraschung?
Die Hans-Seidel-Stiftung und Nazi-Vermgen? Wer hätte daran gedacht? Die sind doch sooo entfernt von rechtsaußen...
Alexander Berg 10.11.2012
5. Youtube
Einfach mal nach "BRD" und "Rechtsnachfolger" suchen. Der Rest erklärt sich von selbst.
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