Neustart des CSU-Blattes "Bayernkurier" Hdgdl FJS

Die CSU will ihrem finanziell angeschlagenen "Bayernkurier" neues Leben einhauchen: Auf ihrem Parteitag haben die Christsozialen das künftige Monatsmagazin präsentiert - die Nullnummer ist eine Liebeserklärung an Übervater Franz Josef Strauß.

Von , Nürnberg

Cover des neuen "Bayernkuriers": Franz Josef Strauß auf dem Titel
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Cover des neuen "Bayernkuriers": Franz Josef Strauß auf dem Titel


Die CSU will Tradition und Moderne zugleich verkörpern, und trotzdem muss sie auf ihrem Parteitag in Nürnberg das Ende einer Institution einläuten, die so manchem Christsozialen in all den Jahrzehnten ans Herz gewachsen ist: Der erstmals 1950 erschienene "Bayernkurier" wird in seiner jetzigen Form bald verschwinden.

In der Messehalle liegt die Wochenzeitung noch aus, in der sich die CSU als "Europas erfolgreichste Volkspartei" feiert. Aber in ein paar Monaten soll Schluss sein - oder besser: muss. Das Blatt ist chronisch defizitär und kann sich nur über Wasser halten, weil die Partei jährlich beträchtliche Summen zuschießt. Von mehr als einer Million Euro ist die Rede.

Ein beständiger Schwund der Auflage macht es dem Blatt schwer, derzeit liegt sie nur noch bei rund 50.000. Ein Großteil davon wird zudem kostenlos an Mandatsträger verteilt.

Die Zukunft soll eine andere sein, Andreas Scheuer hält sie am Samstag in den Händen, als er auf der Bühne steht. Der CSU-Generalsekretär hat die Nullnummer des künftigen Monatsmagazins mitgebracht, das im Lauf des kommenden Jahres an den Start gehen soll.

118 Seiten stark ist das "Magazin für politische Kultur", nach dem Willen der Partei soll es sich zu einem intellektuellen Debattenheft entwickeln. Vor allem aber soll der Online-Auftritt des "Bayernkurier" massiv ausgebaut werden, die Partei will dort ein tägliches Angebot mit "mehr aktuellen Infos" und auch mit Bewegtbildern liefern.

Sprachrohr und politische Giftspritze

"Die Veränderungen in der Medienwelt machen auch nicht vorm 'Bayernkurier' halt", schwört Scheuer die Delegierten auf die neuen Zeiten ein. Manchem wird das schwerfallen, das Parteiblatt hat bewegte Zeiten hinter sich.

In seinen glorreichen Tagen galt der "Bayernkurier" als Sprachrohr von Franz Josef Strauß. "Er schreibt, was ich denke. Und ich denke, was er schreibt", lautet ein überlieferter Satz des Parteiübervaters über Wilfried Scharnagl, der von 1977 bis 2001 als Chefredakteur an der Spitze des Blattes stand. Eine politische Giftspritze war das Blatt zudem, mit heftigen Attacken gegen den politischen Gegner - und dennoch oder gerade deshalb wurde der "Bayernkurier" in der Bonner Republik auch von so manchem Sozialdemokraten gelesen.

Ein Mann von außen soll das Parteiblatt jetzt fit für moderne Zeiten machen: Die CSU hat Marc Sauber als künftigen Chefredakteur verpflichtet, der Journalist stand zuletzt beim Bayerischen Rundfunk unter Vertrag. Sauber sei "ein Nachrichtenprofi", sagt Scheuer, habe Auslandserfahrung in den USA beim Sender CNN gesammelt und verfüge über "fundierte Kenntnisse in der digitalen Medienwelt". Der Vertrag des bisherigen Chefredakteurs Peter Hausmann war zuletzt nicht verlängert worden. Der frühere Regierungssprecher von Helmut Kohl galt als Kritiker des Online-Ausbaus.

Im aktuellen Heft: "Wer war Franz Josef Strauß wirklich?"

Und wie sieht das neue "Magazin für politische Kultur" aus? Die Nullnummer dürfte auch skeptischen Traditionalisten gefallen, noch einmal gibt es einen ganz großen Blick in die Vergangenheit. Anlass ist ein Strauß-Jubiläum - im kommenden September jährt sich der Geburtstag von Strauß zum 100. Mal.

"Wer war Franz Josef Strauß wirklich?", fragt das Magazin auf dem Titel, dazu ein Schwarz-Weiß-Bild der CSU-Ikone. Im Heftinneren geht es mit der Hommage an FJS weiter: Fotos auf den ersten 40 Seiten - Strauß als Familienvater, als Radfahrer, Strauß an der Seite von Konrad Adenauer, Strauß bei einem kühlen Händedruck mit Helmut Schmidt, dem er 1980 bei der Bundestagswahl unterlag, und natürlich: Strauß bei der "Bayernkurier"-Lektüre.

Parteigranden wie Edmund Stoiber und Theo Waigel schreiben über ihre Zeit mit FJS, Altbundespräsident Richard von Weizsäcker würdigt ihn als Mann, der "in großen Perspektiven und weiten Horizonten" dachte. Auch die SPIEGEL-Affäre, die Strauß 1962 das Amt des Verteidigungsministers kostete, kommt im Heft vor.

Die eine oder andere Geschichte bleibt dagegen lieber unerwähnt. So wird Strauß in dem Heft zwar als "Vielreisender" beschrieben, der in 63 Ländern unterwegs war - über Strauß' peinliche Nacht in New York 1971 findet man in dem Magazin aber nichts: Der verheiratete Katholik war mitten in der Nacht von drei Prostituierten ausgeraubt worden. Die Geschichte sorgte im politischen Bonn damals für Heiterkeit: "Ich gehe davon aus, dass die Sache Strauß in New York vom BND inszeniert ist", witzelte etwa Helmut Schmidt.

Wer damals im Central Park mit wem angebandelt hatte, blieb unklar. Strauß wies die Behauptungen der Frauen zurück, er habe sie angesprochen. Um keinen weiteren Verdacht aufkommen zu lassen, lieferte er einem Freund eine anschauliche Personenbeschreibung einer der Damen: "dürre, greißlige Henn'".

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
münchen1975 15.12.2014
1.
Franz Josef Strauß hatte also mal ein kleines Handgemenge mit Prostituierten. Na und!? Wenn wir Bayern ein prüdes und verklemmtes Volk wären, dann hätten wir bestimmt nicht solch deftige Bräuche wie z. B. das Fensterln erfunden. Wir wissen halt, was Spaß macht.
KurtT. 16.12.2014
2.
Ich kann mich noch an ein Statement des seligen Franz-Josef erinnern, in dem er über "politische Hygiene" sprach > womit er sinngem. meinte, dass ALLE politische Gruppierungen "zu Wort kommen" und "gehört werden" sollten. Und der "Bayernkurier" ist eben "die Stimme" jener, die so denken und gewichten wie er: dem es auf seiner Wolke im weißblauen Himmel über Bavaria sicher gefällt, wenn ihm gehuldigt wird > schon darum, weil er ja zeitlebens verkannt wurde, insbes. von den "Saupreisn" - also allen, die nördlich des Mains kein richtiges Bier haben - sowie dem "Spiegel"! * * Dass der selige "Kina, Kina, Kina-Warner" jetzt vor lauter Freude einen Schuhplattler tanzt und jodelt, könnte man durchaus vermuten - aber hoffentlich fällt er dabei nicht runter und will dann endlich Kanzler werden!
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