Kanzlerin beim CSU-Parteitag Liebe Angelika, äh Angelia, äh Angela Merkel

Die deutsche Sprache ist den Christsozialen wichtig, bei ihrem Parteitag verstolpern sie sich allerdings selbst: Der Vorname der Bundeskanzlerin bereitet den CSU-Oberen offenkundig Probleme. In der Debatte um Zuwanderung mühen sie sich um Gelassenheit.

DPA

Von , Nürnberg


Angela Merkel kommt gerade an, als die Christsozialen auf ihrem Parteitag bei dem Thema gelandet sind, das ihnen viel Spott und Häme eingebracht hat. Horst Seehofer begleitet die CDU-Chefin durch den Saal - und es ist erst mal vorbei mit der Debatte über Migration und Integration und diesen einen verflixten Satz:

"Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie deutsch zu sprechen."

So hatte es im Entwurf für den Leitantrag zur Migration gestanden- die Formulierung war als Deutschpflicht für Ausländer etwa auch zu Hause verstanden worden. Im Internet wurde unter dem Stichwort "YallaCSU" viel gespottet. Selbst Wohlmeinende rieben sich die Augen: Es gehe die Politik nichts an, "ob ich zu Hause lateinisch, klingonisch oder hessisch rede", twitterte etwa CDU-Generalsekretär Peter Tauber.

Über Lautsprecher dröhnt jetzt plötzlich laute Musik - vielleicht ist die Frau auf dem Podium deshalb für einen Moment so unsortiert, als sie am späten Nachmittag den prominenten Gast begrüßt: Von der "Vorsitzenden der Christlich-Sozialen Union Dr. Angelika Merkel" spricht CSU-Vize Barbara Stamm tatsächlich - das sind dann gleich zwei Schnitzer in einem Halbsatz, die zum Glück für Stamm durch die Begleitmusik abgefedert werden.

Seehofer macht es kurz darauf nicht viel besser: "Liebe Angelia", sagt der CSU-Chef zur Kanzlerin. Namenstechnisch geht es bei der CSU am Freitag ein wenig durcheinander.

Merkel lässt sich davon nichts anmerken. Sie sei "froh, mal wieder auf einem CSU-Parteitag zu sein", sagt die CDU-Chefin. Sie lobt die Zusammenarbeit mit der Schwesterpartei, verurteilt die Brandanschläge auf Asylbewerberheime in Bayern und macht sich für das europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen stark. Als sie nach ihrem Streifzug durch die nationale und internationale Politik mit einem Weihnachtsgeschenk und viel Applaus von der CSU aus Nürnberg verabschiedet wird, ist die Partei dann wieder bei dem leidigen Thema.

Seehofer: Debatte mit "Gelassenheit" verfolgt

Nach Spott und öffentlicher Debatte hatte die CSU reagiert und den Leitantrag geändert. Migranten sollten nun dazu "motiviert" werden, "im täglichen Leben deutsch zu sprechen". So ganz will die CSU die Aufregung über den ursprünglichen Text auch auf dem Parteitag nicht verstehen. Es sei in diesen einen Satz viel "hineininterpretiert" worden, sagt etwa Seehofer.

Man habe in der CSU nie den "Ablauf des Familienlebens" reglementieren wollen, betont der Parteichef im Gespräch mit Journalisten. "Leben und leben lassen", sagt Seehofer. Zum Kern christsozialer Politik habe schon "immer der Kampf gegen den Rechtsextremismus" gehört. Die Debatte über den umstrittenen Satz habe er mit einem "hohen Maß an Gelassenheit" verfolgt, so Seehofer.

CSU-Leute nachhaltig genervt

Diese demonstrative Gelassenheit ist aber längst nicht bei allen Delegierten in Nürnberg zu spüren. Der Spott, das wird deutlich, ist manchen Christsozialen ziemlich auf die Nerven gegangen. Ein einzelner Satz sei "missinterpretiert und aus dem Zusammenhang gerissen worden", sagt etwa Thomas Kreuzer, Chef der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag.

Auch Generalsekretär Andreas Scheuer, der mitverantwortlich für den Entwurf war, wirkt nachhaltig verärgert. Das geht bereits am Freitagmorgen los, im ZDF-"Morgenmagazin". Dort ist Scheuer im noch leeren Parteitagssaal zu sehen. Gut gelaunt wirkt er nicht, als ihm gebündelt hämische Kommentare über die CSU präsentiert werden - er finde es deplatziert, die ganze Thematik in die Lächerlichkeit zu ziehen, sagt Scheuer in die Fernsehkamera.

Ein paar Stunden später vor den Delegierten ist er auch noch nicht viel entspannter. Die Angriffe der Kritiker würden "ins Leere" gehen, sagt Scheuer. Bayern sei ein "Vorbild für gelungene Integration", in keinem anderen Bundesland würden aber auch "so genaue Erwartungen" an Zuwanderer formuliert.

Die Delegierten votieren einstimmig für den leicht veränderten Leitantrag zur Migration, in dem die Menschen willkommen geheißen werden, die "auf eigenen Füßen stehen, ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen, etwas leisten und sich ein gutes Auskommen erarbeiten" wollen und sich mit den "bayerischen Werten identifizieren".

Er begrüße es, dass der umstrittene Satz geändert worden sei, sagt ein Delegierter. "Wir tun nicht gut daran, den Familien vorzuschreiben, wie sie daheim in ihrer Familie sprechen." Es gibt Applaus, aber er hält sich in Grenzen.



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helro56 12.12.2014
1. die CSU hat ausgedient...
in Bayern wie auch Bundesweit! mit den Personalien der letzten Jahre welche für Schlagzeilen sorgten, kann KEINE Partei auf Dauer leben!! es gibt eben Alternativen!
danzermartin 12.12.2014
2.
Diese CSU, dieser Seehoferverein, ist nicht mehr wählbar... Das sage ich als ehemaliger Wähler. Über Stoiber hat man wegen Versprecher gelacht... Über Seehofer bleibt das Lachen mittlerweile im Halse stecken. Das ist nicht einmal ein Ewiggestriger; hier fehlt es am grundsätzlichen Verständnis von Zusammenhängen und der Welt.
Erwan 12.12.2014
3. Mit dem was die CSU eigentlich sagen wollte, kann man doch
einig sein. Es geht da letzlich doch darum,daß die Migranten besser deutsch lernen sollen, egal wo das Lernen nun stattfindet, ob zuhause odr anderswo. Ich habe schon etliche Leute aus dem Ausland beschäftigt und weiß wie wichtig das Deutsch-Sprechen und Deutsch-Lesen können im Alltag und im Beruf ist. Zt. arbeitet bei uns eine Mann aus dem Kosowo, der seit 17 Jahren mit einer deutschen Frau verheiratet ist. Der kann immer noch nicht ausreichend deutsch sprechen und lesen, was ihm letzlich auch beruflich Nachteile bringen wird, weil man immer mal mehrfach etwas erklären muss. Wer das nicht kapieren will, wie doof muss der sein!
neanderspezi 12.12.2014
4. Die Christlichsozialen müssen einfach den Namen Angela Merkel noch etwas üben
Die Engel dürften allgemein in Bayern hoch angesehen sein, da die Kirchenglocken dreimal am Tag jeweils morgens, zum Mittag und am Abend mittels Angelusläuten die Gläubigen an die Frohe Botschaft, vorgetragen durch den "Engel des Herrn", gemahnen sollen und dazu sollte dann gewöhnlich auch ein kurzes Gebet gemurmelt werden. "Angelus" dürfte dem Namen nach dem Horstl vertraut sein und vom Lateinunterricht sollte die Endung "us" als Maskulinum noch in den Ohren klingen, während das "a" am Ende schlicht dem Femininum zugeteilt ist und so wäre nur noch das Glockengeläut bei der Anwesenheit von Angela Merkel als Erinnerungsstütze den Christlichsozialen beizugeben und schon ginge das "Angela" ohne mit der Zunge anzustoßen aus dem Schallorgan unverfälscht hervor. Das "Angelika" oder das "Angelia" würde mit großer Gelassenheit aus dem Kontext mit "Merkel" entfernt und nie wieder in Anwendung gebracht, denn schließlich spricht man in Bayern sowohl innerhalb, als auch außerhalb des CSU-Parteitags ein wohlklingendes bayerisch umranktes Deutsch auf höchstem Niveau.
mairhanss 12.12.2014
5.
Und die CDU hat auch ausgedient. Nachdem sie mit der lächerlichen Merkel über Jahre Deutschland zerstört hat wäre es Zeit das mal wieder eine Partei regiert, die sich nicht nur die Taschen voll macht und nicht nur regiert, weil sie keine anderen Jobs bekommen...
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