Ärger bei der CSU "Peter Gauweiler enttäuscht auf ganzer Linie"

"Horst, es ist Zeit": Der ehemalige CSU-Vize Gauweiler hat die Personaldebatte in der Partei neu angefacht. Nun wird er seinerseits von Parteikollegen als "disziplinloser Besserwisser" kritisiert.

Peter Gauweiler (Archivbild 2011)
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Peter Gauweiler (Archivbild 2011)


Peter Gauweiler hat seine CSU-Parteikollegen aufgefordert, vor dem Beginn der Koalitionsverhandlungen erst die Führungsfrage zu klären. Die Partei müsse jetzt entscheiden, ob sie weiter von Horst Seehofer oder von Markus Söder geführt werden soll, sagte Gauweiler im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Koalitionsverhandlungen seien nicht dazu da, das Ende eines Parteichefs hinauszuschieben. Es gebe von Rilke das schöne Gedicht über den Herbst, in dem es heißt: "Herr, es ist Zeit, der Sommer war sehr groß". Das gelte jetzt für die CSU: "Horst, es ist Zeit."

Dobrindt, Scheuer, Seehofer
DPA

Dobrindt, Scheuer, Seehofer

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer warf Gauweiler vor, eine "vorsätzliche Schwächung seiner Partei" zu betreiben. "Peter Gauweiler enttäuscht auf ganzer Linie, denn vor der Wahl war kein Mucks von ihm zu hören und jetzt aus der Versenkung weiß er alles besser." Die CSU brauche keine "disziplinlosen Besserwisser".

Ähnlich äußerte sich CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt: Kollegen, die sich während des gesamten Wahlkampfes nicht zu Wort gemeldet und "sich selber aus der Verantwortung gezogen" hätten, sollten nicht nach der Wahl Vorwürfe verteilen. Die CSU stehe vor der schwierigen Herausforderung, in Berlin eine Koalition zu schaffen, sagte Dobrindt in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Dafür gebe es einen Wählerauftrag, den die CSU "mit Horst Seehofer erfüllen" werde.

Gauweiler war seit November 2013 stellvertretender CSU-Vorsitzender, im März 2015 trat er von seinem Parteiamt zurück und legte auch sein Bundestagsmandat nieder. Grund war ein unlösbarer Konflikt zwischen ihm und der Partei in der Europapolitik. Das Verhältnis zwischen Gauweiler und Seehofer galt schon davor als angespannt.

Die CSU war bei der Bundestagswahl Ende September auf nur noch 38,8 Prozent abgestürzt, mehr als zehn Prozentpunkte weniger als 2013. Über mögliche personelle Konsequenzen soll nach bisheriger Planung erst auf dem Parteitag im November entschieden werden.

An diesem Sonntag wollen sich die CSU-Spitzen mit CDU-Chefin Angela Merkel treffen. Dabei wird es auch um die Flüchtlings-Obergrenze gehen - eines der heikelsten Themen bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen. Die CSU hat sie zur Bedingung für ihren Eintritt in eine Jamaikakoalition gemacht. Mit CDU, FDP und Grünen lehnen die übrigen drei Partner in einer solchen Koalition die Obergrenze allerdings ab (mehr zu Seehofers "Kugelfisch-Taktik" im Streit um die Obergrenze lesen Sie hier).

aar/dpa



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
spmc-12355639674612 06.10.2017
1. Warum sollte
Peter Gauweiler das nicht sagen dürfen? Er ist ja nicht irgendein unbekannter Hinterbänkler. Er hat schon recht, dass es da ein Problem an der Spitze der CSU gibt, allerdings hätte ich es eher an den Leuten verortet, die in der Landesliste ganz vorn standen ...
vielflieger_1970 06.10.2017
2. PhDr. Scheuer.....
Da muss man dem Herrn Gauweiler mal recht geben: Herr Seehofer taktiert sich erbärmlich über die Koalitionsverhandlungen hinaus, um Vorsitzender einer Partei zu bleiben, die als stärkste Verliererin aus den Wahlen hervorging. Nun, dass die CSU abgewatscht wurde, stimmt mich nicht gerade traurig, außer dass es die AfD unnötig groß gemacht hat. Aber: das nun ausgerechnet der schmierige Herr Dr. oder eher nicht-Dr. Scheuer den Mund so voll nimmt, ist einigermaßen lächerlich. Aber warten wir ab, aus dem wird nochmal was. Bierzeltprophetische Wadenbeisser sind bei uns immer schon was geworden " in der Partei". Hoffe nur, das meine Bayern sich schneller emanzipieren als das Herr Scheuer uns gefährlich werden könnte.
Worldwatch 06.10.2017
3. Bosbach hat sicher recht mit seiner Einschätzung
Nur, glaubt Hr.Seehofer, die CSU, dass die CSU Wähler sich so leicht hinter's Licht führen liessen mit so einer weichwaschenden Scheinloesung? Ich denke, der Versuch einer krampfhaften Jamaika Koalitionsermoeglichung wird der CSU Stammwaehlerschaft noch mehr vor den Kopf stoßen, und zu mehr Abwanderung führen. Als grantelnde, bayrische Opposition, hat die CSU sicher aussichtsreichere Chancen auf Revitalisierung ihrer (Ex-)Stammwaehlerschaft.
AlBundee 06.10.2017
4. Komische Logik
Weil er nicht schon im Wahlkampf gegen Seehofer gestänkert hat, sollte er es auch jetzt nicht tun? Gäbe es einen besseren Moment? Und ist Disziplin im Wahlkampf eine schlechte Sache? Ich bin kein CSU-Fan, aber man muss der Partei im Vergleich mit der Bundesschwester zugestehen, dass sie wenigstens ein paar jüngere Nachwuchskandidaten aufbaut und es noch eine innerparteiliche Streitkultur gibt. Auch hat Gauweiler selbst mit seinem sich selbst Zurücknehmen wegen inhaltlicher Differenzen bewiesen, dass er nicht an Stühlen klebt, Generationenwechsel fördert und dennoch zu der Partei steht. So kann das aussehen, wenn Politiker nicht nur Politik-Lurchis, so wie Merkel, sondern sich auch ausserhalb der Politik, wie Gauweiler (RA) beruflich erfolgreich sind. Oh mein Gott! Habe ich jetzt wirklich die CSU gelobt?
franz.v.trotta 06.10.2017
5.
Die CSU ist in der Wahl um mehr als zehn Prozentpunkte abgestürzt. Dafür trägt nicht Hr. Gauweiler die Verantwortung; denn er hat sich vor der Wahl bewusst zurückgehalten, um Schuldzuweisungen zu vermeiden. - Verantwortlich für den Absturz der CSU sind diejenigen, die jetzt polemisieren: Scheuer und Dobrindt (und Seehofer).
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