CSU am politischen Aschermittwoch "Ich bin der Markus, da bin i dahoam"

Die CSU hat beim politischen Aschermittwoch AfD-Wähler umworben - und den potenziellen GroKo-Partner SPD scharf attackiert. Auch für den kranken Parteichef Seehofer gab es eine Botschaft.


Der CSU-Spitzenkandidat für die bayerische Landtagswahl, Markus Söder, hat die Heimatpolitik seiner Partei gegen Kritik verteidigt. Heimat sei "das wichtigste emotionale Gefühl unserer Bürger", das manche zu Unrecht lächerlich machen wollten, sagte Söder beim politischen Aschermittwoch in Passau.

Söder richtete sich zudem an derzeitige AfD-Wähler. Das Credo des früheren Parteivorsitzenden Franz Josef Strauß, wonach es rechts von der CSU keine weitere demokratische Partei geben dürfe, sei weiterhin gültig, sagte der bayerische Finanzminister. Das sei ein "Leitmotiv, das bis heute gilt". "Das heißt nicht Rechtsruck, sondern eine Rückkehr zu alter Glaubwürdigkeit."

Die AfD sei nicht bürgerlich und keine "Ersatz-Union" - manche Funktionäre seien der rechtsextremen NPD näher als der CSU. Er wolle daher die "Lufthoheit über die Stammtische" wiederhaben. Söder beschwor dazu christliche Werte - die Menschen sollten häufiger Kreuz tragen und ein Bekenntnis zur christlichen Prägung solle in die Landesverfassung. "Wer glaubt, dass der Islam oder sogar die Scharia zu unserem Land gehört, da kann ich nur sagen: Diese haben kulturgeschichtlich nichts mit Bayern zu tun."

Unter dem Jubel der CSU-Anhänger forderte er zudem konsequentere Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber. "Nach wie vor sind wir das einzige Land der Welt, in das man ohne Pass hinein- aber nicht mehr hinauskommt", sagt er. Er sprach sich auch für dauerhafte Grenzkontrollen aus - eine Ausweitung des Schengen-Raums komme für ihn nicht infrage. Einen Eurobeitritt Rumäniens und Bulgariens lehnte er ebenfalls ab.

Scheuer: "Genossen ist die Vergangenheit von genießen"

Söder, der noch im ersten Quartal 2018 das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten von Horst Seehofer übernehmen soll, versprach: "Ich bin der Markus, da bin i dahoam und da will ich auch bleiben." Er hatte zuvor bereits im ZDF gepoltert: "Wir wollen keine Berliner Verhältnisse in Bayern." Die CSU sei derzeit die einzig stabile politische Kraft in Deutschland.

Mit Spott über die SPD-Personalquerelen hatte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer zuvor die Veranstaltung eröffnet. "Es hat sich ausgeschulzt und weggekernt", sagte Scheuer über den ehemaligen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz und den früheren österreichischen SPÖ-Bundeskanzler Christian Kern. Über Martin Schulz' vorläufiges Karriereende, der noch vor wenigen Tagen als Außenminister im Gespräch war, ergänzte Scheuer: "Der neue Draußenminister ist: Martin Schulz."

Scheuer sprach von einer "geistig-gesellschaftlichen Wiedervereinigung", und der Geist sei im Bürgertum und nicht im politisch linken Lager zu Hause. "Das Erfolgsgeheimnis ist nicht Zentralisierung, wie die SPD es in den Siebzigerjahren noch guthieß, sondern Dezentralisierung." Den erkrankten 68-jährigen Parteichef Horst Seehofer ließ Scheuer wissen: "Wir machen das schon hier, lieber Horst, Du musst Dir keine Gedanken machen."

Dass es bei der Großen Koalition auf Bundesebene noch etwas stocke, sei Schuld der SPD: "Genossen ist die Vergangenheit von genießen, daher müssen wir noch ein paar Tage Geduld haben", sagte Scheuer. "Der rote Ralle kann sich ja super ereifern", sagte er über SPD-Vize Ralf Stegner, doch die CSU sitze am "Seismographen-Stammtisch".



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apr/dpa/AFP/Reuters



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micromiller 14.02.2018
1. Der Marcus und der Christian
sind die wenigen Politiker, die die ehemalige Bundesrepublik mit ihren unterschiedlichen und sehr erfolgreichen Überzeugungen abbilden. Wenn es den ehemaligen Sozialdemokraten gelänge ebenfalls Politiker aufzustellen die authentisch, sozialdemokratische Politik anbieten, dann wird es auch der CDU gelingen unsere geliebte Kanzlerin in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken. Durch Deutschland und der EU würde ein sehr tiefes Aufatmen zu vernehmen sein und der Linke und Rechte Spuk würde schnell der Vergangenheit angehören.
dr.eldontyrell 14.02.2018
2. Mia san Bia!
"Die wohlfeilste Art des Stolzes ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen." A. Schopenhauer
Karsten Kriwat 14.02.2018
3. CSU: Die machtgeilste Partei der BRD
Die CSU ist die machtgeilste Partei der BRD. Söder hat gesprochen wie ein Oppositionspolitiker. Dabei sitzt die CSU seit zwölf Jahren in einer Regierung Merkel in Berlin. Sie hat alles mitgetragen: Die Flüchtlingspolitik, die EU-Transferunion zur "Rettung des Euro" zugunsten der Südländer - einfach alles, lieber Herr Söder! Und Waigel war als CSU-Finanzminister unter Kohl bereits der Totengräber der stabilen D-Mark... Vielen Dank, liebe CSU!
Fritz Godesberg 14.02.2018
4. Gruselkabinett
Politischer Aschermittwoch - das bedeutet, dass quer durch die Republik vor allem Männer Wert darauf legen mit lautstarker Begeisterung einen Nachweis dafür zu liefern, dass es ihnen ein Leichtes ist, ihren Promillespiegel in kurzer Zeit auf die doppelte Größe ihres IQ's zu bringen. Und dafür werden sie dann von Männern und Frauen, deren Alkoholkonsum gleichfalls dafür sorgt, dass die Hirnaktivität massiv abnimmt, frenetisch gefeiert. Wenn ich die Bilder sehe aus den Bierzelten der Republik, dann frage ich mich ernstlich, ob es wirklich klug ist an der Demokratie festzuhalten. Allerdings lehrte mich mein Großvater schon in jungen Jahren die Menschen so hinzunehmen, wie sie nun mal sind, denn es gäbe keine anderen. Er pflegte zu sagen, dass ein bestechlicher Politiker mit etwa 50.000,-- DM zu Buche schlagen würde und ein unbestechlicher das Doppelte kosten würde und wenn er von der CDU käme mindestens das Dreifache, denn die seien raffinierter und ließen sich darum nicht mit Kleingeld abspeisen. Mein Großvater in allen Ehren, aber dennoch sei die Frage erlaubt ob es am Ende nicht doch einfach nur peinlich ist, dass zum Datum des politischen Aschermittwoch, alles daran gesetzt wird, dass das Gehirn nur durch Aufblasen auf Erbsengröße gebracht werden kann. Sind wir denn wirklich mehrheitlich ein alkoholsüchtiges Dumpfbackengeschwader oder besteht vielleicht doch noch Hoffnung, dass auch wieder Menschen Verantwortung in der Politik übernehmen, deren Intellektuelles Niveau dem eines Dr. Alfred Herrhausen, eines Prof. Dr. Jürgen Habermas, einer Frau Prof. Dr. Rita Süssmuth, einer Frau Annemarie Renger entspricht oder müssen wir am Ende doch damit klar kommen, dass tatsächlich eine breite Mehrheit in unserem Land nicht nur damit einverstanden ist, sondern sogar ein gesteigertes Interesse daran hat, dass bloß kein Intellektueller das politische Geschehen bestimmt. Intellektualität steht in Deutschland immer wieder unter Generalverdacht, denn wie sagte - auch mein Großvater - des kleinen Mannes Sonneschein ist fi...und besoffen sein. In diesem Sinne inzwischen hoffnungslos, Ihne Ihrn Fritz Godesberg, der Name ist Programm
lies.das 14.02.2018
5. Wer war besser? Söder oder Scheuer?
Andreas Scheuers Rede hatte - im Vergleich zu Söder - die besseren Zitate drauf. Der CSU-Generalsekretär läuft sich schon wortstark für den Parteivorsitz warm.
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