CSU Seehofer wirbt für Vaterlandsliebe

Sie überbieten sich in Sachen Patriotismus: Erst buhlte Günther Beckstein um stolze Deutsche, jetzt wirbt auch Landwirtschaftsminister Seehofer für eine gesunde Vaterlandliebe - und rühmt die CSU als Schutzschild gegen Rechtsextremismus.


Hamburg - Der stellvertretende CSU-Chef Horst Seehofer tritt für einen "gesunden Patriotismus" ein. "Es ist nichts Verwerfliches, wenn man sein eigenes Land liebt", sagte der Bundeslandwirtschaftsminister beim CSU-Frühschoppen auf dem Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg und fügte hinzu: "Gerade weil wir Patrioten sind, wollen wir mit den braunen Horden, mit den braunen Schlägertrupps nichts zu tun haben."

Landwirtschaftsminister Seehofer (CSU): "Es ist nichts Verwerfliches, wenn man sein eigenes Land liebt"
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Landwirtschaftsminister Seehofer (CSU): "Es ist nichts Verwerfliches, wenn man sein eigenes Land liebt"

Die CSU nehme die Sorgen und Ängste der Bevölkerung und den Wunsch nach Recht und Ordnung ernst. Das sei der beste Schutz gegen Radikalismus, sagte Seehofer, der sich um den CSU-Vorsitz bewirbt. Dass es in Deutschland keine erfolgreiche rechtsradikale Partei gebe, sei ein Verdienst der CSU. Die SPD habe diese Aufgabe auf der Linken versäumt.

Dass Einwanderer Deutsch lernen sollten, sei eine Frage des gesunden Menschenverstandes, sagte Seehofer unter dem Beifall der 3000 Bierzeltbesucher und sprach sich erneut gegen die Aufnahme der Türkei in die EU aus.

Gestern erst hatte Seehofers Parteikollege Günther Beckstein (CSU) sich um die Anhängerschaft "stolzer Deutscher" bemüht:Der designierte Ministerpräsident des Freistaats will dafür sorgen, dass die CSU die Heimstatt der Wähler am rechten Rand des Parteienspektrums bleibt. "Ich finde es unbedingt notwendig, dass die demokratische Rechte sich bei uns heimisch fühlt", sagte Beckstein der "Bild am Sonntag". "Ich sage ausdrücklich: Sie ist in der CSU willkommen. Und eine Demokratie, in der es nur eine Mitte gibt, wäre doch total langweilig", fügte er hinzu.

"Lieber harter Hund als Weichei"

"Ich sehe es ganz persönlich als meine Aufgabe an, dass Menschen sich bei uns gut aufgehoben fühlen, die sagen: 'Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein'", sagte Beckstein weiter. Das gilt nach seinen Worten auch für Menschen, die eine stärkere Vertretung nationaler Interessen fordern. Allerdings müsse die harte Abgrenzung zu Rechtsradikalen genauso klar sein. Die CSU mache eine Politik, die Sicherheit und Ordnung Vorrang gebe, fügte er an. "Ich selbst bin lieber ein harter Hund für Law and Order als ein Weichei für Unrecht und Unordnung." Seine Partei stehe außerdem für eine restriktive Zuwanderungspolitik. Und wer nach Deutschland komme, müsse die deutsche Sprache beherrschen und bereit sein, sich hier einzuordnen.

Beckstein kündigte zugleich Kontinuität in der Regierungspolitik an: "Ich werde den bisherigen Kurs fortsetzen, denn es war auch mein Kurs." Stoiber selbst wird nach Einschätzung des CSU-Politikers auch nach dem Ausscheiden aus dem Ministerpräsidentenamt eine politische Rolle im Freistaat spielen.

Bei der Wahl zum CSU-Vorsitz unterstützt Beckstein Seehofers Gegenkandidaten Erwin Huber.

Seehofer erklärte, er wolle auch im Fall einer Niederlage im Kampf um den Parteivorsitz Bundesverbraucherschutzminister in Berlin bleiben. Wer verliere, habe sich wieder einzugliedern, um weiter am Erfolg der CSU mitzuarbeiten, sagte Seehofer. Er wolle natürlich gewinnen. Ihm sei aber auch klar, dass Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber als Favorit in die Abstimmung auf dem CSU-Parteitag Ende September gehe.

anr/AFP/itz/ddp/AP



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