CSU So verlief der Tag nach der Wahlkatastrophe

Tag eins nach dem Landtagswahl-Desaster der CSU: Die Parteispitze tagte in München und in Berlin trat ein Spitzenpolitiker nach dem anderen vor die Mikrofone. Lesen Sie bei SPIEGEL ONLINE nach, was Beckstein, Huber und Co. beschlossen - und was die Gewinner sagten.


+++ Linke-Chef: CSU-"Kreuzzug" kostete Stimmen +++

[16.12 Uhr] Die Linkspartei hat heftige Anfeindungen der CSU im Wahlkampf für ihr Scheitern in Bayern verantwortlich gemacht. "Es wurde ein ohnehin stark verhafteter Antikommunismus mobilisiert", sagte Parteichef Lothar Bisky. Das Abschneiden der Linken wertete er als achtbares Ergebnis: "Wir haben aus dem Stand 4,3 Prozent erreicht. Das hätte uns mancher vor einem Jahr nicht zugetraut."

+++ Gabriele Pauli könnte in Landtag einziehen +++

[16.02 Uhr] Die frühere CSU-Rebellin Gabriele Pauli wird möglicherweise für die Freien Wähler (FW) in den bayerischen Landtag einziehen. Nach Auszählung von fünf der zwölf mittelfränkischen Stimmkreise entfielen auf Pauli nach Angaben des Landeswahlleiters schon mehr als 19.000 Zweitstimmen. Sie lag damit bereits weit vor allen anderen Kandidaten der FW-Bezirksliste. Auf die Freien Wähler in Mittelfranken entfallen zwei Landtagsmandate.

+++ Erwin Huber: "Ich klebe nicht an Ämtern" +++

[15.27 Uhr] CSU-Chef Erwin Huber hat einen späteren Rücktritt als Folge der Wahlniederlage nicht ausgeschlossen. "Ich klebe auch nicht an Ämtern", sagte Huber, fügte aber hinzu: "Eine Flucht aus der Verantwortung kann es nicht geben." In den kommenden Wochen bis zum Sonderparteitag am 25. Oktober werde parteiintern über alle Themen gesprochen. "Da gehören auch personelle Weichenstellungen hinzu." Er werde seinen Teil dazu beitragen, dass die CSU für das Wahljahr 2009 in eine optimale Ausgangsposition komme.

+++ CSU-Chef Huber kritisiert CDU +++

[15.25 Uhr] Nach dem Wahldebakel in Bayern hat die CSU als eine der Ursachen mangelnde Unterstützung auf der Bundesebene beklagt. "Anders als 2003 hatten wir keinen Rückenwind aus der Bundespolitik", sagte der CSU-Vorsitzende Erwin Huber. "Wir hätten uns von der CDU mehr Unterstützung erwartet", fügte er mit Blick auf die unterschiedlichen Vorstellungen bei der Pendlerpauschale und in anderen Steuerfragen hinzu.

+++ Sonderparteitag entscheidet über CSU-Spitze +++

[15.14 Uhr] Die CSU hält nach ihrem Wahldesaster vorerst an ihrer Führung fest. Über die künftige Aufstellung der Partei soll am 25. Oktober ein Sonderparteitag in München entscheiden. Das kündigte CSU-Chef Erwin Huber nach einer Vorstandssitzung an. Seine persönliche Zukunft hielt Huber offen. Auf die Frage, ob er sich beim Parteitag wieder zur Wahl stellen werde, sagte er: "Die Frage stellt sich im Moment nicht." Für die Wahlniederlage, bei der die CSU auf 43,4 Prozent abstürzte und ihre Alleinherrschaft einbüßte, habe es eine Vielzahl von Gründen gegeben. "Die Wähler haben uns einen massiven Denkzettel erteilt", sagte Huber.

+++ Wahldebakel fordert prominente Opfer +++

[14.57 Uhr] Das Wahldesaster der CSU hat im bayerischen Landtag prominente Opfer gefordert. Wirtschaftsministerin Emilia Müller, die ehemalige Kultusministerin und Strauß-Tochter Monika Hohlmeier und CSU-Nachwuchshoffnung Georg Fahrenschon, der schon vor einem Jahr als möglicher Generalsekretär gehandelt wurde, erhalten aller Voraussicht nach kein Mandat. Sie waren nur über die Wahlkreislisten angetreten. Aus ihren Wahlkreisen ziehen, nach Auskunft der Wahlleitung, aber jeweils nur die Direktkandidaten der CSU in den Landtag ein.

+++ Huber lehnt Rücktritt seiner Generalsekretärin ab +++

[14.50 Uhr] CSU-Chef Erwin Huber hat ein Rücktrittsangebot von Generalsekretärin Christine Haderthauer wegen des Wahldebakels abgelehnt. Huber sagte, Haderthauer habe ihm am gestrigen Sonntag unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Zahlen angeboten, mit ihrer Demission die Verantwortung für die Wahlschlappe zu übernehmen. Er habe dies abgelehnt, "weil wir nicht ein Bauernopfer wollen, weil Solidarität nicht darin bestehen kann, dass man eine Person oder mehrere zu Sündenböcken machen kann".

+++ Linke sieht sich in Bayern bestätigt +++

[14.46 Uhr] Die Parteispitze der Linken hat den Ausgang der bayerischen Landtagswahl als Erfolg für die Partei gewertet. Das Ergebnis liefere eine "hervorragende Ausgangsbasis für kommende Wahlen", sagte Parteivize Klaus Ernst. Der bundesweite Aufwärtstrend der Partei sei nicht gebrochen worden, da die Linke auch in Bayern Stimmen hinzugewonnen habe. Der Parteivorsitzende Lothar Bisky sprach von einem "achtbaren Ergebnis", auch wenn die Linke den Sprung in den bayerischen Landtag nicht geschafft habe.

+++ Personelle Konsequenzen bleiben zunächst aus +++

[14.34 Uhr] Das Fiasko der CSU bei der bayerischen Landtagswahl hat vorerst keine personellen Konsequenzen. Ein Rücktritt von Parteichef Erwin Huber oder Ministerpräsident Günther Beckstein habe bei der Vorstandssitzung am heutigen Montag keine Rolle gespielt, sagte der Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach. Auch CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer soll im Amt bleiben. Ein Parteitag soll für den 25. Oktober einberufen werden, wie die Vorstandsmitglieder Thomas Goppel und Markus Ferber sagten. "Bis dahin müssen alle Personalfragen geklärt sein", sagte Ferber. Der CSU-Vorstand soll in zwei Wochen erneut zusammentreten.

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