München - Die frühere bayerische Sozialministerin Christa Stewens ist neue Fraktionschefin der CSU. Die 67-Jährige tritt die Nachfolge des zurückgetretenen Georg Schmid an. Stewens wurde auf einer Sondersitzung der Landtagsfraktion in München gewählt und soll das Amt vorübergehend bis nach der Landtagswahl im September dieses Jahres übernehmen. Sie erhielt 79 von 80 Stimmen. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa von Teilnehmern, CSU-Pressesprecher Franz Stangl bestätigte das Ergebnis via Twitter.
Stewens kandidiert nicht wieder für den Landtag. Ministerpräsident Horst Seehofer könnte damit sein Personaltableau im Herbst komplett neu sortieren. Stewens sagte schon vor der Sitzung, sie sei von Schmid, Seehofer und der Oberbayern-CSU, namentlich von Sozialministerin Christine Haderthauer, gefragt worden, ob sie kandidiere. Stewens betonte: "Es ist ganz wichtig, dass wir keine weiteren Personaldiskussionen haben."
Eine Kabinettsumbildung nach dem Rücktritt Schmids hatte Seehofer ausgeschlossen. Vor allem Finanzminister Markus Söder waren immer wieder Ambitionen auf den Posten des Fraktionschefs nachgesagt worden. Möglicherweise könnte die jetzige Bundesagrarministerin Ilse Aigner, die im Herbst nach Bayern wechselt, den Posten nach der Landtagswahl von Stewens übernehmen.
Unmittelbar nach der Sondersitzung fuhren Seehofer und die CSU-Spitzen weiter ins Kloster Andechs. Dort beginnt am Nachmittag eine lange geplante Klausurtagung des Parteivorstands, sie dauert bis Samstag.
Schmid war am Donnerstag knapp fünf Monate vor der Landtagswahl in Bayern über die Affäre um die üppig entlohnte Beschäftigung seiner Ehefrau als Büromitarbeiterin gestürzt. Er hatte seine Gattin seit 23 Jahren als Mitarbeiterin in seinem Heimatwahlkreis engagiert und aus der Landtagskasse bezahlt - zuletzt mit bis zu 5500 Euro im Monat zuzüglich Mehrwertsteuer. Rechtlich war das zulässig, weil Schmid wie 16 weitere CSU-Abgeordnete ein Schlupfloch im Abgeordnetengesetz nutzte. Wegen der Höhe der Gehaltssumme hatte Schmid aber dann schnell und massiv an Rückhalt in seiner Partei verloren - und auch bei Seehofer persönlich.
max/dpa
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