Bundestagswahl in Bayern CSU stürzt auf niedrigstes Ergebnis seit 1949

Die CSU hat bei der Bundestagswahl ein Debakel erlebt: Die Christsozialen stürzten laut Prognose des Bayerischen Rundfunks auf 38,5 Prozent ab - nach 49,3 Prozent vor vier Jahren.

Horst Seehofer
REUTERS

Horst Seehofer


Die CSU hat bei der Bundestagswahl in Bayern deutliche Verluste erlitten. Laut Prognose des Bayerischen Rundfunks landet die Partei von Horst Seehofer bei 38,5 Prozent - ein Verlust von 10,8 Prozentpunkten gegenüber 2013. Das wäre das schlechteste Bundestagswahlergebnis der CSU seit 1949. In Umfragen hatten die Christsozialen zuletzt noch bei rund 47 Prozent gelegen.

"Sollte die Tendenz stimmen, ist das eine Katastrophe", sagte der frühere Parteichef Erwin Huber. Die CSU müsse sowohl politische Inhalte als auch ihre Position gegenüber der CDU infrage stellen.

"Wir hatten eine offene rechte Flanke auf der rechten Seite", sagt Seehofer. "Es kommt darauf an, dass wir diese Flanke schließen. Mit klarer Kante und klaren Positionen." Verkehrsminister Alexander Dobrindt sprach von einem bitteren Wahlabend. Für die CSU bedeute dies, dass sie ihre Themen - vor allem die Migrations- und Flüchtlingspolitik - in anstehenden Koalitionsverhandlungen noch stärker deutlich machen müsse.

Für die CSU und Seehofer persönlich ist diese Prognose auch deshalb ein verheerendes Signal, weil in einem Jahr ein neuer Landtag in Bayern gewählt wird. Dort droht der CSU, wie schon 2008, der Verlust der absoluten Mehrheit.

Seehofer ist seit Oktober 2008 CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident. Er hatte im April angekündigt, in diesem Herbst wieder als Parteichef und im Herbst 2018 wieder als Ministerpräsident zu kandidieren.

Seehofer und die CSU hatten im Bundestagswahlkampf einen Spagat versucht: Nach langem Krach mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Flüchtlingspolitik hatte Seehofer Anfang des Jahres wieder den Schulterschluss mit Merkel gesucht. Diese "Schaukelpolitk" habe offenbar die Wähler irritiert, sagte der frühere CSU-Chef Erwin Huber am Sonntagabend im BR Fernsehen.

syd/dpa



insgesamt 63 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Dr. Murks 24.09.2017
1. Suum cuique
nach dem Maut- und Abgasdesaster.
deglaboy 24.09.2017
2. Tja so geht das halt...
wenn man partout den Drehhofer macht. Irgendwann drehen sich dann die Wähler um und gehen. Bevor ihnen schwindelig wird von den vielen Drehungen. Es wird Zeit, dass wir wieder eine bemerkenswerte Anzahl an Politikern haben, die auch noch die Richtung "Geradeaus" kennen.
einwerfer 24.09.2017
3. Das wird bitter
für ganz Deutschland. Denn die CSU will im nächsten Jahr ihre absolute Mehrheit in Bayern verteidigen, wird also gewaltig nach rechts rutschen um die verloren gegangenen Wähler zurück zu bekommen. Das wird auch ein Zustandekommen einer Jamaica-Koalition sehr schwierig machen, da Grüne und FDP über viele CSU-Stöckchen werden hüpfen müssen. Es sei denn, Grüne und FDP sind so froh darüber, wieder an die Tröge der Macht zu kommen, dass sie alle Prinzipien vergessen (was nicht ganz unwahrscheinlich wäre). Die nächsten Tage werden's zeigen.
thequickeningishappening 24.09.2017
4. Die Wand broeckelt
Interessant waere eine Grafik ueber die Abwanderung von CSU zur AfD.
geschädigter5 24.09.2017
5. War zu erwarten
Wer die Thesen der AFD übernimmt muss sich nicht wundern, die die Bürger auch in Bayern das Original, also gleich diese wählt. Ohne konkrete eindeutige Gegenrede gegen die AFD hat die CSU entsprechend verloren.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.