Hamburg - Laut Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ist ein politisches Comeback von Karl-Theodor zu Guttenberg nach der Veröffentlichung seines umstrittenen Gesprächsbandes "Vorerst gescheitert" schwieriger geworden. "Ich fürchte, dass Karl-Theodor mit seinem Interviewbuch Wunden geschlagen hat, die so schnell nicht verheilen werden", sagte Friedrich, der auch Bezirksvorsitzender der CSU in Guttenbergs Heimat Oberfranken ist, dem SPIEGEL.
Der CSU-Kreisvorsitzende in Lichtenfels, Christian Meißner, sieht dies genauso. "Es bleibt dabei, dass er die Möglichkeit hat, zu kandidieren", sagt Meißner. "Aber es wäre nicht nötig gewesen, uns eine mitzugeben."
Guttenberg war wegen der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit im März vom Ministeramt zurückgetreten und zog sich danach auch von allen anderen politischen Ämtern zurück. Ende des Sommers ging er mit seiner Familie in die USA. Sein Buch ist seit Dienstag im Handel erhältlich und hat es bereits in die Bestseller-Listen geschafft. Laut Angaben des Herder-Verlags wurden inzwischen 80.000 Exemplare des Buchs, in dem Guttenberg mit "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo diskutiert, an die Händler ausgeliefert. Weitere 35.000 Ausgaben würden derzeit nachgedruckt, sagte ein Sprecher am Freitag.
In der CSU sorgt unter anderem Guttenbergs Kritik, die Partei sei zu wenig an Europa orientiert, für Diskussionen. Der Chef der CSU im Europaparlament, Markus Ferber, beklagt die Uneinigkeit in der Partei, vor allem zwischen München und Brüssel. "Wir sind keine einheitliche Firma mehr. Das ist unser Problem", so Ferber. Der CSU-Europaparlamentarier Manfred Weber sagte: "Die proeuropäische Haltung der CSU kommt in ihren Papieren klar zum Ausdruck. Nur müssen wir das im Alltag auch leben."
Unterstützung erhält Guttenberg vom Parlamentarischen Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Stefan Müller. "Die CSU darf sich nicht nur als bayerische Interessenvertretung sehen. Sonst droht sie auch nur als Regionalpartei wahrgenommen zu werden."
Neue Plagiatsvorwürfe gegen Guttenberg
Kaum hat er sich mit seinem Buch wieder ins Rampenlicht katapultiert, da werden auch schon neue Plagiatsvorwürfe gegen von Guttenberg laut: Laut Informationen der "Welt am Sonntag" werfen werfen die Experten der Internet-Plattform GuttenPlag Wiki dem Politiker vor, beim Verfassen eines Aufsatzes aus dem Jahr 2004 ähnlich verfahren zu sein wie bei seiner Doktorarbeit 2006.
Dem Bericht zufolge analysierten die Rechercheure einen 23 Seiten langen außenpolitischen Aufsatz Guttenbergs mit dem Titel "Die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU - eine 'Privilegierte Partnerschaft'". Dabei wiesen sie demnach auf bisher 13 Seiten Textpassagen nach, die aus unterschiedlichen Quellen stammen - darunter Zeitungsartikel, Ausarbeitungen der Europäischen Union und ein Dokument des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages.
Rund ein Drittel des Essays, der in der Zeitschrift "aktuelle analysen" der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung veröffentlicht wurde, seien laut GuttenPlag abgeschrieben.
"Unsere Analyse des Beitrags zeigt, dass sich hier in kleiner Form das Bauprinzip der Doktorarbeit widerspiegelt", erklärten die Internet-Aktivisten von GuttenPlag der "Welt am Sonntag". In der Doktorarbeit von 2006 spiele der Aufsatz von 2004 allerdings kaum eine Rolle.
Guttenberg selbst räumte ein, dass für den Text Quellen genutzt worden seien, schließlich habe es sich nicht um eine wissenschaftliche Leistung, sondern um ein außenpolitisches Papier gehandelt: "Selbstverständlich wurden hierbei bestehende, fremde Quellen genutzt, da ja lediglich die politische Meinung unterfüttert werden sollte", sagte er der "Welt am Sonntag".
"Guttenberg nicht so wichtig nehmen"
Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hingegen hat gelassen auf das Wiederauftauchen seines Amtsvorgängers reagiert. "Wir sollten Karl-Theodor zu Guttenberg und seine momentanen Aktivitäten nicht so wichtig nehmen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". De Maizière fügte hinzu: "Das gilt für alle: für ihn selbst, für die Politiker, aber auch für die Medien. Damit wäre allen am meisten gedient, auch ihm."
Nach Ansicht vieler Bürger allerdings ist Guttenberg noch immer der Politiker, dem sie die Neugründung einer konservativen Partei am ehesten zutrauen. 30 Prozent trauen ihm einen solchen Schritt zu, wie eine am Samstag veröffentlichte Umfrage von TNS Emnid im Auftrag von "Focus" ergab.
Deutlich hinter dem über eine Plagiatsaffäre gestürzten CSU-Politiker liegt mit 20 Prozent der ehemalige CDU-Politiker Friedrich Merz, den seit seinem Rückzug aus der Politik immer wieder Gerüchte um eine Parteigründung begleiten. Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel, der selbst entsprechende Spekulationen genährt hatte, halten dagegen nur acht Prozent der Befragten für geeignet, den CSU-Rebell Peter Gauweiler sechs Prozent. Befragt wurden 1000 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger.
ala/dpa/dapd
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