CSU-Umbau Guttenberg wird Seehofers Generalsekretär

Horst Seehofer bastelt an seiner Führungsmannschaft, heute muss er sie vorstellen - eine zentrale Personalie steht jetzt schon fest: Der 36-jährige Bundestagsabgeordnete Karl-Theodor zu Guttenberg wird neuer CSU-Generalsekretär. Er tritt die Nachfolge der glücklosen Christine Haderthauer an.

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München - Die Berufung Karl-Theodor zu Guttenbergs zum neuen CSU-Generalsekretär steht nach Informationen mehrerer Nachrichtenagenturen fest. Parteichef Horst Seehofer will demnach den 36-Jährigen zum Nachfolger von Christine Haderthauer machen. Diese war erst Ende Oktober 2007 von Seehofers Vorgänger Erwin Huber berufen worden, infolge des CSU-Debakels bei der Landtagswahl aber wie die restliche Parteiführung in die Kritik geraten und unhaltbar geworden.

Neuer CSU-Generalsekretär Guttenberg: Schon sein Großvater war in der Politik aktiv
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Neuer CSU-Generalsekretär Guttenberg: Schon sein Großvater war in der Politik aktiv

Seehofer wird heute sein bayerisches Kabinett vorstellen und dabei auch die anderen CSU-Personalien klären. Als Favoritin für die Nachfolge Seehofers an der Spitze des Bundeslandwirtschaftsministerium gilt nun nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa die Bundestagsabgeordnete Ilse Aigner, 43.

Bislang ist Guttenberg Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss und rüstungskontrollpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, außerdem Sprecher der deutsch-britischen Parlamentariergruppe. Der Adlige gilt als eines der Talente in der CSU. In knapp sechs Wochen feiert er seinen 37. Geburtstag. Schon sein Großvater war in der Politik aktiv - als parlamentarischer Staatssekretär unter Kanzler Kurt-Georg Kiesinger Ende der sechziger Jahre, zu Zeiten der Großen Koalition.

Guttenberg, verheiratet und Vater zweier Kinder, kommt aus einem musischen Haushalt; sein Vater ist der Dirigent Enoch zu Guttenberg.

In den vergangenen Jahren fiel der CSU-Außenpolitiker vor allem mit einem Thema auf - Afghanistan und anderen Krisenherden dieser Welt. Wie kaum ein anderer Unions-Politiker hatte er gegen jene Politiker gestritten, die den Kampf am Hindukusch kleinreden wollen. So verfasste er im Juni 2007 mit dem SPD-Außenpolitiker Hans-Ulrich Klose ein Papier, in dem auch über die Entsendung von Bundeswehrausbildern in den umkämpften Süden des Landes nachgedacht wurde. Zugleich hatten beide die Zusammenlegung der Mandate für den Isaf-Einsatz, den Anti-Terror-Kampf "Operation Enduring Freedom" und den Tornado-Einsatz verlangt.

Das Papier war mit den Außenpolitikern in der Unionsfraktion nicht abgestimmt und brachte den beiden Ärger ein. Unions-Kollegen wie der Außenpolitiker Eckart von Klaeden und der Russlandbeauftragte Andreas Schockenhoff gingen auf Distanz. Auch der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold kritisierte das Duo Guttenberg/Klose: "Was wir brauchen sind differenzierte Lösungen, keine Vorschläge, die wir uns öffentlich um die Ohren hauen."

Guttenberg, der 2002 erstmals in den Bundestag gewählt wurde und zuletzt sein Direktmandat in Kulmbach mit 60 Prozent errang, gehört zu jenen jungen Kräften in der CSU, die seit langem auf Veränderungen drangen. Seine Wahl zum oberfränkischen Bezirkschef im Dezember 2007 kam überraschend.

Der damalige CSU-Chef Erwin Huber war, wie viele andere, davon ausgegangen, dass sich der um über zehn Jahre ältere Hartmut Koschyk durchsetzen würde. Huber gestand damals ein, er habe eigentlich mit Koschyk gerechnet. Der war und ist parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe in Berlin, also einer der eigentlich mächtigen Männer. Doch dann kam alles ganz anders. Guttenberg hielt eine mitreißende Rede und die Delegierten wählten ihn zu ihrem neuen Bezirkschef. 58 Prozent vereinte er auf sich. Seine Getreuen sprachen damals von einer "Sensation".



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mbberlin, 30.09.2008
1.
Viel Auswahl bleibt ja sonst nicht und einer muss es ja machen. Immerhin hat Seehofer in Bayern anscheinend keinen besonderen Ruf, den er noch irgendwie großartig verspielen könnte. Das ist doch ein klarer USP! :-)
Balu2 30.09.2008
2. Ist Seehofer der richtige Mann für die CSU
Zitat von sysop13 Monate war er im Amt - jetzt tritt Erwin Huber als CSU-Chef zurück. Er werde auf dem Sonderparteitag Ende Oktober sein Amt zur Verfügung stellen, sagte Huber auf einer Pressekonferenz. Bundesminister Horst Seehofer ist bereit, sein Nachfolger zu werden. Ist Seehofer der richtige Mann für die CSU-Spitze?
Die Südzucker wird schon genug Öffentlichkeitsarbeit leisten um Seehofer zu stärken.
Heidelerche, 30.09.2008
3.
Wozu braucht man eine CSU-Spitze? Soll die CDU die aufmüpfige "Schwsterpartei" doch integrieren. Hier in S-H oder in NRW gibt es ja auch keine Extrawürste!
Wabalu, 30.09.2008
4. Seehofer hätte gleich Parteichef werden sollen!
Das Schwergewicht im physischen und psychischen Sinne wird trotz seiner Einzelgängerattitüten zunächst einmal Ruhe in die CSU tragen. Er sitzt in Berlin am Kabinettstisch. Er steht für das S in der CSU. Viele sagen ja, Seehofer könnte auch in der SPD reüsieren. In der Bundespolitik mischt er seit 92 mit. Trotz Herzinfarkt und Schlammschlacht gegen ihn glaube ich, dass er jetzt der richtige Mann ist. Allerdings ist es immer wieder traurig ansehen zu müssen, dass die Personaldecke hinsichtlich jüngerer Kräfte für Spitzenpositionen in den Parteien so dünn ist.
Balu2 30.09.2008
5. Er steht für das S in der CSU
Zitat von WabaluDas Schwergewicht im physischen und psychischen Sinne wird trotz seiner Einzelgängerattitüten zunächst einmal Ruhe in die CSU tragen. Er sitzt in Berlin am Kabinettstisch. Er steht für das S in der CSU. Viele sagen ja, Seehofer könnte auch in der SPD reüsieren. In der Bundespolitik mischt er seit 92 mit. Trotz Herzinfarkt und Schlammschlacht gegen ihn glaube ich, dass er jetzt der richtige Mann ist. Allerdings ist es immer wieder traurig ansehen zu müssen, dass die Personaldecke hinsichtlich jüngerer Kräfte für Spitzenpositionen in den Parteien so dünn ist.
Wenn sie das .S. meinen wofür er steht können sie es auch ausschreiben.SÜDZUCKER
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