SPON-Umfrage Mehrheit wünscht sich bundesweite CSU

Fast täglich attackiert die CSU Kanzlerin Merkel. Sollte die Partei auf Bundesebene antreten? Eine Mehrheit spricht sich im SPON-Trend dafür aus - will aber zugleich eine europäische Flüchtlingspolitik.

CSU-Bierzelt (Archivbild)
imago/ Michael Trammer

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Seit Wochen kriselt es heftig zwischen CDU und CSU, die Union droht zu zerbrechen. Damit könnte auch eine alte Abmachung ihre Gültigkeit verlieren: Dass die CSU als Regionalpartei nur in Bayern antritt und in anderen Bundesländern der CDU keine Konkurrenz macht.

In Krisenzeiten benutzte die CSU diese Option immer wieder als Druckmittel gegenüber den Christdemokraten. Doch schon lange waren die Zerwürfnisse zwischen den Schwesterparteien nicht mehr so erheblich wie jetzt. Eine SPIEGEL-ONLINE-Umfrage zeigt: Eine Mehrheit der Befragten würde es begrüßen, wenn die CSU auch im Bund eigenständig antritt.

Mehr als 60 Prozent stehen dieser Idee eher positiv bis sehr positiv gegenüber. 31 Prozent können sich dieses Szenario dagegen eher nicht vorstellen.

Ob es wirklich zu einem Bruch kommt, ist allerdings fraglich: Beide Parteien werben um eine ähnliche Wählerschaft. Das Ende der Union könnte beiden massiv schaden.

Wie gespalten die Gesellschaft bei der Asylfrage ist, zeigt eine weitere Auswertung: Zwar kann sich eine Mehrheit der Menschen die CSU auf Bundesebene gut vorstellen, doch die Mehrheit spricht sich dann doch für die Politik Angela Merkels in der Migrationsfrage aus.

So sagen mehr als 50 Prozent der Befragten, die Flüchtlingsfrage könne besser auf europäischer als auf deutscher Ebene gelöst werden - das ist jener Kurs, den die CDU-Chefin verfolgt. Knapp 45 Prozent dagegen würden die Frage lieber auf nationalem Weg angehen und unterstützen damit den Ansatz von Innenminister Horst Seehofer.

Geschadet haben die vergangenen Wochen dem CSU-Chef jedenfalls nicht: Im SPON-Regierungsmonitor ist er der Gewinner. Seehofer legte bei den Zufriedenheitswerten besonders in den vergangenen zwei Wochen zu.

Das zeigt: Seehofer profitiert offenbar vom Streit mit Merkel in der Asylpolitik. Inzwischen belegt er den zweiten Rang im Ranking - das bedeutet eine Verbesserung von drei Plätzen im Vergleich zur Auswertung im Mai. Mehr als 40 Prozent sind mit seiner Arbeit eher oder sehr zufrieden.

Um die repräsentativen Bewertungen der Minister und der Kanzlerin vergleichen zu können, arbeitet Civey mit einem Scoringverfahren. (Lesen Sie hier mehr zum Verfahren.) Der bestmögliche Index beträgt 200, das schwächste Ergebnis wäre -200.

Kanzlerin Merkel verharrt bei den Zufriedenheitswerten auf dem zwölften Platz. Ihre Bewertung hat sich allerdings um rund 15 Punkte verschlechtert. Größter Verlierer ist Wirtschaftsminister Peter Altmaier (31 Punkte schlechter als bei der vorherigen Auswertung).

Zunehmend zufrieden sind die Menschen dagegen mit Außenminister Heiko Maas. Er profitiert offensichtlich von seinem Amt, das schon anderen Politikern vor ihm Sympathien einbrachte - etwa Sigmar Gabriel. Maas belegt nun Platz vier, im Mai war es noch Platz elf.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

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vliege 20.06.2018
1. Kein Wunder
hat sich die sonstige Parteienlandschaft in den Merkel Jahren in einen Profillosen Einheitsbrei verwandelt.
markniss 20.06.2018
2. Nur 35%?
Ich komme auf 43,8%. Setzt SPON jetzt schon die Regeln der Mathematik außer Kraft, nur um die Kanzlerin zu stützen?
fni 20.06.2018
3. Wie CSU, so die CDU...
M.E. sollte die CSU genau wie die CDU in ganz Deutschland wählbar sein. Aber nicht aus den genannten inhaltlichen Gründen, sondern einfach weil die beiden Parteien nun einmal nicht identisch sind und wir uns bei einer Wahl auf Bundesebene befinden. Dort ist es m.E. laut Wahlfreiheit nur logisch, dass ich - eben - die Wahl habe. Wären beide Parteien deckungsgleich, so wäre es nur eine Formsache. Ist es aber mittlerweile nicht mehr. Viele Ansichten beider Parteien sind gegensätzlich.
norgejenta 20.06.2018
4. naja
Eigentlich war ja die CDU mal eine Partei der Mitte. Links davon stand die SPD, noch ein Stückdavon links die Grünen und davon ein Stück entfernt die Linken. Rechts von der CDU gab es nichts.. also was nennenswertes. Und nu? Haben wir eine Bundeskanzlerin der CDU die von den Linken! bejubelt wird und darum bittet nicht aufzugeben. Siehe, Grüne, Taz und wat weiss ich noch... Was denkt man sich da als Mitglied dieser Partei?
stadtmusikant123 20.06.2018
5. jeder stellt sich was anderes vor
Zu dem Punkt wer die Flüchtlingskrise besser bewältigen kann "europäisch" oder " Seehofer", muss man anmerken, dass die Frage unpräzise ist. Der eine stellt sich als Lösung ein stringenteres Grenzmanagement vor , der andere glaubt , die EU könne alles managen und heilen. Die Diskussion wird erst noch einiges klären denke , die Ergebnisse sind in einer Woche garantier anders.
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