Streit über Schröder-Äußerung: Ach, du großes Gott!

Der Gott, die Gott, das Gott - wie heißt es denn nun? Pünktlich zum Weihnachtsfest streitet die Union über den Vorstoß von Familienministerin Kristina Schröder zu einem geschlechtsneutralen Gottesbegriff. Vor allem aus der CSU hagelt es Kritik: "Verkopfter Quatsch" sei das.

Familienministerin Schröder (im Mai 2012): Scharfe Kritik aus den eigenen Reihen Zur Großansicht
dapd

Familienministerin Schröder (im Mai 2012): Scharfe Kritik aus den eigenen Reihen

Berlin - Es geht stramm auf Weihnachten zu - in der CDU/CSU ist das offenbar Anlass für einen gepflegten Streit um den wohl zentralsten Begriff des christlichen Glaubens. Der Anlass: Bundesfamilienministerin Kristina Schröder hatte in einem Interview mit der Wochenzeitung "Zeit" erklärt, der bestimmte Artikel bei der Redewendung "der liebe Gott" sei eigentlich egal, man könne genauso gut auch "das Gott" sagen.

Diesen Vorstoß finden zahlreiche Unions-Kollegen offenbar überhaupt nicht komisch. Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer reagierte empört. "Dieser verkopfte Quatsch macht mich sprachlos", sagte die CSU-Politikerin der "Bild"-Zeitung. "Ich finde es traurig, wenn unseren Kindern aus lauter Unsicherheit und Political Correctness die starken Bilder genommen werden, die für ihre Phantasie so wichtig sind."

Die aus Brandenburg stammende CDU-Politikerin Katherina Reiche, die im Bundesumweltministerium Staatssekretärin ist, wies Schröders Äußerungen ebenfalls zurück: "Der liebe Gott bleibt der liebe Gott!" Der Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Stefan Müller, zeigte sich irritiert: "Ich finde es unabhängig von der Weihnachtszeit unpassend und bin etwas verwundert."

Ähnlich kritisch äußerte sich der konservative Rechtspolitiker Norbert Geis (CSU): "Gott ist uns von Christus als Vater offenbart. Dabei sollte es bleiben." Zurückhaltung in der Debatte übte der hessische CDU-Landesverband, wo Schröder demnächst als Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl aufgestellt werden soll. Der hessische CDU-Abgeordnete Klaus-Peter Willsch sagte dem Blatt: "Wem nur ein geschlechtsneutraler Zugang zum Herrgott möglich erscheint, dem empfehle ich gerade in der Weihnachtszeit DAS Christkind."

In dem Interview hatte sich Schröder neben dem Gottesbegriff auch über Diskriminierungen und Rollenbilder in zahlreichen Klassikern der Kinderbuchliteratur ausgelassen.

Konkret äußerte sie sich zu den Werken der Autorin Astrid Lindgren. Wenn etwa Pippi Langstrumpfs Vater Efraim als "Negerkönig" bezeichnet werde oder Jim Knopf als "Negerbaby", dann werde sie dies bei ihrer Tochter Lotte "synchron übersetzen, um mein Kind davor zu bewahren, solche Ausdrücke zu übernehmen".

Auch die vor 200 Jahren erstmals veröffentlichen Märchen der Brüder Grimm seien "oft sexistisch", sagte die Ministerin in dem Interview. "Da gibt es selten eine positive Frauenfigur."

jok/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 543 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ja kommt,
chris4you 21.12.2012
lasst uns alles umschreiben, Machen, Geschichte etc.! Das ist der Bringer und hat auch gar nichts mit Faelschubg zu tun, nur aufpassen, dass vorhandene "Böse Maenner" erhalten bleiben... Gorgina Orwell lässt gruessen...
2. Man kann nur...
rolfseul 21.12.2012
immerwieder diejenigen, die Frau Schröder diesen Job verpasst haben, gratulieren. Denn sie lässt kein, aber auch gar kein Fettnäpfchen aus, um mit beiden Beinen hinein zu springen. Diese Frau ist eine absolute Fehlbesetzung als Familienministerin, nur weil der hessische CDU-Verband dran war, hat man keine Bessere gefunden, wie Frau Schröder. Arm, sehr arm!!!
3. also, wenn frau schröder keine
viceman 21.12.2012
Zitat von sysopdapdDer Gott, die Gott, das Gott - wie heißt es denn nun? Pünktlich zum Weihnachtsfest streitet die Union über den Vorstoß von Familienministerin Kristina Schröder zu einem geschlechtsneutralen Gottesbegriff. Vor allem aus der CSU hagelt es Kritik: "verkopfter Quatsch" sei das. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/csu-und-cdu-kritisieren-kristina-schroeder-fuer-das-gott-aeusserung-a-874233.html
anderen probleme hat ! ist schon putzig, mit was sich deutsche minister beschäfftigen. und zu herrn geis, evtl. ist gott in ihm ( das wäre aber nicht der "liebe" gott ! ) - in mir z.b. ist er nicht...- gott sei dank ;-)
4. Frau Schröder
peeka 21.12.2012
scheint bei denen punkten zu wollen, von denen sie bisher abgelehnt wird. Das ist für eine Politikerin opportun, gewählt wird sie deshalb wohl aber nicht. Es sei denn, es findet sich mal wieder die urbane Wählerschaft - oder WählerInnenschaft - die die Dame ob ihres Aussehens mögen und nun eine Legitimationsgrundlage haben, nicht mehr über sie herzuziehen.
5. ...
J4cky 21.12.2012
Frau Schröder hat ganz offensichtlich zu viel Freizeit. Wir haben bedeutendere Probleme als der/die/das Gott. Darüber hinaus wird die Bewahrung eines Kindes vor Negerbaby etc. nichts bringen. Spätestens im Kindergarten lernen sie die Ausdrücke und dessen Prägung für das Sozialverhalten ist ausnahmsweise wirklich wichtig.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS
alles zum Thema Kristina Schröder
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 543 Kommentare

Fotostrecke
Ministerin Schröder: Politisch korrektes Vorlesen

Wie denkt mein Abgeordneter über das Thema? Auf abgeordnetenwatch. spiegel.de können Sie öffentlich mit Parlamentariern in Kontakt treten, Fragen stellen und Antworten bekommen. Geben Sie einfach Ihre Postleitzahl ein: