CSU-Vorsitz Alle gegen Pauli

Gegenwind für Gabriele Pauli: Bayerns Innenminister Beckstein hat die Kandidatur der Fürther Landrätin für den CSU-Vorsitz scharf kritisiert. Auch die CSU-Frauen-Union geht auf Distanz zu Pauli. Doch sie gibt sich unbeirrt.


München - "Ich weiß nicht, ob das eine ernsthafte Bewerbung ist", sagte Günther Beckstein, designierter bayerischer Ministerpräsident, der "Passauer Neuen Presse". Beckstein, der zugleich Nürnberger CSU-Bezirksvorsitzender ist, kritisierte, dass Gabriele Pauli ihre Kandidatur parteiintern in den zuständigen Gremien mit keinem einzigen Wort angesprochen habe.

Gabriele Pauli auf dem Weg zu einer CSU-Vorstandssitzung (Archiv): Widerstand des Partei-Establishments
AP

Gabriele Pauli auf dem Weg zu einer CSU-Vorstandssitzung (Archiv): Widerstand des Partei-Establishments

Beckstein verwies darauf, dass Pauli selbst immer für einen neuen Stil geworben und verlangt habe, dass mehr mit den Leuten und den Delegierten geredet werden soll. "Dann wäre es doch nahe liegend, dass sie selbst das auch so hält." Der Minister sagte, dass Pauli wohl selbst kaum mit Unterstützung aus ihrem eigenen Bezirksverband rechne. "Ich bin überzeugt, dass die überwältigende Anzahl der Stimmen aus dem Bezirksverband Nürnberg-Fürth-Schwabach für Erwin Huber kommen", bekräftigte Beckstein seine Unterstützung für den bayerischen Wirtschaftsminister.

Die Vorsitzende der CSU-Frauen-Union, Emilia Müller, sagte der "Passauer Neuen Presse", dass Pauli auch nicht auf eine besondere Unterstützung der weiblichen Delegierten zählen könne. "Die Kandidatur ist doch kein Frauenthema", sagte die bayerische Europaministerin. "Ich halte das wieder einmal für einen Medien-Gag der Frau Pauli." Auch die bayerische Sozialministerin Christa Stewens rechnet mit wenig Stimmen für die Landrätin: "Frau Pauli sollte im Klaren darüber sein, dass ihre Erfolgschancen verschwindend sind", sagte sie.

Der bayerische Wissenschaftsminister Thomas Goppel reagierte mit Spott: "Es gibt Kandidaturen, die sind noch aussichtsloser als meine in Oberbayern", sagte Goppel dem "Münchner Merkur". Goppel hatte vor knapp zwei Wochen mit einem guten Drittel der Stimmen das Rennen um den Bezirksvorsitz der CSU Oberbayern verloren.

Pauli hatte heute überraschend ihre Kandidatur angekündigt. Der "Süddeutschen Zeitung" sagte sie am Nachmittag, sie habe keine Furcht vor einem Debakel auf dem CSU-Parteitag. "Wenn man immer danach schaut, wer aggressiv reagiert, dürfte man keine Politik machen", so Pauli. Sie begründete ihre Kandidatur mit einem starken Wunsch nach grundlegenden Veränderungen in der CSU, den sie an der Parteibasis verspüre. "Ich möchte diejenigen um mich scharen, die mit neuen Ideen auf konservativer Grundlage die CSU erneuern wollen", sagte die Landrätin.

Pauli kritisierte, dass von den beiden Bewerbern Horst Seehofer und Erwin Huber bisher keine klaren Signale zur Erneuerung der CSU ausgegangen seien. "Es kommt nichts an neuen Impulsen", sagte sie, "es ist derselbe Stil, es sind dieselben Akteure". Sie wolle nun Auftritte an der Parteibasis mit ihrem Terminkalender als Landrätin koordinieren. Über mögliche Einladungen von CSU-Gliederungen sagte sie: "Ich lasse mich überraschen." Ein persönliches Wahlziel bezifferte die CSU-Politikerin nicht: "Jedes Ergebnis ist ein Erfolg." Sie glaube, dass es dem Bild der CSU gut tun wird, "dass jemand aus der Partei sich traut anzutreten".

asc/AP/AFP



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