Trotz Debakel bei Bayern-Wahl CSU-Vorstand einstimmig für Söder als Ministerpräsident

Nur einen Tag nach dem Absturz bei der Landtagswahl hat der CSU-Vorstand Ministerpräsident Söder den Rücken gestärkt - und ihn erneut für das Amt nominiert. Die Entscheidung fiel einstimmig.


Zehn Prozentpunkte und die absolute Mehrheit sind verloren, in der Union startet bereits eine Personaldebatte - die CSU erlebt nach der Landtagswahl in Bayern schwere Stunden.

Am Tag nach der Wahlpleite hat der CSU-Vorstand nun aber Ministerpräsident Markus Söder offiziell erneut für das Amt nominiert. Die Abstimmung sei einstimmig per Handzeichen erfolgt, hieß es am Rande der Sitzung aus Teilnehmerkreisen.

Wahlanalyse im Video: "Das Ergebnis ist eine Art blaues Auge"

SPIEGEL ONLINE

Zuvor hatte Söder dem Vorstand selbst seinen Willen bekräftigt, trotz des Debakels als Regierungschef weitermachen zu wollen - und dafür starken Applaus bekommen. Anschließend machte Söder zwei Personalvorschläge, die ebenfalls bestätigt wurden. Der CSU-Vorstand sprach sich dafür aus, dass die bisherige Verkehrsministerin Ilse Aigner neue Landtagspräsidentin wird. Außerdem stimmte die Parteiführung dafür, dass Thomas Kreuzer Fraktionschef bleibt.

Landtagswahl Bayern 2018

Vorläufiges Endergebnis

Gesamtstimmenergebnis
Anteile in Prozent
CSU
37,2
-10,5
SPD
9,7
-10,9
Freie Wähler
11,6
+2,6
Grüne
17,5
+8,9
FDP
5,1
+1,8
Die Linke
3,2
+1,1
AfD
10,2
+10,2
Sonstige
5,4
-3,3
Sitzverteilung
Insgesamt: 205
Mehrheit: 103 Sitze
22
38
27
11
85
22
Quelle: Landeswahlleiter

Bei der Abstimmung am Sonntag war die CSU nur auf 37,2 Prozent gekommen. Vor fünf Jahren waren es noch 47,7 Prozent gewesen, das hatte zur absoluten Mehrheit im bayerischen Parlament gereicht. Nun sind die Christsozialen auf einen Koalitionspartner angewiesen. Es gilt als wahrscheinlich, dass die Partei ein Bündnis mit den Freien Wählern eingehen wird. Diese kamen auf 11,6 Prozent.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


aev/dpa/AFP



insgesamt 83 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
paula_f 15.10.2018
1. Top down in der Partei
gnadenlose Strukturen in der Partei - Einstimmig - wie kann das sein? Und wie schnell war es vorbei mit Frau Aigner nun keine Ministerin mehr. Die Parteien sind selbst höchst undemokratisch - diejenigen die geraden am Ruder sind verteilen die Jobs und alle anderen fügen sich wie DDR 2.0.
np.mueller 15.10.2018
2.
Söder greift damit nach der Alleinherrschaft in der CSU. Aigner wäre im Hinblick auf den Parteivorsitz eine ernstzunehmende Konkurrentin. Ich bezweifle, dass sich die CSU langfristig einen Gefallen damit tut, alles auf die Karte "Söder" zu setzen.
Sonia 15.10.2018
3. Eindeutig wurde der konservative Block gestärkt
warum sollte also Söder nicht bestätigt werden? Ich finde es echt krass, was gestern bei der Berichterstattung zu dieser Wahl abging. Nicht nur ich, so höre ich es um mich herum, hatten das Gefühl, die Grünen - also die neue Partei der Reichen, die damit ihr Gewissen beruhigen - habe die absolute Mehrheit errungen und nicht die CSU. Respektabel 8% mehr, aber die CSU kann mit der light CSU, den Freien Wählern, mit einer guten Mehrheit weitermachen. Die AfD ist von Null auf 11 Prozent in den Landtag gekommen, die FDP ist wieder drin. Nein, die Grünen werden nicht die Regierung übernehmen, die bayerische Bevölkerung hat dem linken Block eine Absage erteilt und sich für eine respektable Mehrheit im konservativen Bereich entschieden. Die Konservativen haben sich lediglich zersplittert. Warum die Bayern weiterhin konservativ wählten, das ist die eigentliche Frage. Und, in Hessen wird genau auch das passieren - konservativ wird siegen, ob die Bürger Frau Merkels CDU allerdings noch als konservativ betrachten, bleibt abzuwarten. Die SPD sollte sich in der Opposition erholen, mit total neuem Personal (einfach mal auf die Suche gehen).
scratchpatch 15.10.2018
4. Lasst ihn doch
Vielleicht ist es ja besser, wenn Seehofer in Berlin bleibt, stark geschwächt wird er nicht mehr das große Wort führen können. Er wird sowohl von der CDU in Berlin als auch von der CSU in München bedrängt werden, sich nicht mehr als allmächtiger Bayernfürst zu geben, der Merkel nach eigenen Angaben die Macht geschenkt hat. Vielleicht haben wir dann das Glück und sehen ihn nur noch selten, wenn er wirklich etwas zu seinen Amtsgeschäften zu sagen hat.
jennerwein 15.10.2018
5. CSU-Vorstand einstimnig für Söder - das ist gelebtes Christentum
Söder hat Fehler gemacht. Aber er ist zu solcher Einsicht fähig. Im Gegensatz zu Dogmatikern von Trittin bis . . . In Ihrer heutigen Wahlstatistik lese ich - selbst bei den 18- bis 24-Jährigen: SPD 7% - Grüne 23 %. Also 30 % unter nahezu Ideal-Bedingungen. Direktmandate - in Nürnberg, München über Jahrzehnte allein schon durch die SPD und 1/3 bayernweit, das hat man zu Zeiten Dr.Vogel, Ude, Maly als Basisergebnisse vorausgesetzt. Und in der Not, vielmehr in der anstehenden und von der CSU im Gesamten erkannten notwendigen Evolution seinem Nächsten zu helfen, seinem MP Söder dabei beizustehen, BK Merkel den Noch-1-Jahr-Vorsitzenden Seehofer als Betreuer zu belassen,das ist CSU, macht- und zukunftsorientiert. Merke: Evolution erneuert. Die Revolution frißt ihre Kindet. Wir Bayern, = Franken, Sudetendeutsche,Schwaben, Altbayetn und vor allem Westdeutsche, "Preussen", Sachsen, aber wollen weiterleben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.