Intervention beim ZDF: CSU wollte Bericht über SPD-Parteitag verhindern

Ein Parteisprecher ruft bei einem öffentlich-rechtlichen Sender an, um die Berichterstattung über die politische Konkurrenz zu verhindern. Gibt's nicht? Offenbar doch - laut einem Zeitungsbericht hat CSU-Sprecher Hans Michael Strepp das ZDF gedrängt, auf einen Beitrag über die Bayern-SPD zu verzichten.

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seyboldtpress

CSU-Sprecher Hans Michael Strepp: Intervention beim ZDF

München - Für den diensthabenden Redakteur in der "heute"-Redaktion des ZDF muss es ein überraschender Anruf gewesen sein: Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge hatte der Journalist am vergangenen Sonntagnachmittag CSU-Sprecher Hans Michael Strepp in der Leitung. Strepp rief demnach mit einem klaren Verlangen an: Die Sendung um 19 Uhr möge nicht über den Landesparteitag der SPD berichten. Bringe der Sender einen Beitrag, werde dies "Diskussionen nach sich ziehen", soll Strepp demnach gesagt haben.

Die Zeitung beruft sich in ihrem Bericht auf "übereinstimmende Schilderungen aus dem Sender". Das ZDF ist demnach bemüht, den Vorfall herunterzuspielen. "Es gab zwar einen Anruf, aber der blieb wirkungslos", sagte ZDF-Sprecher Jörg Berendsmeier.

Mit anderen Worten: Die "heute"-Sendung berichtete über den SPD-Parteitag, auf dem der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im kommenden Jahr gewählt und damit zum Herausforderer von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) gekürt wurde. Auch über den Parteitag der Christsozialen an dem Wochenende war berichtet worden. "Diese CSU ist bärenstark", hatte Seehofer am Samstag den Delegierten zugerufen. "Wir sind gut - und Gott mit dir, du Land der Bayern!" In Umfragen liegt die CSU derzeit klar vorn. Demnach kommt sie auf 48 Prozent, SPD, Grüne und Freie Wähler erreichen zusammen 38 Prozent.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey erklärte am Mittwoch in Mainz, Strepp müsse die Frage beantworten, warum und mit welcher Intention er direkt in der "heute"-Redaktion angerufen habe. Er sei mit der Reaktion der Kollegen sehr zufrieden, teilte Frey mit. "Wir senden, was wir senden, egal wer anruft. Die "heute"-Redaktion hat ihre Unabhängigkeit bewiesen." In der "Süddeutschen Zeitung" hieß es, bei dem Sender sei von einem "Versuch der politischen Einflussnahme" die Rede. Man sei überrascht gewesen vom Vorstoß des CSU-Mannes Strepp.

Strepp selbst wollte laut dem Zeitungsbericht am Dienstag nicht telefonisch Stellung zu den Vorwürfen beziehen. In einer Mail schrieb er demnach an die Zeitung, dass die Darstellung "nicht den Tatsachen" entspreche, er "widerspreche ihr entschieden". Außerdem fügte er einen Brief hinzu, den er dem stellvertretenden ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen geschickt hatte. Darin bestätigte Strepp den Anruf bei dem Sender, wies aber den Versuch der Einflussnahme zurück: "Die Berichterstattung des ZDF ist bekanntermaßen von einer Unabhängigkeit geprägt, bei der sich bereits jeder Gedanke an eine Beeinflussbarkeit verbietet."

hen/dpa

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insgesamt 333 Beiträge
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1. optional
gbk666 24.10.2012
Naja..CSU/CDU halt...kennt man es anders von denen?
2. Nummer verwechselt?
Blaufrosch 24.10.2012
Bestimmt der CSU Seppl die falsche Kurzwahltaste gedrückt, statt Bayerischer Rundfunk mit EX-Regierungssprecher als Intendant aus Versehen beim ZDF gelandet.... Peinlich, peinlich... ersteres wäre nie an die Öffentlichkeit gekommen. Zeigt das Selbstverständnis der CSU und gleichzeitig die Panik vor Ude. Die SPD ist also auf dem richtigen Weg.
3. Was hat die CSU solche Angst vor der Bayern-SPD...
cheechago 24.10.2012
Das ZDF war immer schon leichte Beute der Konservativen ja,ja das ZDF - sturmreif geschossen vom jetzigen "Langfinger und Berger" Chef Koch, Ex-Ministerpräsident von Hessen: Entscheidung im ZDF-Verwaltungsrat: Machtmensch Koch gewinnt, der Rest verliert - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/entscheidung-im-zdf-verwaltungsrat-machtmensch-koch-gewinnt-der-rest-verliert-a-663928.html) Einflussmahme sollte also nicht wundern. Das der Bericht kam ist ja ein Ding!
4. Aus der Causa Wulff
uezegei 24.10.2012
nichts gelernt haben diese korrupten Politikdarsteller aus CDU/CSU und FDP. Strauß, Kohl, Guttenberg, Wulff, Lambsdorff, Mappus,Schäuble, Merkel.., die Liste ist endlos. Warum greift da nicht der Verfassungsschutz ein, wenn so offen und unverhohlen demokratische Strukturen unterminiert werden.
5. Passiert oft
magicnoise 24.10.2012
Die Politik nimmt ständig Einfluss auf die Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender. Ob nun direkt oder durch die Auswahl des Personals. Viele Redakteure können ein Lied davon singen.
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