Dagmar Metzger Die Frau, die Ypsilanti in die Krise stürzt

"Beharrlich", "neugierig", mit "unbändiger Energie" - so beschreibt sich die hessische SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Metzger auf ihrer Internetseite. Wer ist die Frau, die Andrea Ypsilanti in die Krise stürzt?

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Hamburg - Vor allem ihre Beharrlichkeit zeichnet die 49-jährige Dagmar Metzger in diesen Tagen besonders aus. Nur unter viel Getöse und zähen innerparteilichen Widerständen hat ihre Partei den Weg für Kooperationen mit der Linken auf Landesebene freigemacht. Und diesen Weg geht Dagmar Metzger nicht mit. Sie bleibt ihrem Wahlversprechen treu.

Am Donnerstag wurde öffentlich bekannt, was sie Andrea Ypsilanti schon länger mitgeteilt hatte: Sie wird ihrer Landeschefin die Stimme verweigern, wenn sich diese mit Hilfe der Linken zur Ministerpräsidentin wählen lassen will. Sie könne es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, entgegen der Versprechen im Wahlkampf mit den Tiefroten zusammenzuarbeiten.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" hatte sich Metzger bereits vor zehn Tagen an Ypsilanti wenden und ihr erklären wollen, dass diese nicht mit ihrer Stimme rechnen könne. Abgeordnete hielten Metzger zurück - zu fragil die Lage, zu sensibel das Thema Kooperation mit den Linken.

Dagmar Metzger blieb fest - und ihre Absicht ist einen Monat vor dem Wahltermin am 5. April bekanntgeworden. "Ich verabscheue Lügner und Zyniker", heißt es auf der Internetseite der gelernten Bankkauffrau und Wirtschaftsjuristin. Metzger hat sich gegen eine heimliche Stimmenthaltung entschieden. Gegen ein entwürdigendes Szenario wie damals bei Heide Simonis; als nur eine Stimme aus den eigenen Reihen zur Wiederwahl als Ministerpräsidentin fehlte, immer wieder, einen zermürbenden Durchgang nach dem anderen.

Schon einmal stürzte sie eine Frau

Seit 18 Jahren ist Metzger, in Berlin geboren und aufgewachsen, SPD-Mitglied. Sie ist der Partei nicht nur durch das Parteibuch verbunden: Die Politikerin ist Schwiegertochter des ehemaligen Darmstädter SPD-Oberbürgermeisters Günther Metzger, der in den siebziger Jahren stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion war.

Metzger, die auf ihrer Internetseite mit forschem Blondinen-Look, kämpferischem Lächeln und stahlblauen Augen posiert, konnte bei der der Hessen-Wahl auf Anhieb ein Direktmandat erringen: Sie holte ausgerechnet den Wahlkreis Darmstadt-Stadt II - dieser hatte vorher noch der Ex-Kultusministerin und CDU-Politikerin Karin Wolff gehört. Wolffs Sympathiewerte litten zwar schon länger unter ihrer unpopulären Schulpolitik. Doch das verheerende Wahlergebnis - minus 12 Prozentpunkte im Wahlkreis - gaben ihr den Rest: Mitte Februar trat Wolff als Ministerin zurück.

Am Freitag gab Ypsilanti nach einem Gespräch mit Metzger ihre Ambitionen für das Ministerpräsidentenamt auf. Die Einzelgängerin stürzt die Parteichefin in die Krise, und SPD-Chef Kurt Beck gleich mit.

Beharrlichkeit kann ganz schön mitreißend sein.



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