CDU-Ministerpräsident Daniel Günther fordert Offenheit für Koalitionen mit der Linken im Osten

Bisher war ein Bündnis mit den Linken für die meisten Unionspolitiker undenkbar: Doch angesichts schwieriger Mehrheitsverhältnisse müsse die CDU umdenken, findet Schleswig-Holsteins Regierungschef Günther.

Daniel Günther
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Daniel Günther (CDU) hat seiner Partei zur Offenheit für Koalitionen mit der Linkspartei in Ostdeutschland geraten. Wenn Wahlergebnisse es nicht hergäben, dass ein Regierungsbündnis gegen die Linke gebildet wird, "muss die CDU pragmatisch sein", sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident der "Rheinischen Post".

"Wenn da vernünftige Menschen in der Linkspartei am Werk sind, vertut man sich nichts damit, nach vernünftigen Lösungen zu suchen", sagte Günther. Der CDU-Politiker verwies darauf, dass es fast 30 Jahre nach dem Mauerfall "durch eine Reihe regionaler Kooperationen ein gutes Stück Normalisierung zwischen CDU und Linken". Da sei es gut, auf Scheuklappen zu verzichten.

Der Ministerpräsident äußerte Verständnis für Brandenburgs CDU-Chef Ingo Senftleben, der Gespräche mit AfD und Linken nach der Landtagswahl in Brandenburg 2019 angekündigt, aber eine Koalition mit der AfD bereits so gut wie ausgeschlossen hat. Bei der AfD sei er skeptisch, sagte Günther: "Mir fallen aus jedem Bundesland Äußerungen von führenden AfD-Politikern ein, wo jedes Gespräch vollkommen unmöglich ist."

Günther ist seit Juni 2017 Ministerpräsident Schleswig-Holsteins und regiert mit einem Dreierbündnis aus CDU, Grünen und FDP.

Der 45-Jährige spricht sich dafür aus, dass die Union nach der nächsten Bundestagswahl ein Bündnis mit FDP und Grünen anstreben sollte. "Wenn Jamaika 2021 auf Bundesebene gelingen kann, dann wäre das für Deutschland das beste Modell", sagte Günther der Zeitung.

Die Gedankenspiele zur Zusammenarbeit mit der Linken stießen in der Union auf Kritik. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer etwa nannte die Positionen von CDU und Linken "unvereinbar".

Am Samstagnachmittag bemühte sich Günther um Relativierung. "Eine Koalition mit der Linkspartei lehne ich entschieden ab", erklärte er in Kiel. Ziel der Union müsse es sein, die politischen Ränder auf beiden Seiten klein zu halten.



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mho/AFP/dpa

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insgesamt 36 Beiträge
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David_K_79 11.08.2018
1. Das Grab immer tiefer schaufeln
Die CDU schaufelt ihr Grab immer tiefer. Nicht mehr lange und sie darf der SPD Gesellschaft leisten. Herr Günther sollte nochmals sehr genau nachdenken, warum eine AfD unter der Kanzlerschaft Merkel entstehen konnte....
K.Hexemer 11.08.2018
2. es ist immer
das selbe Muster! Es gab Zeiten in der BRD da waren die SPD'ler Vaterlandverräter für die CDU mit denen man keine Politik machen konnte. Als man sie zum Machterhalt gebraucht hat war man Pragmatisch! Dann waren die GRÜNEN PAZIFISTEN in der Rolle der Unberührbaren, als man sich zum Machterhalt gebraucht hat war man pragmatisch. Natürliche Nachfolger waren dann die LINKE samt PDS Nachfolger, jetzt schwimmen die Felle der Groko fort und sogar in en Ländern wird es eng, da wird ma halt jetzt bei den Linken pragmatisch. Aber jetzt hat man ja die AfD als Buh-Mann. Warten wir es ab bis da die CDU auch pragmtisch wird! Müntfering hat gewußt: Opposition ist Mist! Dem ordnet die CDU ALLES unter! ALLES!
yvowald@freenet.de 11.08.2018
3. Herr Günther ist nicht der Ober-Protagonist der Union
Stellt sich die Frage, ob DIE LINKE überhaupt mit den Unionsparteien koalieren möchte? Herr Günther ist bekanntlich nicht der Ober-Protagonist der CDU und schon gar nicht der CSU. Wenn die Unionsparteien sich von den Geldflüssen der Großwirtschaft und der Finanzkonzerne abnabeln könnte, würde eine neue Situation entstehen. Aber: Ob dies CDU und CSU wollen (Verlust von Spendengeldern in Millionenhöhe), ist mehr als fraglich.
dr.könig 11.08.2018
4. MP Günthers Blick geht in die richtige Richtung.
Die Linke wurde von Herrn Beckstein, damals Innenminister in Bayern, mal die " blutroten " genannt. Die heutige Linke hat damit so gut wie nichts zu tun. Eine Koalition mit CDU und Linke erscheint mir zur Zeit ergebnisorientierter zu sein, als andere. Herr Günther sollte sich mal mit Sahra zusammensetzen. Glückauf Schwarz - Rot - ? .
friedrich_eckard 11.08.2018
5.
Ich habe diese Meldung schon anderswo gelesen - was da im Kommentarbereich an Unflat abgesondert worden ist, das war nun zum Entzücken gar, und hier wird ja wohl auch gleich der Braunbär steppen. Ich bitte die Moderation um möglichste Grosszügigkeit - man hat in Zeiten wie diesen ja sonst wenig zu lachen. Zur Sache: ich habe noch vor Kurzem an anderer Stelle für eine "Koalition der Zivilisierten" plaidiert mit dem Ziel, die Krrräfte derrr nationalen Errrneuerrrung von jedem Einfluss auf die Gesetzgebung und auf die personelle Zusammensetzung der Exekutive auszuschliessen, und wenn Herr Günther einer solchen Koalition den Vorzug gibt vor der Einreihung in eine "neue Harzburger Front", dann verrät das Mut und verdient Respekt. Auf die LINKE kämen da natürlich schwer verdauliche Zumutungen zu, aber sie sollte sich an Trotzki erinnern: gegen die Gauland, Höcke und von Storch dürfen und sollen Linke nicht nur mit dem Teufel und seiner Grossmutter paktieren, sondern sogar mit... CDUlern. Es gibt ja auch Formen der Kooperation unterhalb der Koalitionsebene... an sicherlich bescheidene und erfüllbare Minimalforderungen sollte die LINKE ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit allerdings schon binden, zum Nulltarif darf sie nicht zu haben sein.
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