Schleswig-Holsteins Ministerpräsident "Wir haben immer nur auf Angela Merkel geschaut"

In der CDU gilt er als Hoffnungsträger, und auch Daniel Günther selbst gefällt sich in der Rolle des Erneuerers. In einem Interview lobt er nun die Kanzlerin. Dahinter steckt mehr.

Daniel Günther
MESSINGER/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Daniel Günther


Schleswig-Holsteins Ministerpräsident hat Kanzlerin Angela Merkel in Schutz genommen. Die Ressortverteilung und der Verlust einiger Ministerien in der neuen GroKo sei nicht mit der Schwäche Merkels zu begründen, sagte Daniel Günther dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

"Unser großer Erfolg ist, dass wir diese Regierung zusammenbekommen haben. Es spricht für Angela Merkels Stärke, dass ihr das gelungen ist", sagte Günther.

Zugleich forderte er die Partei auf, sich nicht nur auf die Kanzlerin zu verlassen.

"Wir haben immer nur auf Angela Merkel geschaut und ihr alle Aufgaben übertragen: Kanzlerin zu sein, die Partei zu führen und dann auch noch die unterschiedlichen Flügel der Partei zu repräsentieren", sagte Günther. Diese Fülle an Aufgaben könne Merkel jedoch nicht allein erfüllen. "Parteipolitische Profilierung ist keine Aufgabe Einzelner, sondern die Verantwortung der gesamten Partei, bis in die Gliederungen hinein."

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Nach der Einigung von CDU, CSU und SPD auf ein gemeinsames Bündnis hatte es in der Union vermehrt Kritik an der Verteilung der Ministerien gegeben. Auch Günther hatte am Tag zuvor gesagt, der Zuschnitt, den CDU, CSU und SPD vereinbart hatten, könne die Union nicht zufriedenstellen. Dass die CDU das Innen- und das Finanzressort gegen das Landwirtschafts- und das Wirtschaftsministerium getauscht habe, sei eine Einbuße, die vom Wahlergebnis nicht gedeckt sei, sagte er der "Welt".

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Die CDU brauche künftig mehr inhaltliche Debatten, forderte Günther nun. Man habe es jedoch in der Vergangenheit versäumt, als Partei mit starken inhaltlichen Flügeln in Erscheinung zu treten. "Dazu müssen alle in der Union ihren Beitrag leisten."

Günther hatte in Schleswig-Holstein Anfang Mai überraschend gewonnen. Schließlich war er bis zum Wahlkampf vielen Menschen unbekannt. Inzwischen sieht er sich aber auch selbst als Teil der "Führungsreserve der CDU".

mho



insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
vomDeich 09.02.2018
1. Gute Idee
....und mit dieser Erkenntnis ist man schon ein "Hoffnungsträger". Unser Land der Dichter und Denker, es ist mal höchste Zeit, einen Blick auf die politischen Geistesgrößen unseres Landes zu werfen...
haresu 09.02.2018
2. Aber unbedingt
Mehr inhaltliche Debatten, sehr gerne! Man könnte auch sagen endlich überhaupt mal wieder inhaltliche Debatten. Heiße Luft und Geschwafel von einer konservativen Revolution gab es jetzt lange genug. Politik für die Gutgestellten auch, Schonung für eine die Zukunft verpassende Industrie ebenso, Unentschlossenheit bei der Weiterentwicklung der EU sowieso. Ohnehin ganz wenig Gestaltung. Und der relative Erfolg bei den Bundestagswahlen basiert hauptsächlich auf der Angst der Bürger. Die CDU braucht dringend Inhalte und sie muss Perspektiven entwickeln. Die Zeiten in den man sich nur mit Wirtschaftswachstum und Sheriff- Spielchen durchmogeln kann werden nicht ewig anhalten.
frank.huebner 09.02.2018
3. Wie die Lemminge
Leider beweist sich mit seiner Aussage wieder, dass die CDU eine im Gurnde progammlose Partei geworden ist, ausgenommen dem einzigen Kernpunkt: Regieren. Jetzt, nachdem die CDU eine leere Hülle ist, geht den jüngeren CDU-Granden auf, dass man jahrelang wie die Lemminge hinter Merkel hergerannt ist wie die Kinder dem Clown mit der Trommel. Jetzt ist es eine Heidenaufgabe für die Partei, sich der ewigen Kanzlerin zu entledigen und die Partei für die Nach-Merkel-Ära aufzubauen. Dass Angela Merkel die Union an die SPD verkauft hat, nur um weiterhin Kanzlerin zu bleiben, werden ihr viele der jüngeren nicht verzeihen. Tja, das hätte man sich vor einem Jahr überlegen sollen, jetzt schafft es Merkel, nicht nur die SPD ins Jenseits zu koalieren, sondern auch die eigene Partei.
yadi 09.02.2018
4. Die Quadratur...
...des Kreises? Merkel leistet Tolles, aber die Partei müsse sich bei den einsamen Entscheidungen der Kanzlerin mehr einbringen? Dann sollte Günther nach zwei Schlägen vorwärts nicht gleich wieder zwei zurückrudern. Offene Opposition gegen Merkel wäre aber wohl mit dem vorzeitigen Abgang verbunden (hier: das Ende bundespolitischer Ambitionen), wie ja schon des Öfteren zu beobachten war.
kritischer-spiegelleser 09.02.2018
5. Als "Hoffnungsträger"
muss er natürlich an Merkels Lippen hängen. Schließlich hat er sonst keine Chancen in einer Politik unter Merkel. Dumm ist nur dass er das noch zugibt!
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