Reaktionen auf Merkels Triumph Europa fürchtet die "eiserne Mutti"

Die Briten vergleichen sie schon mit Maggie Thatcher - doch in vielen Ländern sorgt Angela Merkels Wahltriumph für Skepsis. Vor allem die Südeuropäer fürchten die neue Macht der Kanzlerin. Weltweite Reaktionen im Überblick.

Von unseren Auslandskorrespondenten


Hamburg - Ob in Italien, Frankreich oder Großbritannien: Der haushohe Sieg von Angela Merkel beeindruckt Beobachter im Ausland. Denn mit solch einem Triumph der deutschen Regierungschefin hatte auch dort niemand gerechnet. Jetzt müssen sich alle auf vier weitere Jahre mit der CDU-Politikerin einstellen.

Schon in ihrer letzten Amtszeit hatte Merkel durch ihren drastischen Sparkurs in der Euro-Krise den Zorn vieler Menschen in den Krisenländern auf sich gezogen. Und jetzt kommt die "eiserne Kanzlerin" stärker als je zuvor zurück. Selbst US-Präsident Barack Obama dürfte sich auf eine selbstbewusstere Angela Merkel einstellen müssen, wenn es um die anstehenden Probleme geht - etwa im Nahen Osten oder bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise.

Egal ob David Cameron, der türkische Regierungschef Erdogan oder die EU-Spitze in Brüssel: Alle wissen, dass ohne Merkel in Europa nichts geht. Und selbst im Kreml wird über den großen Sieg von "Mütterchen Europa" gegrübelt.

Die Auslandskorrespondenten von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE haben den Wahlausgang analysiert: Wo wird Angela Merkel besonders gefürchtet, wo wird sie gefeiert? Klicken Sie auf die Bilder oder wischen Sie sich durch die Texte.

So beurteilt das Ausland den Ausgang der Wahl
Barack Obama: Der US-Präsident sucht einen starken Partner in Nahost
DPA

Barack Obama: Der US-Präsident sucht einen starken Partner in Nahost

USA: Beeindruckt von Merkels Sieg

Sie hatten damit gerechnet, dass Angela Merkel Kanzlerin bleiben würde. Aber überrascht hat die Amerikaner dann doch die Wucht, mit der die Kanzlerin die Wahl gewonnen hat - und auch das Aus für ihren Koalitionspartner. Jetzt fürchtet die "New York Times" einen wochenlangen "Kuhhandel" um eine neue Koalition und "mehr Lähmung für Europa". Die Bedrohung durch Europas Währungskrise – das ist schließlich eine der größten Sorgen hier. Mit entsprechender Erleichterung wurde das Scheitern der Anti-Euro-Partei AfD an der Fünf-Prozent-Hürde registriert.

Präsident Obama hätte sich von Merkel in den vergangenen Jahren mehr Wachstumsimpulse für Europa gewünscht. Bei aller Bewunderung für Deutschlands wirtschaftliche Erfolge schwingt in Washington stets die Furcht mit, Merkel könnte Europa kaputt sparen. Zugleich registrierten die Amerikaner mit zunehmender Sorge, dass sich Deutschland während der schwarz-gelben Jahre außenpolitisch herauszuhalten versuchte.

Wozu wird Merkel nun ihre neue Stärke nutzen? Die Hoffnungen der Obama-Regierung fasst Tyson Barker, Transatlantik-Chef bei der Bertelsmann Foundation in Washington, so zusammen: "Merkels signifikanter Sieg sollte ihr die Flexibilität geben, Deutschlands Rolle in der Welt zu überprüfen." Obama wünsche sich Deutschland als "starken Partner" im Nahen Osten, in Asien und insbesondere beim angestrebten Freihandelsabkommen.

Ob's so kommt? "Jene, die für die Zeit nach der Wahl mit einem neuen und flexibleren deutschen Kurs gerechnet haben, werden enttäuscht werden", sagt Heather Conley, Europa-Chefin des Center for Strategic and International Studies in Washington (CSIS). Merkels Sieg sei überdies aufsehenerregend, weil er ausgerechnet zu einer Zeit komme, in der ihre internationalen Gegenüber – Obama, der britische Premier Cameron, Frankreichs Präsident Hollande - Popularitätseinbußen hinnehmen müssten, sagte Conley zu SPIEGEL ONLINE. Merkel habe ihren "Platz als eine der eindrucksvollsten und erfolgreichsten Politiker" der Generation nach 1990 gesichert.

Sebastian Fischer, Washington

François Hollande:  Förmliche Einladung nach Paris
AFP

François Hollande: Förmliche Einladung nach Paris

Frankreich: "Muttis Triumph"

Erst frohlockte die konservative Opposition Frankreichs: Kurz nach 20 Uhr schon schickte UMP-Chef Jean-François Copé seine "ernsthaftesten und herzlichsten Glückwünsche" an Kanzlerin Angela Merkel für ihren "persönlichen Erfolg" und das "historische Ergebnis". Präsident François Hollande, der auf eine Dynamik für ein "Europa der Linken" gesetzt hatte, kommentierte den Sieg weniger enthusiastisch. Diplomatisch korrekt, wünschte der Sozialist die Fortsetzung der "engen Kooperation für die neuen Herausforderungen bei der Konstruktion Europas" und lud Merkel nach Paris ein.

Tatsächlich dürfte "der Triumph von 'Mutti'", wie die linke Tageszeitung "Libération" titelte, das Gespann Berlin-Paris erst recht in Schieflage bringen. "Das Kräfteverhältnis hat sich weiter zu Gunsten von Merkel verschoben", sagt die Deutschland-Expertin Anne-Marie Le Gloannec. "Ein Paradox: Die Kanzlerin, auf dem Papier abhängig vom Parlament, ist auf dem Zenit ihrer Macht. Frankreichs Präsident, verfassungsrechtlich viel stärker gestellt, hat dagegen mit seiner Popularität einen Tiefstand erreicht", sagt die Professorin des Pariser "Zentrums für Politische Wissenschaften" (CERI). Damit sei Merkel im Inland mit ihrem harten Kurs gegenüber der EU zusätzlich legitimiert: "In Griechenland, Portugal oder Spanien", so die Politologin der Universität Sciences Po, "hätte man eine absolute CDU-Mehrheit als Katastrophe empfunden."

Hoffnung gebe es dennoch für Europa, glaubt Eric Chol, Chefredakteur des "Courrier International". "Mit einer neuen Regierung in Berlin kommen die unter den Teppich gekehrten Themen endlich wieder auf den Tisch. Und mit der SPD in einer Großen Koalition dürfen Deutschlands Partner hoffen, dass im Sinn von Peer Steinbrücks 'Zweitem Marshall-Plan' auch das Wachstum echte Impulse erfährt." Andererseits, so der Journalist: "Machen wir uns nichts vor: Gerade mit diesem Wahlergebnis wird Merkel weiter auf 'Merkel-Kurs' bleiben, der Bruch zwischen den armen und den gutgestellten Euro-Ländern besteht weiter." Chol optimistisch: "Gut ist nur, dass in Paris wie in Berlin Präsident wie Kanzlerin jetzt vier Jahre haben bis zur nächsten Wahl – das lässt Zeit, um sich zusammenzuraufen – auch auf eine gemeinsame Linie für Europa."

Stefan Simons, Paris

David Cameron: Merkel ist seine wichtigste Alliierte bei der EU-Reform
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David Cameron: Merkel ist seine wichtigste Alliierte bei der EU-Reform

Großbritannien: Cameron fürchtet um seine EU-Reform

In Großbritannien erntete Merkel für ihre überzeugende Wiederwahl großen Respekt. Der "Daily Telegraph" schrieb von einem "Erdrutschsieg" der Kanzlerin, der "Guardian" von Merkels "persönlichem Triumph". Sie sei auf dem besten Wege, in ihrer dritten Amtszeit die frühere Premierministerin Margaret Thatcher als am längsten amtierende Regierungschefin Europas zu überholen. Die meisten Berichte fanden sich allerdings auf den hinteren Seiten, nur der "Guardian" hob die Nachricht prominent auf die Titelseite.

Vor allem die britischen Konservativen können sich freuen. Merkels Deklassierung der Sozialdemokraten gibt Premier David Cameron die Hoffnung, dass auch er 2015 für seine Sparpolitik vom Wähler belohnt wird. "Die Botschaft der Bundestagswahl ist: Die Menschen wollen wirtschaftliche Stabilität", sagt Olaf Cramme von der Londoner Denkfabrik Policy Network. "Das wird die Tories beflügeln."

Für erhebliche Nervosität sorgt allerdings die Aussicht, dass Merkel künftig mit der SPD oder den Grünen regieren muss. Als Koalitionspartner dürften beide Parteien das zentrale europapolitische Projekt der Tories durchkreuzen - Cameron will Zuständigkeiten aus Brüssel auf die nationale Ebene zurückholen. Nur so seien seine Landsleute davon zu überzeugen, bei einem Referendum 2017 für den Verbleib Großbritanniens in der EU zu stimmen, argumentiert der Premier. Als wichtigste Alliierte bei der EU-Reform sieht er Merkel. Sie soll ihm helfen, die nötigen Vertragsänderungen in Brüssel durchzusetzen. Ganz oben auf Camerons Streichliste stehen das europäische Sozial- und Arbeitsrecht sowie Umweltvorschriften - die Kernthemen von SPD und Grünen. Der Krach sei programmiert, sagt Peter Kellner, Präsident des britischen Meinungsforschungsinstituts YouGov. "Eine Koalition der CDU mit SPD oder Grünen würde Camerons EU-Reform deutlich erschweren."

Carsten Volkery, London

EU-Parlament in Brüssel: Berlin dürfte noch lauter den Ton angeben
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EU-Parlament in Brüssel: Berlin dürfte noch lauter den Ton angeben

EU: Vier harte Jahre

Dass Angela Merkel vier Jahre länger "Miss Europe" bleiben würde, hatte in der EU-Hauptstadt Brüssel fast jeder erwartet. Von der "Chronik eines angekündigten Sieges” schrieb die belgische Zeitung "Le Soir". Doch dass die Rückendeckung für Merkels Sparkurs - im Rest des Kontinents heftig umstritten - so deutlich ausfallen würde, sah fast niemand kommen. Entsprechend heftig fielen die Kommentare aus: Robert Misik, Journalist beim österreichischen "Standard", schrieb: "Hurra, Angela Merkel kann Europa weiter kaputt machen.” In Griechenland erwartet laut Meinungsumfragen beinahe jeder zweite Bürger, dass eine neue Amtszeit für Merkel für ihr Land nur Schlechtes bedeute.

Nun endet zwar die monatelange Denkpause, die Merkel im Wahlkampf Europathemen verordnet hat. Doch die Krisenstaaten könnten sich bald nach dieser Pause zurücksehnen - denn fortan dürfte Berlin noch lauter den Ton angeben.

Schon vor der Wahl gab es erhebliche Zweifel, ob Merkel einen Schwenk hin zu mehr Vergemeinschaftung der Schulden oder einem Wachstumsprogramm für Europa vollziehen würde. "Merkels Deutschland sieht sich eher als Rollenmodell denn als Nation, die führen muss”, sagt Ulrike Guérot vom European Council on Foreign Relations. Höchstens ein starker Koalitionspartner hätte die Kanzlerin dazu drängen können. Doch egal ob Merkel mit der SPD oder den Grünen koalieren wird, dürften diese dafür zu schwach sein. Eher könnte die Kanzlerin gegenüber den EU-Krisenstaaten noch härter auftreten - schließlich droht der Union am rechten Rand Konkurrenz von der AfD.

Dass die Euro-Kritiker den Sprung in den Bundestag verpassten, wird in Brüssel natürlich mit Erleichterung aufgenommen. Doch bei der Europawahl im Mai 2014 gibt es nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts keine Fünfprozenthürde mehr: Danach könnte die Partei um Ökonom Bernd Lucke zusammen mit anderen Europa-Skeptikern wie der britischen Ukip die EU-Agenda mitbestimmen.

Gregor Peter Schmitz, Brüssel

Recep Tayyip Erdogan:  Haben Beitrittsverhandlungen noch einen Sinn?
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Recep Tayyip Erdogan: Haben Beitrittsverhandlungen noch einen Sinn?

Türkei: EU-Beitritt in weiter Ferne

In der Türkei hat man den Erfolg für Angela Merkel erwartet - und sich darauf eingestellt. Denn der Wahlsieg der Union und ein Verbleib von Merkel im Kanzleramt bedeutet für die Regierung von Premier Erdogan in Ankara, dass eine EU-Mitgliedschaft in noch weitere Ferne rückt. Anders als die SPD hatte die CDU in ihrem Wahlprogramm festgeschrieben, dass sie gegen eine Aufnahme der Türkei ist. Deshalb war die Wahl auch ein wichtiges Thema in den türkischen Medien, die Zeitungen berichteten ausführlich darüber.

Das Wahlergebnis voraussehend, hatte der türkische Europaminister Egemen Bagis noch vor der Abstimmung in Deutschland erklärt, sein Land werde vermutlich nie Mitglied, da es "scharfe Opposition" dagegen gebe und "vorurteilsbehaftete" Einstellungen innerhalb der EU. Die europäischen Staaten müssten dies ändern, damit die EU erstmals ein muslimisches Land aufnehme, schrieb er im britischen "Telegraph". Die Türkei sei "trotz Modernisierung und wachsender Wirtschaft" Opfer von Vorurteilen.

In Hintergrundgesprächen machen mehrere türkische Politiker vor allem Merkel dafür verantwortlich. Nach der Wiederwahl der Kanzlerin müsse jetzt überlegt werden, ob es Sinn mache, die 2005 aufgenommenen Beitrittsverhandlungen fortzusetzen.

Hasnain Kazim, Istanbul

Wladimir Putin: Moskau sieht Parallelen bei der Wahlkampfstrategie
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Wladimir Putin: Moskau sieht Parallelen bei der Wahlkampfstrategie

Russland: Was die Bundeskanzlerin mit Putin verbindet

Russische Medien benutzen "Merkels Triumph" (die angesehene Wirtschaftzeitung "Kommersant"), um subtil die Legitimität der Herrschaft Wladimir Putins zu erhöhen. Wie dem Präsidenten stehe Merkel nun eine dritte Amtszeit bevor, wie der Kremlchef habe sie Stabilität in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfes gerückt. Auch sonst weise die Wahlkampfstrategie Parallellen auf. "Nicht einmal hat Merkel bei einem öffentlichen Ereignis den Namen Steinbrück in den Mund genommen", analysiert die Regierungszeitung "Rossiskaja Gazeta". Eine Methode, die Putin gerade mit dem Kremlkritiker und Opponenten Alexej Nawalny vorexerziert.

Schon am Freitag hatte die Zeitung "RBK", die dem Finanzmagnaten und Ex-Präsidentschaftskandidaten Michail Prochorow gehört, der Kanzlerin auf einer ganzen Seite eine Lobeshyme als "Mütterchen Europas" gewidmet. Die staatliche Nachrichtenagentur RiaNowosti rechnet mit einem Machtzuwachs Deutschlands in der Europäischen Union. "Will Deutschland nun eine europäische Supermacht werden?", fragt sich der Deutschlandexperte der Nachrichtenagentur. Ob der Kreml mit dem Wahlergebnis zufrieden ist, werden erst die Koalitionsverhandlungen zeigen. Niemand in der Moskauer Machtelite wünscht sich eine schwarz-grüne Koalition. Die Grünen würden Bürger- und Menschenrechtsverletzungen in Russland stärker zum Thema machen. Bei einer Regierungsbeteiligung der SPD und einem womöglich sozialdemokratischen Außenminister könnten sich die zuletzt abgekühlten Beziehungen wieder verbessern, hofft der Kreml.

Claudia Thaler, Moskau

Premier Letta: Italien atmet auf, dass die Euro-Gegner scheiterten
AFP

Premier Letta: Italien atmet auf, dass die Euro-Gegner scheiterten

Italien: Hoffen auf die "eiserne Mutti"

Die Kanzlerin hat nicht viele Freunde in Rom, und doch nimmt man das Wahlergebnis hier mit Erleichterung auf. Das Resultat sei eine "enorme Bestätigung des proeuropäischen Deutschlands" kommentierte Andrea Tarquini in der "Repubblica". Mit Sorge hatte das Euro-Krisenland auf die Alternative für Deutschland geschaut. Nun atmen viele auf, dass es die Euro-Gegner nicht ins Parlament geschafft haben.

Die deutsche Wahl wird in Italien vor allem als Votum über die Politik in der Euro- und Schuldenkrise gesehen. Das gebeutelte Land hofft auf Hilfe Europas, auf eine Abkehr von jener Sparpolitik, die mit "La Merkel" verbunden ist. Die Hoffnung ruht vor allem auf einer großen Koalition, in der die SPD auf Wachstumsprogramme für den Süden drängen könnte. Die linksliberale "Repubblica" betont aber auch, Merkel habe im Wahlkampf den Deutschen klar gemacht, dass sie vom Euro profitierten. "Jetzt kann sie auch Opfer für Europa verlangen." Der bürgerliche "Corriere della sera" warnt hingegen vor "Illusionen, Deutschland würde sich nun vom Dogma der Sparpolitik abwenden".

Die Politiker halten sich bislang zurück. Nur der frühere Regierungschef Mario Monti sagte, er hoffe, eine neue Regierung mache den Weg frei für Wachstumsprogramme. Die hatte Monti in seiner Zeit als Premier immer wieder versucht, Merkel abzuringen, ohne Erfolg.

Und sonst? Staunt Italien weiter über "La Merkel" und ihren Triumph. Schon werden Parallelen zu Margaret Thatcher gezogen, und es macht ein neuer Spitzname die Runde: "Mutti di ferro" – die eiserne Mutti.

Fabian Reinbold

Mario Rajoy:  Gratulation zum „außergewöhnlichen Ergebnis“
REUTERS

Mario Rajoy: Gratulation zum „außergewöhnlichen Ergebnis“

Spanien: Wichtiger als die Hüfte des Königs

Auf den Wahltriumph von Angela Merkel reagieren die Spanier verblüfft bis bewundernd: Sie ist die einzige Regierungschefin der Euro-Krise, die im Amt bestätigt wurde. Die Kollegen in Europas Süden – Sarkozy, Monti, Berlusconi, Zapatero, Sócrates, Papandreou – alle wurden abgewählt. Merkel dagegen erzielte einen "historischen Sieg", der selbst Meldungen über die neue Hüftoperation des spanischen Königs verdrängt. Wie groß das Interesse an der Abstimmung in Deutschland ist, zeigt der Liveticker, mit dem das Online-Portal von "El País" den Wahlabend begleitete.

Regierungschef Mariano Rajoy gratulierte zum "außergewöhnlichen Ergebnis". Aber er und viele Spanier fragen sich wohl auch: Was bedeutet dieser Wahlsieg für uns? Viele hoffen auf eine Große Koalition – also auf die Regierungsbeteiligung der SPD. Von den Sozialdemokraten erwarten sie einen weniger strikten Sparkurs, mehr Verständnis für die Probleme des Südens.

"Natürlich müssen die Südländer Verantwortung übernehmen für das Entstehen der Krise und sich den Folgen stellen. Aber Deutschland trifft auch ein Teil der Schuld. Daher sollte die deutsche Regierung viel entschlossener die Führung in Europa übernehmen", meint Fernando Jiménez, Politologe an der Universität Murcia.

Aber wer kann die mächtige Merkel jetzt beeinflussen? Und überhaupt: Ist sie nun "Mutti oder Merkeavelli"? Das fragt man sich auch im Nachbarland Portugal.

"Wir werden wohl erst in der nächsten Krise wissen, was Merkel aus der Freiheit macht, die ihr die Wähler gegeben haben", sagt José Ignacio Torreblanca vom European Council on Foreign Relations in Madrid. "Meiner Meinung nach wird sie das tun, was sie bislang gemacht hat: nur das Nötigste. Mit einer solchen Mehrheit hätten Blair, Kohl und Mitterand Großes geleistet."

Katharina Graça Peters

Südamerikas Regierungschefs:  Scharfer Blick auf den Ausgang der Wahl
AP

Südamerikas Regierungschefs: Scharfer Blick auf den Ausgang der Wahl

Lateinamerika: Huldigung an die Kanzlerin

Der Ausgang der Bundestagswahl wurde in Lateinamerika mit überraschend großer Aufmerksamkeit verfolgt. Von Mexiko bis Argentinien würdigten die Tageszeitungen den Sieg von Kanzlerin Angela Merkel noch am Sonntag mit längeren Artikeln und zum Teil eigenen Berichten. Der Tenor glich immer diesem aus dem "Folha de São Paulo" aus Brasilien: "Merkel schrammt an der absoluten Mehrheit vorbei". "Clarín" aus Argentinien schrieb: "Umfragen sehen Merkel vor Triumph". "El Universal" aus Mexiko berichtete: "Merkels Partei gewinnt Wahl, erreicht aber keine absolute Mehrheit" und stellte dazu die Porträts der beiden Kandidaten Merkel und Peer Steinbrück von der SPD.

Die größte kolumbianische Tageszeitung "El Tiempo" widmete der Wahl in Deutschland sogar den Spitzenplatz auf ihrem Internetauftritt. "Angela Merkel gewinnt die Wahl und erreicht ein drittes Mandat". "Folha de São Paulo" präsentierte ein Bild Merkels mit einem Maßkrug voller Bier und kommentierte: "Kanzlerin gewinnt die Wahl, aber verliert ihren wichtigsten Verbündeten." Die alte und neue deutsche Regierungschefin wird in Lateinamerika belächelt und bewundert, manchmal auch ein bisschen gefürchtet. Sie gilt als hart, durchsetzungsfähig und erfolgreich.

Alle Zeitungen betonten in ihrer Berichterstattung zudem, wie wichtig die Wahl für Europa und die Euro-Rettung war - und wie gefährlich "ein unsicheres Ergebnis" für die Gemeinschaftswährung sei. Dabei hoben die Blätter hervor, dass besonders die europäischen Krisenländer genau auf den Ausgang der Wahl in Deutschland schauten.

Klaus Ehringfeld, Mexiko-Stadt

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Seite 1
gog-magog 23.09.2013
1. Hix "haushoher Sieg"°!
Zitat von sysopDPADie Briten vergleichen sie schon mit Maggie Thatcher - doch in vielen Ländern sorgt Angela Merkels Wahltriumph für Skepsis. Vor allem die Südeuropäer fürchten die neue Macht der Kanzlerin. Weltweite Reaktionen im Überblick. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/das-ausland-ueber-merkel-europa-fuerchtet-die-eiserne-mutti-a-923863.html
Mir ist unklar, von welchem "haushohen" Sieg der Merkel hier die Rede sein soll? Hat sie beim Hallenhalma gewonnen, oder was? Bei der Wahl zum deutschen Bundestag ist sie jedenfalls gescheitert, denn ihre Wunschregierung ist nun Geschichte. Sie kann nicht mehr allein regieren, was sie ja dank der Abnick-Mentalität der Mövenpicker faktisch getan hat. Der deutsche Wähler hat der Merkel also ein Stück Macht aus der Hand genommen und will mehr Kontrolle. Das ist alles, was im Moment zählt.
immerfreundlich 23.09.2013
2.
Zitat von sysopDPADie Briten vergleichen sie schon mit Maggie Thatcher - doch in vielen Ländern sorgt Angela Merkels Wahltriumph für Skepsis. Vor allem die Südeuropäer fürchten die neue Macht der Kanzlerin. Weltweite Reaktionen im Überblick. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/das-ausland-ueber-merkel-europa-fuerchtet-die-eiserne-mutti-a-923863.html
Nun, die einen freuen sich (Holland und Co.), die anderen erwarten das schlimmste - dass sie weniger oder kein Geld zum Verschleudern bekommen. International könnte ein neuer besserer Aussenminister hilfreich sein. man muss abwarten wie es weitergeht. Insgesamt hat Deutschland damit gezeigt dass es Grenzen gibt, die wir nicht überschreiten werden. die Reaktion wird morgen oder übermorgen richtig interpretierbar sein
dergulag 23.09.2013
3. Na klar, woher und wieso?
Die Deutsche Ueberzahl der ahnungslosen Altersnaiven haben gewaehlt. Keine "Alternativen" by Ueberalterung. Man waehlt den Status Quo aus Aengstlichkeit und fehlenden Fakten. Die Ueberalterung im Westen zerstoert jede Demokratie und verbaut jede zukunftstraechtige Vision einer besseren Welt.
Quagmyre 23.09.2013
4. Südeuropäer
Zitat von sysopDPADie Briten vergleichen sie schon mit Maggie Thatcher - doch in vielen Ländern sorgt Angela Merkels Wahltriumph für Skepsis. Vor allem die Südeuropäer fürchten die neue Macht der Kanzlerin. Weltweite Reaktionen im Überblick. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/das-ausland-ueber-merkel-europa-fuerchtet-die-eiserne-mutti-a-923863.html
Na klar. Insbesondere die Südeuropäer hätten natürlich gerne Parteien an der Macht gesehen, welche die deutschen Steuergelder noch alternativloser im Euro-Feuerofen verheizen. Als ob die CDU das nicht sowieso schon zur Genüge täte.
GlobalerOptimist 23.09.2013
5. Es wird wieder das Märchen
vom drastischen Sparkurs in der Euro-Krise und der Zorn vieler Menschen in den Krisenländern heraufbeschworen. Vielleicht sollten die lieben zornigen Menschen endlich mal die Verursacher in den eigenen Reihen suchen. Solange die Ursachen in Berlin bzw. bei "Mutti" gesucht werden, wird es leider keine Fortschritte geben. Die Adresse ist einfach unzutreffend.
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