Kosten, Quorum, Gewicht Das SPD-Mitgliedervotum in Zahlen

463.723 SPD-Mitglieder waren stimmberechtigt, 378.437 haben sich an der Abstimmung zur GroKo beteiligt. Die Zahlen zum Votum im Überblick.

Eine der beiden "Hochleistungsschlitzmaschinen"
AFP

Eine der beiden "Hochleistungsschlitzmaschinen"


Zum zweiten Mal nach 2013 hat die SPD ihre Mitglieder über den Eintritt in eine Koalition mit den Unionsparteien CDU und CSU abstimmen lassen. Am Samstagabend um 22 Uhr begann die Auszählung der Stimmen, das Ergebnis wurde Sonntagmorgen bekanntgegeben. Hier ein Überblick des Votums in Zahlen:

  • Teilnehmer: Exakt 463.722 SPD-Mitglieder waren diesmal stimmberechtigt.
  • 378.437 Stimmen wurden abgegeben.
  • 14.943 davon waren fehlerhaft, weil etwa die eidesstattliche Versicherung gefehlt hat.
  • 363.494 waren wirksame Stimmen, das sind 78.39 Prozent.
  • Von diesen waren 561 ungültig.
  • Kosten: Laut Parteiangaben kostete das Mitgliedervotum rund 1,5 Millionen Euro.
  • Brieföffnung: Dafür wurden zwei "Hochleistungsschlitzmaschinen" gemietet, die jeweils pro Stunde rund 20.000 Briefe öffnen können. Eine Maschine wiegt rund hundert Kilogramm. 2013 dauerte der ganze Prozess mit Öffnen und Auszählen rund 14 Stunden.
  • Papier: Die verschickten Abstimmungsunterlagen wogen 38 Gramm, der in einer Sonderausgabe des "Vorwärts" verschickte 177-seitige Koalitionsvertrag 188 Gramm. Bei 463.723 stimmberechtigten SPD-Mitgliedern macht das ein Gewicht von rund 104.801 Kilogramm Papier.
  • Online-Abstimmung: War für 2.305 im Ausland lebende Mitglieder möglich.
  • Lagerung: Die beim Parteivorstand eingegangenen Stimmzettel werden - wie auch 2013 - ein Jahr lang "trocken und sicher" gelagert. Das ist wichtig für Anfechtungen, sollte es knapp ausgehen.
  • Auszählung: Die erfolgt durch rund 120 Mitglieder aus ganz Deutschland per Hand und unter notarieller Aufsicht.
  • Quorum: Das Ergebnis für Annahme oder Ablehnung der Koalition ist bindend, wenn mindestens 20 Prozent der Mitglieder abstimmen. Das war bereits am 23. Februar geschafft, drei Tage nach Abstimmungsbeginn.
  • Ergebnis 2013: Abgegebene Stimmen: 369.680 (77,86 Prozent der Mitglieder), davon wirksam abgegebene Stimmen: 337.880 - viele hatten die eidesstattliche Erklärung nicht mitgeschickt. Mit Ja stimmten damals 256.643 (75,96 Prozent), mit Nein 80.921 (23,95 Prozent).


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aar/dpa



insgesamt 24 Beiträge
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auf_dem_Holzweg? 04.03.2018
1. Bei 104 Tonnen Papier
hat die SPD schon mal etwas von emails gehõrt? Zumindest der völlig unsinnige Koalitionsvertrag, der Merkel eh nur dazu dient ihn zu brechen, ist das Papier nicht wert auf dem er draufsteht, hätte elektronisch verschickt werden können. Wegen möglicher Geheimhaltung schützt auch diese Unterlage vor sich selbst: schon nach 2 Seiten lesen wird jeder von einer übermächtigen Müdigkeit übermannt, die jeden sofort in Tiefschlaf versetzt.
paulam2 04.03.2018
2. Glaubte nur 1 LKW gesehen zu haben.
Als ich meinen Umschlag frankieren wollte fragte ich meine Frau, welche Briefmarke ich zu kleben hätte. "Der Brief wiegt keine 20 Gramm, 70 Cent reichen!" Und eben nachgerechnet, nachdem ich diese Zahl von über 104 Tonnen (!) gelesen hatte: 463.723 x 0,02kg = 9.274,46 Kilogramm. Also soll ein Brief nach der Spiegel-Berechnung doch tatsächlich 226 Gramm gewogen haben? Haben wir uns dermaßen verwogen und der Partei ein deftiges Nachporto beschert?
udo l 04.03.2018
3. Ja so ist das eben,
Demokratie ist Arbeit und kostet auch Geld. Ich verstehe nicht so ganz was diese Information denn nun bewirken soll? Ich hoffe mal nicht, die Menschen dazu zu bringen wieviel Geld die SPD denn nun "verschwendet" hat und dass dies ja alles Steuergelder sind. Ja, es sind zum Teil Steuergelder, aber wie oben bereits erwähnt, Demokratie kostet auch nin mal was, und es ist es wert.
Emma Woodhouse 04.03.2018
4.
Ich habe nicht verstanden, warum man in Koalitionsverhandlungen eintritt, bevor klar ist, ob man überhaupt eine Groko bilden will. Hätte diese Abstimmung nicht zuerst stattfinden müssen?
naive is beautiful 04.03.2018
5. vermutlich 300.000 von ca. 464.000 Stimmberechtigten SPD-Mitgliedern..
befinden also um die Art und Zusammensetzung der nächsten Regierungskoalition. Aha. Das ist natürlich alles legitim und demokratisch irgendwie untermauert (wenn auch über mindestens zwei Ecken), gibt aber doch zu denken. Nur gut, dass das Ergebnis und seine Konsequenz im Grunde wurschtegal ist: Votieren die tatsächlich abstimmenden SPD-Mitglieder knapp mit JA zur Koalition (also mit vermutlich 160-180.000 Stimmen - oder ca. atemberaubenden 0,3% der bundesweit wahlberechtigten Bevölkerung), dann haben wir eben eine sogenannte 'Große Koalition'. Soll mir recht sein. Votieren aber 0,3% der wahlberechtigten Bevölkerung mit NEIN, dann hat nur eine Interessensgruppe 'den Salat' - nämlich die SPD! Angesichts der tiefen Zerklüftung dieser einstmals stolzen Arbeiterpartei (inzwischen weitgehend ohne Arbeiter) könnte Restdeutschland eigentlich fast froh über ein NEIN sein - denn dann hätte die um immerhin ein gutes Drittel stärkere Partei die Chance, eine mutige Minderheitsregierung zu bilden und sich zu jedem wirklich wichtigen Thema jeweils unterschiedlich gemischte Mehrheiten zu holen. Ich fände das jedenfalls spannend, herausfordernd, kreativ - und keineswegs als Lösung zweiter oder gar dritter Klasse!
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