CSU empfängt Cameron Darling der Kreuths

Angela Merkel? Ach was! Der Stargast der CSU bei der Kreuther Klausur war David Cameron. Der Brite war voll des Lobes für die Christsozialen - und Horst Seehofer pries die Politik des Premiers: "Das ist CSU pur."

Großbritanniens Premierminister Cameron: Liebling in Kreuth
AFP

Großbritanniens Premierminister Cameron: Liebling in Kreuth

Von , Wildbad Kreuth


Der Gast kam richtig ins Schwärmen, der Besuch bei der CSU im Tegernseer Hochtal hatte offenbar nachhaltigen Eindruck hinterlassen: Er lobte die schöne bayerische Landschaft, dankte für das herzliche Willkommen, sprach von den engen Beziehungen und betonte, hervorragende Diskussionen geführt zu haben.

Es war David Cameron, der am Donnerstag diese Worte bei der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth wählte. Wie es sich für einen Freund Bayerns gehört, hatte der britische Premier in einer der beiden recht kargen Suiten im Tagungszentrum übernachtet, das mächtig in die Jahre gekommen ist. Trotzdem trat der Gast am Morgen danach voller Elan und Begeisterung vor die Kameras. Er habe ja schon einmal die CSU in Kreuth besucht. Schön sei es, nun wieder in Bayern zu sein.

So demonstrative Verbundenheit mit dem Freistaat hätten sich die Christsozialen auch von Angela Merkel gewünscht. Die Kanzlerin war wie Cameron am Mittwoch angereist, ihre Visite fiel aber nicht nur kürzer aus - sie flog noch am Abend planmäßig zurück -, auch inhaltlich gab es zwischen Merkel und der CSU wenig Bewegung in einer zentralen Frage. Die Kanzlerin machte erneut deutlich, dass sie die CSU-Forderung nach einer deutschen Obergrenze für Flüchtlinge ablehnt. Alles beim Alten also. Zwar lobten CSU-Politiker den offenen Austausch mit der CDU-Chefin. Die Ernüchterung war aber auch am Tag danach spürbar.

"Das ist CSU pur"

Wie herzlich und einvernehmlich dagegen die Begegnung mit Cameron. Horst Seehofer lobte den Gast aus Großbritannien schon vor dessen Ankunft. Er habe mit ihm einst über die Gründe für seinen Triumph bei der Wahl in Großbritannien gesprochen. Cameron habe 2015 die absolute Mehrheit gewonnen, weil er gegen die "Zuwanderung in die Sozialsysteme" vorgegangen sei, so Seehofer: "Das ist CSU pur. Er konnte es nur auch machen. Wir müssen es noch machen."

Auf Papier haben es die Christsozialen bereits fixiert: In Kreuth wollen sie beschließen, dass für EU-Ausländer der Anspruch auf Sozialleistungen für mindestens zwölf Monate ausgeschlossen bleibt. "Jeder Missbrauch durch Zuwanderung in die sozialen Sicherungssysteme der Mitgliedstaaten gefährdet die Akzeptanz der Freizügigkeit", heißt es in dem Dokument.

Cameron und die CSU sind sich in dieser Frage also ganz nah. Die Christsozialen unterstützen den britischen Premier deshalb auch in zentralen Punkten seiner weitreichenden EU-Reformpläne, die bei vielen europäischen Partnern umstritten sind.

So will Cameron nicht nur erreichen, dass Zuwanderer aus anderen EU-Staaten vier Jahre lang von Sozialleistungen ausgeschlossen werden, er will auch den Binnenmarkt stärken und den Handel liberalisieren. Sollten diese Forderungen unerfüllt bleiben, wolle er für einen Austritt seines Landes aus der EU plädieren, hatte der 49-Jährige gedroht. Spätestens Ende kommenden Jahres sollen die Briten über ihren Verbleib in der EU abstimmen.

Der Liebling in Kreuth aus London

Manfred Weber, Chef der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, machte in Kreuth deutlich, dass Cameron bei seinem Engagement gegen Sozialmissbrauch und für eine unbürokratischere EU auf die Christsozialen setzen kann: "Da hat er die CSU als Freund an seiner Seite", sagte Weber, der auch CSU-Vize ist. Anders sehe es etwa bei Camerons Forderung aus, das Ziel einer immer engeren Union aus dem EU-Vertrag zu streichen. Die CSU sehe die EU nicht nur als Markt, sondern eben auch als eine politische Gemeinschaft. "Da ringen wir miteinander", sagte Weber.

Trotzdem stieß Cameron bei seinem kompakten, rund 20-minütigen Vortrag in Kreuth vor allem auf das Wohlwollen der CSU. Die Kritik aus der SPD, Seehofer und dessen Parteifreunde würden ausgerechnet den Mann empfangen, der für eine Renationalisierung der EU stehe, ließ die Christsozialen unbeeindruckt.

Er wolle, dass Großbritannien Mitglied in einer "reformierten Europäischen Union" bleibe, betonte Cameron in Kreuth. Er sei sicher, dass man ein gutes Ergebnis erreichen könne. "Aber dazu braucht es viel harte Arbeit."

Der Schlussapplaus für Cameron sei deutlich stärker ausgefallen als am Vortag bei Merkel, berichteten Teilnehmer. Spätestens bei der Verabschiedung des britischen Premiers war damit klar: Der Liebling in Kreuth war nicht aus Berlin angereist - sondern aus London.

Video: CSU in Kreuth - Streitthema Obergrenze für Flüchtlinge

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insgesamt 116 Beiträge
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rjlegrand 07.01.2016
1. Das wäre doch die Lösung!
Bayern und das Vereinigte Königreich (da muss man noch nicht einmal am Namen was machen) schließen sich zusammen und verlassen gemeinsam die EU! Sprachprobleme gibt es keine (always = oiwei) und die räumliche Trennung ist auch kein Problem, Nordirland ist sogar durch das Meer von England getrennt. Dann müssen wir nur noch den Weißwurst-Äquator abriegeln und haben unsere Ruhe!
ackergold 07.01.2016
2. Ja, das Grundgesetz
Mich persönlich würde interessieren, ob Cameron seinem alten Kumpel Crazy Horst auch gesagt hat, dass er sein Handy selbstredend abhören lässt aus dem britischen Konsulat in München heraus? Ach, das glaubt ja wieder keiner, weil das sagt ja der Snowden... Unter Freunden geht doch alles, sogar Massenspionage. Hat die Horstsemmel eigentlich mal nachgefragt, wieviele bayerische Telefonate in Cheltenham gespeichert werden? Oder konnten diese Fragen im Wildbad nicht angesprochen werden?
From7000islands 07.01.2016
3. Was Cameron will
In England liest man fast taeglich in der Presse Artikel, die gegen die EU schreiben, nicht fuer die EU. Wenn Cameron fuer Sonderrechte fuer GB kaempft, dann bedeutet das eigentlich, dass England die EU wie sie ist, nicht akzeptiert, sondern die gut funktionierende EWG vor der EU Walze haben will. Mit der EWG wuerde ganz Europa florieren, waehrend die demokratisch nicht legitimierte EU mit ihren antidemokratischen Provokationen aus EZB und EMS samt den Diktatoren Draghi und Juncker fuer denkende Buerger nicht akzeptiert werden koennen.
Trollfrühstücker 07.01.2016
4. Spekulation
Möglicherweise wollte Herr Cameron auch nur einfach mal wieder etwas Vernünftiges essen und nicht das, was es bei ihm zuhause gibt. Gegenüber englischem Essen ein Gespräch mit Seehofer vorzuziehen weist darauf hin, daß er schon sehr großen Hunger hatte. Sogar ich würde lieber einen Monat englisch essen.
f-rust 07.01.2016
5.
daran falsch oder schlecht sein. Sollen doch ALLE Regierungen ihre Bürger/innen darüber abstimmen lassen, ob die EU ein "Bundesstaat" werden soll oder ein "Staatenbündnis" ...
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