Rechtsextremismus Polizei nimmt Thügida-Chef fest

Sie sollen die Sozialversicherung betrogen und Raube begangen haben: Die Polizei in Thüringen hat drei Verdächtige festgenommen. Nach SPIEGEL-Informationen ist darunter ein bekannter Neonazi.

David Köckert (rechts)
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David Köckert (rechts)

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Er sprach vom "Rassenkrieg gegen das deutsche Volk", verhöhnte Polizisten als "charakterlose Söldner in Blau" und nannte Journalisten "asoziale antideutsche Schweinepresse" - spätestens seit seiner Rede bei einem rechten Trauermarsch in Köthen Anfang September ist Thügida-Gründer David Köckert auch überregional bekannt. Wegen Volksverhetzung wird bereits gegen ihn ermittelt. Jetzt nahm die Polizei den Rechtsextremen fest - allerdings wegen anderer Vergehen.

Wie die Staatsanwalt Gera bestätigte, durchsuchten Ermittler am Dienstagvormittag insgesamt sieben Gebäude in Thüringen und Sachsen, unter anderem in Gera, Greiz und Zwickau. Die Ermittlungen richten sich gegen drei Beschuldigte. Wie die Staatsanwaltschaft dem SPIEGEL auf Nachfrage bestätigte, ist der vorbestrafte Köckert einer von zwei Verdächtigen, die festgenommen wurden. Die Namen der beiden anderen Beschuldigten wurden aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst nicht genannt.

Überfall auf Pizzabote und Sozialversicherungsbetrug

Den drei Beschuldigten werden zwei verschiedene Taten zur Last gelegt:

  • Zweien von ihnen werfen die Ermittler räuberische Erpressung und Verstöße gegen das Waffengesetz vor. Einer der beiden soll zusätzlich einen Pizzaboten in Gera überfallen, mit Pfefferspray angegriffen und ausgeraubt haben.
  • Einer der beiden mutmaßlichen Räuber soll außerdem mit dem dritten Beschuldigten mehrere Tattoo-Studios in Sachsen und Thüringen betreiben. Laut Staatsanwaltschaft zahlten die beiden "seit geraumer Zeit" jedoch zu wenig Abgaben für ihre Mitarbeiter. Der Verdacht: Sozialversicherungsbetrug.

Neben Beamten der Thüringer Polizei und des LKA war laut Staatsanwaltschaft auch der Zoll an den Durchsuchungen beteiligt. Die Ermittler beschlagnahmten außer Unterlagen und Datenträgern auch Schlagringe und Pyrotechnik. Es seien "waffenrechtlich verbotene" Gegenstände sichergestellt worden.

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Die Staatsanwaltschaft bestätigte dem SPIEGEL auf Nachfrage, dass Köckert der einzige der drei Verdächtigen ist, der in beiden Tatkomplexen beschuldigt wird. Er und sein mutmaßlicher Komplize sollten noch am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Nach MDR-Informationen beruhen die Vorwürfe der Ermittler auch auf Erkenntnissen des Verfassungsschutzes.

Erst NPD, dann "Thügida"

Köckert gehört zu den bekanntesten Figuren der rechtsextremen Szene in Ostdeutschland. 2015 gründete er den noch extremeren Pegida-Ableger "Thügida" mit und fungiert bis heute als Chef der Gruppe. Davor war er jahrelang für die NPD aktiv.

Kurz nach der Rede in Köthen Anfang September machte Köckert mit einem weiteren Plan Schlagzeilen: Mit Mitstreitern wollte er zeitweilig vor dem Haus von AfD-Politiker Björn Höcke demonstrieren. Der Grund: Rechtsaußen Höcke war dem Thügida-Chef nicht rechts genug.



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