DDR-Atommüll Hamburgs Hafen soll für Atomfracht dicht bleiben

Atommüll aus einem früheren DDR-Forschungsreaktor soll offenbar aus Nordrhein-Westfalen nach Russland zurückgebracht werden. Die schwarz-grüne Koalition in Hamburg lehnt eine Verschiffung über ihren Hafen ab. CDU-Bürgermeister Christoph Ahlhaus spricht von einer Belastung für die Stadt.

Hamburgs Erster Bürgermeister Ahlhaus und Grüne Goetsch: Neue Herausforderung
dpa

Hamburgs Erster Bürgermeister Ahlhaus und Grüne Goetsch: Neue Herausforderung


Hamburg - Die schwarz-grüne Regierung in Hamburg will ihre Zustimmung zu einem möglichen Atommülltransport über ihr Gebiet nach Russland verweigern. Der Erste Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) sagte am Freitag, Hamburg wolle sich nicht der Verantwortung entziehen. "Wir haben aber den Eindruck, dass diese Entscheidung nicht unter fachlichen Gesichtspunkten gefällt wurde, sondern dass es sich hierbei um ein durchsichtiges politisches Manöver handelt." Ahlhaus fügte an: "Deshalb werde ich diese nicht nachvollziehbare Belastung unserer Stadt so nicht akzeptieren."

Ebenso reagierten die Grünen. "Wir sind entschlossen, alle Möglichkeiten zu nutzen, um Transport und Verladung von Atommüll nach Russland über den Hamburger Hafen zu verhindern", sagte der Vorsitzende der GAL-Bürgerschaftsfraktion, Jens Kerstan, am Freitag. Darin sei sich die Koalition einig.

Zunächst müsse allerdings geprüft werden, ob der Vertrag mit Russland schon rechtskräftig und die endgültige Entscheidung über die genaue Transportroute bereits gefallen sei, sagte Kerstan weiter. Nach Angaben von Tobias Darge vom Jugendumweltnetzwerk Niedersachsen soll der umstrittene Atommülltransport aus dem westfälischen Zwischenlager in Ahaus voraussichtlich in Hamburg verschifft werden.

Ziel der 18 Castorbehälter mit radioaktiven Abfällen, die ursprünglich aus dem DDR-Atomforschungszentrum Rossendorf bei Dresden stammen, ist das russische Atomzentrum Majak im Südural. Vor einer endgültigen Genehmigung des Transports will sich das Bundesumweltministerium vor Ort aber noch über die Sicherheitsbedingungen informieren.

Die Bremer Bürgerschaft hatte am Donnerstag beschlossen, dass künftig keine Atomtransporte mehr über Bremer Häfen abgewickelt werden sollen. Die Stadt Lübeck hatte bereits 1990 bestimmt, dass dort kein Atommüll mehr umgeschlagen werden darf.

Das Abkommen über den Transport aus dem nordrhein-westfälischen Zwischenlager Ahaus ins russische Atomzentrum Majak soll angeblich schon unterschriftsreif verhandelt sein, hieß es aus Regierungskreisen in Berlin. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz sollen 951 Brennelemente in die russische Atomanlage Majak gebracht werden, aufgeteilt auf drei Transporte. Majak liegt etwa 1500 Kilometer östlich von Moskau im Südural. Russische Umweltschützer hatten diese Woche in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Abtransport gewarnt. Majak liege in einem der am stärksten radioaktiv belasteten Regionen des Landes.

sev/dapd

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