Aufarbeitung der DDR-Geschichte Stasi-Papiere sollen ins Bundesarchiv

Die Jahn-Behörde steht vor einer großen Reform: Für die vor der Vernichtung geretteten Stasi-Unterlagen, -Fotos und -Filme soll künftig das Bundesarchiv verantwortlich sein.

Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs, mit Roland Jahn, Bundesbeauftragter für Stasi-Unterlagen
DPA

Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs, mit Roland Jahn, Bundesbeauftragter für Stasi-Unterlagen


Das Stasi-Unterlagenarchiv soll künftig dem Bundesarchiv unterstehen. "Durch die Bündelung wollen wir die langfristige Sicherung der Akten gewährleisten", sagte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, bei der Vorstellung eines entsprechenden Konzepts. Er bestätigte damit die Pläne, über die der SPIEGEL zuvor bereits berichtet hatte.

Als nächstes muss nun der Bundestag über das Konzept zur Zukunft der Stasi-Unterlagen entscheiden, das Jahn gemeinsam mit dem Präsidenten des Bundesarchivs, Michael Hollmann, erarbeitet hat. Kulturstaatsministerin Monika Grütters begrüßte das Konzept. Die CDU-Politikerin sprach von einer "sehr guten Grundlage".

In dem Archiv befinden sich 111 Kilometer Stasi-Akten sowie 1,8 Millionen Fotos und Tausende Filmdokumente. 2018 hatten laut Jahn noch rund 45.000 Menschen Antrag auf persönliche Akteneinsicht gestellt. 2017 seien es noch mehr als 48.000 Menschen gewesen.

"Erbe der friedlichen Revolution bewahrt"

Jahn und Hollmann versicherten, das Recht auf Aktenzugang bleibe auch 30 Jahre nach dem Mauerfall unverändert und erfolge weiterhin auf Basis des Stasi-Unterlagengesetzes. "Den Opfern gerecht werden und gleichzeitig eine Brücke zur nächsten Generation schlagen - das ist und bleibt die Mission des Stasi-Unterlagenarchivs", sagte Jahn.

Künftig soll ein Zentrum zum Erhalt der Unterlagen in Berlin-Lichtenberg Teil eines größeren Archivzentrums zur SED-Diktatur werden, erklärten Jahn und Hollmann. Dort könnten zusätzlich andere Unterlagen des Bundesarchivs zur DDR untergebracht werden, auch seien ein Fokus auf Digitalisierung und eine Stärkung der Forschung geplant. Laut dem Konzept sollen die zwölf Außenstellen der Stasi-Unterlagen-Behörde in Ostdeutschland deutlich an Bedeutung verlieren.

Dem Konzept zufolge würde es keinen Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen mehr geben. Stellenkürzungen dürfte es laut Hollmann ansonsten aber keine geben. Der Zeitplan richtet sich demnach nach dem Bundestag. Zu den Kosten machten Jahn und Hollmann keine Angaben.

Mit dem Konzept werde "das Erbe der friedlichen Revolution nachhaltig und dauerhaft bewahrt", teilte Grütters mit. Die Überführung der Unterlagen in das Bundesarchiv solle den Erhalt, die wissenschaftliche Erschließung und die Nutzung verbessern.

apr/AFP/dpa



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wiese 13.03.2019
1. Stellenkürzungen dürfte es laut Hollmann ansonsten aber keine geben..
Ja bildet doch bitte erst einmal Archivare in Deutschland aus, die fachlich mit der Masse an Informationen, Dokumenten und wahnsinnigen Digitalisierungsvorhaben umgehen können. Bisher sind es überwiegend Seiteneinsteiger (typischerweise der arbeitslose Historiker...), die von außen in die Archive gestopft werden aber fachlich meist wenig Ahnung davon haben, was ein Archivar (heute eher Informationswissenschaftler) wirklich alles zu leisten hat und welche Kenntnisse er haben muss, um Benutzern den Zugang zu den relevanten Informationen zu ermöglichen. Hier ist vor allem die Politik gefragt, die das Dilemma des fehlenden und oft unterbezahlten Fachpersonals seit der ersatzlosen Abwicklung der Ausbildungsgänge v. a. an der Humboldt-Universität bekannt sein sollte.
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