DDR-Vergangenheit: Tillich weist Vorwürfe zurück

Kritik an Sachsens Ministerpräsident: Nach SPIEGEL-Informationen ist Stanislaw Tillich in der DDR-Blockpartei CDU aktiver gewesen als bisher bekannt, er besuchte eine DDR-Kaderschmiede. Tillich weist die Vorwürfe zurück - und kann sich nicht erinnern.

Dresden - Wegen seiner Vergangenheit als Mitglied der DDR-Blockpartei CDU sieht sich Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich massiver Kritik ausgesetzt. Nach Information des SPIEGEL hat Tillich kurz vor der Wende eine aktivere Rolle in der damaligen DDR-Blockpartei CDU gespielt als bislang bekannt. Tillich ließ den Vorwurf umgehend zurückweisen: "Alles, was Ministerpräsident Tillich vor der Wende gemacht hat, ist bekannt", sagte sein Sprecher am Samstag. Berichte über eine angeblich aktivere Rolle Tillichs zu DDR-Zeiten als bislang bekannt entbehrten jeder Grundlage.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU): Alles bekannt?
DPA

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU): Alles bekannt?

Nach einem Dokument des Kreisarchivs Kamenz, das dem SPIEGEL vorliegt, hat Tillich von Januar bis März 1989 ein Seminar an der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft in Potsdam besucht - einer DDR-Kaderschmiede. Die Staatskanzlei in Dresden habe dieses biografische Detail des Regierungschefs bislang weder bestätigt noch dementiert.

Tillichs Sprecher erklärte, ob der Ministerpräsident seinerzeit an diesem Lehrgang tatsächlich teilgenommen habe, könne er derzeit nicht genau sagen. "Dieser Lehrgang war Teil eines Ausbildungsprogramms als Tillich im Mai 1989 zum Stellvertreter des Vorsitzenden beim Rat des Kreises Kamenz für Handel und Versorgung wurde." Dass Tillich diese Funktion innehatte, sei aber bekannt.

Die "Welt" bezichtigt unter anderem die Staatskanzlei, mit der von ihm in Internet veröffentlichten Biografie Tillichs die Öffentlichkeit in die Irre zu führen. Dort steht, Tillich sei von 1987 bis 1989 "Angestellter in der Kreisverwaltung Kamenz" gewesen. Laut "Welt" war Tillich jedoch weitaus mehr, er sei am 25. Mai 1989 zum Stellvertretenden Vorsitzenden des Rat des Kreises bestimmt worden und habe damit der sogenannten B-Struktur der DDR angehört, die im Krisenfall an die Stelle der normalen Machtstrukturen hätte treten sollen.

Sachsens Regierungschef war als 27-Jähriger 1987 in die frühere DDR-Blockpartei CDU eingetreten. Er hatte dies damit begründet, dass er so "Ruhe vor der SED hatte". Die Diskussion um Tillichs Vergangenheit zu DDR-Zeiten flammt gut eine Woche vor dem Bundesparteitag der CDU in Stuttgart auf. Tillichs Partei will sich dort stark von der Linkspartei abgrenzen, die sie als SED-Nachfolgepartei kritisiert. Im Vorfeld hatte es über das Thema bereits scharfe Diskussionen gegeben. Allerdings soll auch noch eine kritische Passage zur Rolle der frühereren CDU in der DDR eingefügt werden. Im kommenden Jahr wird in Sachsen auch ein neuer Landtag gewählt.

Lesen Sie mehr dazu im neuen SPIEGEL.

ore/ddp/Reuters

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