Rüstungspläne De Maizière will bewaffnete Drohnen für Deutschland

Der Verteidigungsminister befürwortet den Einsatz bewaffneter unbemannter Flugzeuge. Ab 2014 oder 2015 brauche die Bundeswehr laut Thomas de Maizière eigene Kampfdrohnen. Der Einsatz dieser Waffen ist umstritten, ethische Bedenken hat der CDU-Politiker nach eigener Aussage nicht.

Verteidigungsminister de Maizière in einer Bundeswehrmaschine: Keine ethischen Bedenken
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Verteidigungsminister de Maizière in einer Bundeswehrmaschine: Keine ethischen Bedenken


Berlin - Die Argumentation des Bundesverteidigungsministers für einen Einsatz bewaffneter Drohnen ist simpel: "Flugzeuge dürfen Waffen tragen. Warum also sollen unbemannte Flugsysteme das nicht dürfen?", sagte Thomas de Maizière (CDU) der Zeitung "Die Welt". Der Minister befürwortet demnach die Anschaffung und den Einsatz bewaffneter Drohnen bei der Bundeswehr.

Bei der Beschaffung von Drohnen für die Bundeswehr will de Maizière stufenweise vorgehen. Bis 2014/2015 werde man sich wie bisher mit einem Leasingmodell behelfen. Derzeit ist in Afghanistan das von Israel gemietete, unbewaffnete Heron-System im Einsatz.

Danach brauche man eigene unbemannte Luftfahrzeuge. Auf dem Weltmarkt gebe es aber fast ausschließlich nur bewaffnete Drohnen zu kaufen. Eine Umrüstung auf ein unbewaffnetes Modell sei teuer und mache deshalb "wenig Sinn". Die Bundesrepublik arbeite zudem mit Frankreich und Großbritannien an der Entwicklung einer europäischen Drohne. Eine solche könne "hoffentlich in den Jahren nach 2020 auch einsatzfähig verfügbar" sein, sagte der Minister gegenüber der Zeitung.

Bislang setzt die Bundeswehr Drohnen nur zur Aufklärung ein - etwa in Afghanistan. Über bewaffnete Drohnen verfügt sie nicht. Solche bewaffneten Systeme nutzen zum Beispiel die USA häufig in Afghanistan und Pakistan, aber auch im Jemen, um mutmaßliche Terroristen zu töten. Dabei gibt es immer wieder Opfer unter der Zivilbevölkerung, weswegen die Waffensysteme sehr umstritten sind.

"Eine Waffe ist stets als neutral zu betrachten"

Ethische Bedenken gegen einen Einsatz bewaffneter unbemannter Flugzeuge habe er nicht, sagte de Maizière: "Ethisch ist eine Waffe stets als neutral zu betrachten." Davon zu trennen sei die Frage, wer diese Waffe wann und wie einsetze. "Ich halte es schon für geboten, dass diejenigen, die unbemannte Systeme bedienen, möglichst in der Nähe des Einsatzorts sind", sagte der CDU-Politiker. Allerdings sei eine solche Präsenz vor Ort nicht immer machbar.

Als Vorteil der bewaffneten Drohnen nannte der Minister ihre Zielgenauigkeit. "Und je besser man zielen kann, desto weniger Schäden gibt es." So könnten die Vorgaben des Völkerrechts, in einem militärischen Einsatz unbeteiligte Dritte nicht zu treffen, besser eingehalten werden. Schließlich könnten bewaffnete Drohnen auch dabei helfen, die eigenen Soldaten bestmöglich zu schützen.

Das Bundesverteidigungsministerium hatte kürzlich bestätigt, die Anschaffung bewaffneter Drohnen zu prüfen. Der Entscheidung solle eine "breite Diskussion" in der Öffentlichkeit über die Notwendigkeit der umstrittenen Waffensysteme vorausgehen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums Ende Juli zu den damaligen Überlegungen.

lgr/AFP/dapd

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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
curti 03.08.2012
1. Seit Existenz der BRD hat sich.....
Zitat von sysopAFPDer Verteidigungsminister befürwortet den Einsatz bewaffneter unbemannter Flugzeuge. Ab 2014 oder 2015 brauche die Bundeswehr laut Thomas de Maizière eigene Kampfdrohnen. Der Einsatz dieser Waffen ist umstritten, ethische Bedenken hat der CDU-Politiker nach eigener Aussage nicht. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,848144,00.html
....regelmäßig und nachhaltig gezeigt, daß sich für Politiker ethische Bedenken im militärischen Bereich insbesondere dann erübrigen, wenn ein C im Parteibuch enthalten ist. Dabei sollte gerade dann das Gegenteil der Fall sein!
hoffer 03.08.2012
2. Wofür?
Wo will er die denn einsetzen? Aus Afghanistan zieht Deutschland sich doch angeblich zurück.
deccpqcc 03.08.2012
3.
Zitat von sysopAFPDer Verteidigungsminister befürwortet den Einsatz bewaffneter unbemannter Flugzeuge. Ab 2014 oder 2015 brauche die Bundeswehr laut Thomas de Maizière eigene Kampfdrohnen. Der Einsatz dieser Waffen ist umstritten, ethische Bedenken hat der CDU-Politiker nach eigener Aussage nicht. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,848144,00.html
der mann stellt sehr eindrucksvoll unter beweis das er auch von ethik keine ahnung hat. wie von allen anderen dingen. jedes technische system kann fehlfunktionen aufweisen, der fliegende tötungs-automat kann also plötzlich amok laufen. der herr ethik-minister wird dann sicher sagen das solche fehlfunktionen noch nie vorgekommen sind.
UnitedEurope 03.08.2012
4. Titellos
Schauen wir uns dazu die Betrachtungsweisen an. Militärisch gibt es keine Zweifel an der Überlegenheit von bewaffneten Drohnen gegen über herkömmlichen Kampflugzeuge. Drohnen können länger in der Luft bleiben, sind schwieriger zu entdecken, leichter und billiger zu warten, es werden keine Piloten riskiert, man brauch weniger Logistik was Landebahnen und Treibstoffversorgung angeht. Angriffe mit Drohnen sind auch präziser und bergen weniger Gefahr für Zivilisten, da man das Ziel viel länger davor observieren kann (moderne Drohnen können bis zu 24h in der Luft bleiben). Wirtschaftlich spricht auch alles für die Drohnen. Eine Flugstunde eines Eurofighters kostet mehrere 10.000€, Drohnen sind billiger in der Anschaffung und Entwicklung, im Unterhalt und der Wartung. Drohnenpiloten sind billiger auszubilden und müssen eine viel geringere körperliche Belastung aushalten, was wiederum die Ausbildung und die Nachwuchsfindung erleichtert. Ethisch-moralisch find ich persönlich das zwar nicht so heikel wie andere, aber das müssen andere Experten bewerten. Aus wirtschaftlicher und militärischer Sicht gibt es nichts, was gegen Drohnen und für Kampflugzeuge spricht.
Celestine Trueheart 03.08.2012
5.
---Zitat--- "Ethisch ist eine Waffe stets als neutral zu betrachten." ---Zitatende--- ... so der Verteidigungsminister. Der Minister irrt. Ethisch ist eine Waffe stets zu ächten.
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