"Cyber-Grooming" Deutschland versäumt Gesetz gegen Kindesmissbrauch

Wer mit sexuellen Hintergedanken Kontakt zu Kindern im Internet aufnimmt, soll sich künftig strafbar machen. Das fordert Bundesinnenminister Thomas de Maizière - und will damit nur umsetzen, was die EU Deutschland längst vorgegeben hat.

Beim "Cyber-Grooming" ("Online-Verführung") erschleichen sich Menschen im Netz das Vertrauen ihrer Opfer und belästigen sie später
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Beim "Cyber-Grooming" ("Online-Verführung") erschleichen sich Menschen im Netz das Vertrauen ihrer Opfer und belästigen sie später


Weimar - Eltern können ihre Kinder nur schwer vor Belästigung im Internet schützen. Schon längst sollte nach einer EU-Richtlinie die Kontaktaufnahme zu Kindern aus sexuellen Motiven strafbar sein. Doch Deutschland hat kein entsprechendes Gesetz erlassen.

Nun fordern die Innenminister von CDU und CSU bei ihrer parteiinternen Konferenz in Weimar die Umsetzung der Richtlinie 2011/93/EU. Bei dem sogenannten Cyber-Grooming bestehe Nachbesserungsbedarf, hieß es. Deutschland hätte bis zum 18. Dezember 2013 ein Gesetz erlassen müssen. Österreich hat die Richtlinie bereits umgesetzt. Sie bezieht sich nicht nur auf die Kontaktaufnahme im Internet, sondern auch im realen Raum.

Bei der Konferenz ging es auch um Erfahrungen mit Lockfallen für potenzielle Täter und eine Verbesserung der länderübergreifenden Zusammenarbeit. Kinderpornografie müsse mit aller Härte bestraft werden, forderte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Das betreffe insbesondere das gewerbsmäßige Handeln mit Bildern von nackten Kindern, sagte er.

Beim "Cyber-Grooming" ("Online-Verführung") erschleichen sich Menschen im Internet das Vertrauen ihrer Opfer und belästigen sie später. Zumeist werden dabei falsche Angaben zur eigentlichen Identität und zum Alter gemacht.

isa/dpa



insgesamt 26 Beiträge
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auf_dem_Holzweg? 05.09.2014
1. Deutschland ist zumindest in Europa ganz hinten...
mal ehrlich wenn Ihr Kleinkinder habt: Fahrt mal Bus oder Bahn Geht mal essen (vorzugsweise MIT Kinderwagen) oder geht mal einkaufen: WO bitte gibt es mal einen Wickeltisch oder gar kinderfreundliche Menschen ? Wo wird einem mel Hilfe a geboten? Deutschland ist ganz klar Europas Alptraum in dieser Hinsicht. Kein Wunder also, dass Deutschland auch wieder Schlusslicht in Hinblick auf Gestzte ist. Auch Politikern ist dieses Thema einfach nicht wichtig. Deutsche Regierung: ihr versagt Tag für Tag in der Planung eurer eigenen Zukunft. Aber das ist Euch ja nicht wichtig, wenn die Taschen schneller gefüllt sind. Traurig. Sehr traurig. Deswegen gehen alleine schon viele nicht mehr wählen. Ich bin froh dass meine Kinder NICHT in Deutschland auswachsen müssen, daher habe ich auch immer direkt den Vergleich!
sober 05.09.2014
2. Kraftmeierei
Die Staatsanwaltschaften kommen doch schon heute kaum noch hinterher bei der Verfolgung von Kinderpornografie. Jetzt auch noch Grooming verfolgen? Das sind ja eher Taten im Vorfeld, oft wohl auch reine Handlungen zur Anstachelung der Fantasie ohne reale Missbrauchspläne. Also, ich finde nicht, dass Kinderschutz zunimmt, wenn man bei gleichen personellen Ressourcen die Tatbestände immer weiter ausdehnt, um Kleinstdelikte zu verfolgen und Mini-Strafen auszusprechen. Lieber auf Verbrechen konzentrieren, also echten Kindesmissbrauch.
demokratie-troll 05.09.2014
3. Strafbare Hintergedanken
Kindesmissbrauch ist zu Recht strafbar. Verführung zu sexuellen Handlungen - auch online - ist ja wohl Missbrauch. Wo soll die Lücke sein? Was es so alles in Zukunft geben wird: "Strafbare sexuelle Hintergedanken", schon die normalen Gedanken kann keiner erraten. Das wird man dann wohl fingieren müssen.^^ Da wäre es doch besser, gleich den Kontakt zu Kindern strafbar zu machen, statt sich noch zusätzlich auf irgendwelche Hintergedanken zu berufen.
Scientius 05.09.2014
4.
Vor allem dürfte die Norm in der praktischen Anwendung ein Bestimmtheitsproblem haben.
benutzer10 05.09.2014
5. Hintergedanken
Da ist es also, das "Thought Crime", von dem Orwell gesprochen hat. Da soll jemand für Gedanken bzw. Absichten bestraft werden, die andere ihm/ihr unterstellen.
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