Von Lisa Erdmann, Christina Hebel und Björn Hengst
Hamburg - Ruft die NPD zur Demo, dann pöbeln sich die immer gleichen Gestalten durch die Straßen: Schwarz gekleidete Neonazis - mit Sonnenbrillen, schwarzen Baseballkappen und gern auch schwarzen Lederhandschuhen ausgestattet - marschieren durch die Republik. Die Fäuste geballt, die Gesichter aggressiv.
Die Parteiführung präsentiert sich anders: gern im Business-Anzug, seriös, bürgerlich. Die Krawatte akkurat gebunden, wie etwa bei Udo Pastörs, NPD-Fraktionschef im Schweriner Landtag. Doch dieser Auftritt kann nicht darüber hinwegtäuschen, wer sich hinter der Fassade NPD tatsächlich versammelt. Die Partei ist ein Sammelbecken für Ausländerfeinde, Antisemiten, Revanchisten, Holocaust-Leugner.
Was die Anhänger eint, ist nach Ansicht von Verfassungsschützern die Forderung, das demokratische System der Bundesrepublik kippen zu wollen.
Die offizielle Parteilinie verurteilt Gewalt, besonders die der Zwickauer Terrorzelle mit ihren mindestens neun rassistisch motivierten Morden. Den Holocaust bezeichnet Parteichef Holger Apfel in der Öffentlichkeit als Verbrechen. Apfel, seit November 2011 im Amt, will seine Partei neu ausrichten. Sein Konzept heißt "Seriöse Radikalität".
Doch der Kurswechsel wirkt wenig glaubhaft. Der Bundesverfassungsschutz attestiert der Partei "ein taktisches Verhältnis zur Gewalt". "Ich sehe nicht, dass es einen echten Kurswechsel gegeben hat", sagt Rechtsextremismus-Experte Fabian Virchow. Der sei kaum möglich, denn dann sei die NPD "nicht handlungsfähig". "Gewalt gehört untrennbar zu dieser Partei - auf allen Ebenen. Sie wird in Worten und Taten gepflegt." Der Übergang sei nach wie vor fließend zwischen NPD und rechtsextremen Freien Kameradschaften.
Anstiftung zum Sprengstoffanschlag in Eisenach
Als "zynisch" bezeichnet der Professor der Fachhochschule Düsseldorf, dass
Vor allem in den ostdeutschen Ländern erleben Verfassungsschützer Gewalt von rechts. In Sachsen-Anhalt zählte das Innenministerium 2010 "80 Straftaten aus dem Bereich der politisch motivierten Kriminalität von rechts". Diese wurden zum Teil auch von Mitgliedern und Funktionären der NPD begangen. Allerdings sei der größte Teil von gewaltbereiten Rechtsextremisten verübt worden, die dem "subkulturell geprägtem Spektrum" angehören. Auch das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern sieht "grundsätzlich ein enges Zusammenwirken zwischen NPD und der Neonaziszene". Es schätzt "Teile der NPD-Anhänger durchaus als gewaltbereit ein".
Das betrifft selbst Landtagsabgeordnete:
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