S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal Meinung als Verbrechen

Wer sich nicht sofort zur Homo-Ehe bekennt, macht sich der "gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" schuldig. Sie halten das für übertrieben? Dann hatten Sie wohl noch nicht mit Debattenwächtern wie Volker Beck zu tun.

Volker Beck: Warum immer auf das höchste aller Rösser?
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Volker Beck: Warum immer auf das höchste aller Rösser?

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Volker Beck ist zurück. Zuletzt war es um den grünen Bundestagsabgeordneten ein wenig ruhig geworden. Die Sache mit dem Kindesmissbrauch bei den Grünen hatte den unermüdlichen Streiter für Menschenrechte aller Art vorübergehend außer Gefecht gesetzt. Beck schrieb vor 25 Jahren ein paar Dinge über den Sex mit Kindern, die ihm heute selbst unangenehm sind. Dann führte er die Öffentlichkeit jahrelang an der Nase herum, indem er behauptete, die anstößigen Stellen seien ihm nachträglich hineinredigiert worden. Stimmte leider nicht, wie ein Blick in das Manuskript zeigte, das sich im Archiv der Heinrich-Böll-Stiftung fand.

Alles vergeben und vergessen. Good old Beck ist wieder da und mit ihm der Kampf für die gerechte Sache. Mit der "Ehe für alle", für die sich Beck seit ein paar Tagen die Finger wund schreibt, hat es noch nicht ganz geklappt. Dafür konnte er jetzt im westfälischen Bielefeld einen Erfolg gegen die "GMF" verbuchen. "GMF" ist das Szenekürzel für "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit", worunter Sozialwissenschaftler die systematische Herabsetzung anderer Menschen als "Syndrom" verstehen.

Meinungsverbrechen, die einen den Job kosten

Krankhafte Menschenfeindlichkeit in Bielefeld? Aber ja: Eine Autorin des "Westfalen-Blattes" hatte einen Leser in einer Ratgeberkolumne in seinem Unbehagen bestärkt, seine beiden Töchter als Blumenmädchen auf die Hochzeit eines schwulen Paares zu schicken. Das würde die Kinder nur durcheinanderbringen, schrieb sie dem Mann. Zwei Tage hielt die Redaktion die organisierte Anfeindung im Netz aus, dann erklärte der Chefredakteur, dass man sich umgehend von der Autorin trennen werde. So schnell begeht man in Deutschland also ein Meinungsverbrechen, das einen den Job kostet.

Für die selbsternannten Strafverfolger ist die westfälische Hochzeitsempfehlung kein Lapsus, den man mal eben durchgehen lassen kann, sondern ein Vergehen, das zeigt, wie tief "Antisemitismus, Homophobie und Rassismus" in Deutschland verankert sind, um in der Terminologie des innenpolitischen Sprechers der Grünen zu bleiben. Als sich der "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt auf Twitter über das Triumphgeheul wunderte, das Beck nach der Kündigung ausstieß, schrieb ihm der Abgeordnete: "Kleiner Selbsttest: #lgbt im Text durch Jude ersetzen und an die Unternehmensgrundsätze denken."

"LGBT" ist das Kürzel für "Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender" (in der grünen Welt liebt man wie bei der Uno Abkürzungen). Mit dem Verweis auf die Unternehmensgrundsätze meinte Beck die Selbstverpflichtung des Springer-Konzerns, allen Angriffen gegen Israel publizistisch entgegenzutreten. Ein Wunder eigentlich, dass die Frau aus Bielefeld nicht längst eine Anzeige wegen Volksverhetzung und Anstiftung zum Rassenhass am Hals hat.

Immer auf das höchste aller moralischen Rösser steigen

Ich bin sehr dafür, dass Leute nach einem Fehlgriff eine zweite Chance bekommen, das gilt auch für Leute wie Volker Beck. Aber warum, um Himmels Willen, müssen sie immer auf das höchste aller Rösser steigen? Würde zur Abwechslung nicht mal ein Moral-Eselchen ausreichen? Offenbar ist der Drang, anderen die Leviten zu lesen, bei bestimmten Menschen so ausgeprägt, dass sie nicht einmal dann davon lassen können, wenn sie allen Grund hätten, ein wenig demütig zu sein.

Im linken Lager hatte man schon immer ein Talent, mit großem Aplomb durch die Tür zu treten, die bereits meilenweit offen steht. Es ist jedenfalls sehr viel angreifbarer, sich gegen die Homo-Ehe auszusprechen, als ein Bekenntnis für die selbige abzulegen. Ich kenne überhaupt nur zwei Journalisten in Deutschland, die öffentlich bekennen, dass ihnen bei dem Gedanken an die Ausweitung der Ehe unwohl ist. Der eine ist Jasper von Altenbockum von der "FAZ", der andere Mathias Matussek.

Matussek hat vor einem Jahr in der "Welt" dazu einen Text geschrieben, der ihm so um die Ohren geflogen ist, dass seitdem immer drei Chefredakteure auf alles sehen, was er abliefert. In der Redaktion musste eine Vollversammlung anberaumt werden. Ein Redakteur rief mit zitternden Stimme, Matussek habe das Aufbauwerk von 15 Jahren ruiniert, was immer das heißen mag. Bis heute wird sein Name auf den Gängen der "Welt" nur wispernd genannt.

Es ist ein großes Missverständnis, von der Unterstützung für politisch erwünschte Kampagnen auf die Vorurteilslosigkeit der Unterstützer zu schließen. Mich erstaunt es immer wieder, wie zwanglos sich Kollegen, die sich für besonders aufgeklärt halten, über die angeblich pädophilen Neigungen schwuler Männer äußern - so als ob Pädophilie eine Sache sei, die nur unter Schwulen vorkäme. Umgekehrt agieren Menschen, die im Verdacht stehen, die schlimmsten Vorurteile zu hegen, im Umgang oft ganz entspannt.

Viele Konservative, die ich kenne, sind in Fragen der Sexualmoral alles andere als strikt, um es mal so zu sagen. Sie kämen allerdings nicht auf die Idee, ständig damit hausieren zu gehen, wen oder was man als Partner bevorzugt. Vermutlich hätte sich Volker Beck in seinem Leben viel Ärger erspart, wenn er es ähnlich gehalten hätte. Das Problem ist nur: Dann hätte er es bei den Grünen auch nie nach ganz oben geschafft.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 289 Beiträge
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Seite 1
m.brunner 02.06.2015
1.
Herr Fleischauer, wann werden Sie endlich Chefredakteur beim Spiegel. Das könnte einiges verbessern. Den Zwiespalt den ich bei Herrn Beck immer nicht verstehe, ist der zwischen dieser vermeintl. Liberalität die von uns modernen Menschen eingefordert wird und den antiqueirten Vorstellungen so mancher östlicher Religion, deren Anhänger streng unter Schutz von Herrn Beck und seinesgleich stehen, die aber die Homo Ehe absolut ablehnen?! Hat er die Hoffnung diese Einstellungen mit Umarmungen ändern zu können? Die Homo Ehe ist vielmehr durch diese Antiquierten Vorstellungen gefärdet als durch den deutschen Stammtisch.
moneysac123 02.06.2015
2.
offen diskutiert wird in deutschland sowieso nicht, jeder hat seine vorgefertigte und unveränderliche meinung die es durchsetzen will bzw um zustimmung wirbt.
citizenkane_hl 02.06.2015
3.
"Jeder hat das Recht, seine Meinung ... frei zu äußern ... Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre." - Damit gibt das Grundgesetz den rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmen vor. Ich muss es nicht gut finden, wenn Homosexuelle heiraten dürfen, ich darf auch dagegen sein, dass die Stellung der (zweigeschlechtlichen) Ehe, deren Ziel der Nachwuchs und damit der Fortbestand der Gesellschaft sein muss, aufgeweicht werden soll. Genauso ist es das Recht einer (z.B. sexuell andersartigen) Minderheit, ihre Wünsche und Bedürfnisse im gesetzlichen Rahmen auszuleben und ihre Meinung frei zu äußern. Wir leben in einer Gesellschaft, die viele Meinungen akzeptieren und tolerieren kann und muss. Es muss stets das Ziel sein, das große Ganze - in dem Fall eine funktionierende Gesellschaft - nicht aus dem Blick zu verlieren und dennoch die Wünsche und Lebensentwürfe aller ihrer Mitglieder zu berücksichtigen.
HaioForler 02.06.2015
4.
"Viele Konservative, die ich kenne, sind in Fragen der Sexualmoral alles andere als strikt, um es vorsichtig zu formulieren. Sie sind lediglich der Meinung, dass man nicht ständig damit hausieren gehen sollte, wen oder was man als Partner bevorzugt. Vermutlich hätte sich Volker Beck in seinem Leben viel Ärger erspart, wenn er es ähnlich gehalten hätte. Das Problem ist nur: Dann hätte er es bei den Grünen auch nie nach ganz oben geschafft." Geradezu hübsch; danke !
spon-1277406002820 02.06.2015
5. Nicht hausieren gehen?
In seinem Artikel schreibt der Autor: Viele Konservative, die ich kenne, sind in Fragen der Sexualmoral alles andere als strikt, um es vorsichtig zu formulieren. Sie sind lediglich der Meinung, dass man nicht ständig damit hausieren gehen sollte, wen oder was man als Partner bevorzugt. Was ist damit gemeint? Soll ein schwuler Mann seinen Lebenspartner verstecken und ihn nirgends öffentlich mit hinnehmen? Das wäre ja dann "hausieren gehen". Diese Einstellung: Schwule sollen tun was sie mögen, aber sie sollen es doch bitte im stillen Kämmerlein machen ist gerade der Beweis für Vorurteile und Ungleichbehandlung, denn ein Heterosexueller Mann darf ja mit seiner Frau auch überall "hausieren gehen". Ich kann nicht erkennen, was der Autor mit "hausieren gehen" meint und warum Heterosexuelle "hausieren gehen" dürfen und Homosexuelle nicht. Michael Burat
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