Millionen für Führungskräfte: Merkel warnt vor maßlosen Managergehältern

Die Kanzlerin hat zu hohe Managergehälter als Wahlkampfthema entdeckt. "Maßlosigkeit darf nicht sein", erklärt Angela Merkel in einem Interview und schaltet sich damit erstmals in die Debatte ein. Die schwarz-gelbe Koalition will die Vergütung von Führungskräften schnell neu regeln.

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Kanzlerin Merkel: "Nur noch den Kopf schütteln"

Berlin - Der Schweizer Volksentscheid zur Begrenzung von Managergehältern schlägt hohe Wellen und hat auch in Deutschland Rufe nach mehr Regulierung gegen exzessive Boni und Bezüge ausgelöst. Jetzt schaltet sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in die Debatte ein: "Maßlosigkeit darf in einer freien und sozialen Gesellschaft nicht sein", sagte Merkel der "Freien Presse" am Mittwoch. Sie verstehe "sehr gut, wenn Menschen über manche Gehälter, die völlig aus dem Rahmen fallen, nur noch den Kopf schütteln können und wollen, dass das aufhört", so die Kanzlerin weiter.

Merkel sagte zudem, es habe sich leider gezeigt, dass es nicht ausreiche, das Thema ausschließlich der Selbstregulierung der Wirtschaft zu überlassen. "Auch wenn wir hier in Deutschland wegen der Mitbestimmung der Arbeitnehmer eine etwas andere Situation haben als in anderen Ländern, bin ich dafür, dass wir dieses Thema auf europäischer Ebene anpacken." Sie finde es sehr gut, dass die EU nun einen Vorschlag erarbeite, wie nicht mehr allein die Aufsichtsräte, sondern auch die Aktionärshauptversammlungen die Spitzengehälter festlegen können.

Merkel reagiert damit auf den öffentlichen Druck, der sich in den vergangenen Tagen verstärkt hat: Seit dererfolgreichen Volksinitiative in der Schweiz gegen überzogene Managergehälter mehren sich in Deutschland die Forderungen nach einer Begrenzung der Bezüge von Spitzenkräften.

Zuletzt hatte das Salär von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn für Aufsehen gesorgt. Er hatte 2011 ein Rekordgehalt von 17,5 Millionen Euro erhalten. 2012 verdiente er 14,5 Millionen Euro. Angesichts des Rekordgewinns bei Volkswagen-Stammaktien Chart zeigen hätten es sogar mehr als 20 Millionen Euro sein müssen. Das fand Winterkorn jedoch nicht mehr vermittelbar - und bestand auf einer Kürzung seines eigenen Lohns. Mit 14,5 Millionen Euro ist er jedoch noch immer der bestbezahlte Vorstandschef Europas.

Entscheidung im Koalitionsausschuss?

Die Koalition will angesichts der schwelenden Diskussion noch vor der Sommerpause eine Regelung zur Begrenzung der Gehälter von Spitzenmanagern beschließen. Angepeilt wird eine Änderung des Aktienrechts, bei der die Hauptversammlung über die Vergütung der Top-Manager entscheiden soll. Bislang sind dafür die Aufsichtsräte zuständig. Die Spitzen der Koalition haben nun erstmal die Wirtschafts- und Rechtspolitiker damit beauftragt, eine Regelung vorzubereiten. Eine weitere Entscheidung fällt möglicherweise in der kommenden Woche beim nächsten Koalitionsausschuss.

Am Wochenende hatte sich auch der FDP-Parteitag dafür ausgesprochen, der Hauptversammlung mehr Einfluss auf die Vergütung des Managements ihres Unternehmens zu geben. Konkrete Zahlen wurden aber nicht genannt. SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte eine gesetzliche Regelung angeregt, sollte es keine freiwilligen Lösungen geben.

Was bislang fehlte, waren ein paar klare öffentliche Worte der Kanzlerin - das hat sie nun nachgeholt. Die Debatte um Bonuszahlungen ist ein Dauerbrenner, der im Wahljahr noch hitziger als sonst durchdiskutiert wird. Es ist zu erwarten, dass das Thema Managergehälter im Wahlkampf eine größere Rolle spielen wird.

Auf europäischer Ebene will EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier bis Jahresende einen Vorschlag nach dem Schweizer Modell erarbeiten, der neben den Gehältern auch die Abfindungen und neue Transparenzregeln beinhalten soll.

amz/dpa

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insgesamt 347 Beiträge
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1. Am Abend werden die Faulen fleissig ...
coyote38 13.03.2013
Und schon kommt der nächste Versuch, ein potenziell explosionsgefährliches Thema noch VOR der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs mit hohlen Lippenbekenntnissen abzuräumen. Wer soll denn bitte glauben, dass diese Umfaller- und "Fähnchen-in-den-Wind-häng"-Koalition mit der vollkommen rückgrat-, meinungs-, visions- und konzeptionslosen Kanzlerin an der Spitze ausgerechnet bei ihrer Stammklientel die Daumenschrauben anzieht. Eine lächerliche Volksverarsch*** erster Güte. Es wird wirklich allerhöchste Zeit, dass DIESES Trauerspiel beendet wird.
2. Typisch Merkel
donnerfalke 13.03.2013
Sie sitzt nur aus und wartet bis ein Thema aktuell wird wie Managergehälter und kläfft dann ein bischen nach. Wie oft hat Merkel schon versprochen "Banken stärker zu kontrollieren"? Managergehälter wird sie sogar erhöhen, für Dumpinglöhne der Arbeitnehmer stand sise immer, das weiß doch jeder. Dass der d. Michel ihr diesen Schwachsinn abkauft ist allerdings wirklich krank.
3. Wer hats erfunden....
tpi_91 13.03.2013
Manometer... eine Reaktion wie ein Amboss
4. Merkel hat Angst
quadratwurzel 13.03.2013
Zitat von sysopDie Kanzlerin hat zu hohe Managergehälter als Wahlkampfthema entdeckt. "Maßlosigkeit darf nicht sein", erklärt Angela Merkel in einem Interview und schaltet sich damit erstmals in die Debatte ein. Die schwarz-gelbe Koalition will die Vergütung von Führungskräften schnell neu regeln. Debatte um Managergehälter: Angela Merkel warnt vor Maßlosigkeit - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/debatte-um-managergehaelter-angela-merkel-warnt-vor-masslosigkeit-a-888526.html)
Zitat: "Merkel warnt vor maßlosen Managergehältern." Es scheint, als hätte Merkel mittlerweile richtig Angst um ihren Job als Bundeskanzlerin. Anders ist diese Kehrtwende wohl kaum zu erklären. Noch vor zwei Jahren hätte das Lager der Union Vorschläge wie diese als kommunistisches Gedankengut abgetan.
5. Es ist doch immer die gleiche Leyer,...
rolfseul 13.03.2013
Erst einmal wartet Frau Dr. Merkel ab, was so die Medien und die Reaktion darauf ergibt, um dann dem Maistream mit "Entschlossenheit" zu folgen. Man kann dies clever nennen. Nur was wird aus ihrer Ankündigung? Verfolgt dies einer? Gutes Beispiel der Ausstieg vom Ausstieg, vom Ausstieg! Hier herrscht heute das blanke Chaos, weil der Herr Neuminister Altmeier, die Geheimwaffe für "Alles" nur eins auf die Reihe bekommt, nichts Konkretes zu tun! Das ist doch effektives regieren? Oder nicht?
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