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Kindesmisshandlungen: Berliner CDU-Mann fordert "Elternführerschein"

Berlins CDU-Generalsekretär Wegner (l.) mit Kollegen Frank Henkel: Forderung nach präventivem Kinderschutz Zur Großansicht
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Berlins CDU-Generalsekretär Wegner (l.) mit Kollegen Frank Henkel: Forderung nach präventivem Kinderschutz

Berlins CDU-Generalsekretär Kai Wegner hat in der Debatte um Behördenhilfen für misshandelte Kinder einen "Elternführerschein" gefordert. Werdende Mütter und Väter sollen demnach mit verpflichtenden Erziehungskursen auf ihre Aufgaben vorbereitet werden, sagte er der Zeitung "B.Z.".

Berlin - In der Debatte um den Umgang von Jugendämtern mit misshandelten Kindern hat der Generalsekretär der Berliner CDU die Einführung eines "Elternführerscheins" gefordert. Der Zeitung "B.Z." sagte Kai Wegner: "Kindesmisshandlungen sind in aller Regel nicht Ausdruck sadistischer Neigungen, sondern die Folge einer Überforderung der Eltern." Als Mittel des präventiven Kinderschutzes denke er deshalb an einen Elternführerschein. "Verpflichtende Erziehungskurse könnten helfen, die werdenden Eltern besser auf ihre neuen Aufgaben vorzubereiten."

Mögliche Probleme könnten auch bei Vorsorgeuntersuchungen angesprochen werden, schlug Wegner vor. "Wir brauchen eine engere Vernetzung und Zusammenarbeit von Jugendämtern, Sozialarbeitern, Kinderärzten, Kitas, Schulen, Gerichtsmedizinern und Polizei." Der familienpolitische Sprecher der Berliner SPD, Björn Eggert, lehnte den Vorstoß ab: "Ein Elternführerschein würde die Akzeptanz der Vorsorgeuntersuchungen verringern. Das muss freiwillig bleiben", sagte Eggert der Zeitung.

Ausgelöst hatte die Debatte unter anderem das Buch "Deutschland misshandelt seine Kinder": Darin werfen die Berliner Rechtsmediziner Michael Tsokos und Saskia Guddat dem deutschen Hilfssystem "regelmäßiges Versagen" vor. Pro Woche stürben in Deutschland drei Kinder als Folge von Misshandlung. Kritiker halten das Buch indes für populistisch, pauschal und praxisfern.

So verteidigte Joachim Merchel von der Fachhochschule Münster die Behörden in einem Interview von "Deutschlandradio Kultur" gegen die Kritik der Rechtsmediziner. Der Professor für Organisation und Management in der Sozialen Arbeit wies darauf hin, dass die Jugendämter ihr Personal zwischen 2006 und 2009 um 19 Prozent aufgestockt hätten - trotz häufig angespannter Haushaltslage der Kommunen. "Insofern kann man schon sehen, dass die Jugendämter sich auch bemühen, den gestiegenen Anforderungen Rechnung zu tragen", sagte Merchel. "Das ist häufig noch nicht genug, da muss noch mehr passieren. Aber man kann schon sehen, dass die Jugendämter hier nicht inaktiv sind."

Eine Dunkelziffer von 200.000 Kindesmisshandlungen bezeichnete der Sozialexperte als übertrieben. Trotz guter Arbeit der Jugendämter müsse man jedoch damit leben, "dass es auch immer wieder Fälle gibt, in denen Kindern zu spät geholfen" werde, sagte Merchel.

rls/dpa

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1. lächerlich
fratzel 02.02.2014
die ide hört sich ja im ersten Moment recht gut an. wenn man so manch einer Familie denkt...aber wie soll und will man das umsetzen? was passiert wenn man sich als ungeeignet entpuppt? und was ist mit all die Menschen, die man mit so einen Kurs demütigt? in unserer Gesellschaft einfach eine utopisch Wunschvorstellung!
2.
wahlossi_80 02.02.2014
vorher sollte ein Politikerführerschein eingeführt werden, um solche schnapsideen im vornherein zu verhindern. der staat mischt sich pausenlos in private belange ein. und dann noch eine der blassen gestalten der idioten- und heuchelpartei.
3.
lima12666 02.02.2014
Wie kommt einer nur auf so eine Idee. Ganz toll. Bei Verweigerung fordere ich dann Zwangsterilisation. Die Kurse sollten auch verpflichtend für kath. Priester sein. Andernfalls Zwangskastration!!! Hat der in Berlin wirklich keine anderen Sorgen?
4.
marthaimschnee 02.02.2014
Da trommeln die Richtigen! Man sollte lieber erstmal einen Politikerführerschein einführen, mit dem ein wofür auch immer Gewählter seine Qualifikation für den Posten nachzuweisen hat. Bei manchen da ganz oben hat man den Eindruck, die weiß tatsächlich jeder Stammtisch mehr!
5. Verpflichtende Vorsorgeuntersuchung...
-NCO- 02.02.2014
So einfach ist das. Als sorgende Eltern macht man das eh, also entlarvt eine Verpflichtung diejenigen, denen die Kinder (wie vorher die Verhütung) zumindest egal sind.
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