Von Florian Gathmann und Annett Meiritz
Berlin - Nein, der Zeitpunkt wäre alles andere als ideal. Eine Kabinettsumbildung acht Monate vor der Bundestagswahl kann der Kanzlerin nicht in den Kram passen. Aber Angela Merkel wird wohl nicht darum herumkommen, so wie die Dinge stehen: Noch ist Annette Schavan als Bildungsministerin im Amt - aber nachdem ihr die Universität Düsseldorf den Doktortitel aberkannt hat, dürfte ihr Rücktritt nur noch eine Frage von Tagen sein. Selbst Schavans größte Fans im schwarz-gelben Lager glauben nicht mehr, dass die Ministerin im Amt bleiben kann.
Die Kanzlerin kann keine Ministerin bis zur Bundestagswahl durchschleppen, die so beschädigt ist, selbst wenn es sich bei Schavan um eine enge Merkel-Vertraute handelt - Vertrauensbekundungen hin oder her. Also wird sie handeln müssen.
Die Nachfolgedebatte ist längst im Gang. Wer könnte Schavan als Ministerin ersetzen?
Variante 1: Gröhe/McAllister
Immer wieder fällt der Name David McAllister. Das hat mehrere Gründe: Der CDU-Politiker wurde eben in Niedersachsen abgewählt, gleichwohl steht er bei Merkel hoch im Kurs; McAllister gilt weiterhin als Christdemokrat mit Zukunft. Doch er ist Niedersachse - und seit dem Abgang des Rheinländers Norbert Röttgen als Umweltminister steht zunächst dem NRW-Landesverband ein Posten im Kabinett zu. Deshalb spricht einiges für die Variante, dass CDU-Chefin Merkel ihren Generalsekretär Hermann Gröhe - ebenfalls Rheinländer - zum Bildungsminister macht und dafür McAllister zum Partei-Statthalter. Immerhin hatte Merkel ihn schon 2005 zum Generalsekretär machen wollen.
Sicher, McAllister müsste sich dann sehr rasch in seine neue Aufgabe und die CDU-Planungen bis zur Bundestagswahl einarbeiten. Aber der smarte Niedersachse wäre wohl ohnehin eine charmantere Besetzung für den Generalsekretärsposten als Gröhe. Dem wiederum traut man das Bildungsministerium problemlos zu.
Variante 2: McAllister
Es gibt auch Spekulationen, Ex-Ministerpräsident McAllister könnte Nachfolger von Schavan werden. Dagegen spricht neben dem Länderproporz - siehe oben - die wenig einladende Perspektive auf ein mögliches "Acht-Monate-Amt" für den CDU-Hoffnungsträger.
Variante 3: Länderproporz
Um dem größten CDU-Landesverband seinen Kabinettsposten zurückzugeben, käme natürlich auch eine direkte Lösung aus NRW in Frage. Beispielsweise Landeschef Armin Laschet. Aber ob der Lust auf ein Ministeramt hat, das möglicherweise nur acht Monate hält? Andererseits könnte auch die baden-württembergische CDU Anspruch auf das Bildungsministerium anmelden, weil Schavan den Südwesten im Bundestag vertritt.
Variante 4: Interne Lösung
Am wenigstens Unruhe ins Kabinett würde eine Art interne Nachfolgeregelung bringen. Beispielsweise, indem der parlamentarische Staatssekretär im Bildungsministerium, der CDU-Politiker Helge Braun, aufrückt - oder der beamtete Staatssekretär Georg Schütte. Denkbar wäre auch, dass CDU-Fraktionsvize Michael Kretschmer, zuständig für den Wissenschaftsbereich, Schavan folgt.
Variante 5: Wanka
Die 61-jährige CDU-Politikerin Johanna Wanka bringt gleich mehrere Vorteile mit: Als langjährige Wissenschaftsministerin in Niedersachsen und Brandenburg ist sie eine Frau vom Fach - und als frühere Hochschulrektorin und Mathematik-Professorin auch in der Welt der Wissenschaft zu Hause. Wankas Nachfolge würde den weiblichen Anteil in Merkels Kabinett wahren, ein komplizierter Umbauprozess wäre vermieden.
Variante 6: Ein Akademiker
Eines darf man nicht vergessen: Nicht nur die Reputation der Bildungsministerin ist angeschlagen - der Ruf des gesamten Wissenschaftsuniversums ist angekratzt. Schließlich ist es ziemlich blamabel, dass ein paar Plagiatejäger im Internet anscheinend gründlicher arbeiteten als die Prüfer von Schavans Doktorarbeit. Ein Vertreter, der direkt aus der Uni-Szene kommt, wäre ein Symbol der Stärkung für die Hochschulen des Landes. Erste Namen kursieren bereits, etwa der von Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der Berliner Humboldt-Universität.
Allerdings ist der parteilos - und es ist mehr als fraglich, ob Merkel einen politischen Newcomer und halben Außenseiter im Wahljahr in ihr Führungsteam holt.
Mit Material von dpa
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