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Debatte um Nacktscanner: Viel Aufwand für wenig Durchblick

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Die Politik erhofft sich vom Nacktscanner-Einsatz mehr Sicherheit im Flugverkehr. Doch die Debatte wird unehrlich geführt, lenkt von anderen Gefahren ab - und vernachlässigt wirklich wirksame Mittel zur Terrorbekämpfung.

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Umstrittener Check am Flughafen: Scannen bis auf die Haut
Berlin - Was es nicht alles schon gibt, um das Fliegen sicherer zu machen. Da ist die herkömmliche Gepäckkontrolle. Da sind die rigiden Flüssigkeitsbeschränkungen. Da ist das Komplettverbot von Messern, Nagelfeilen und allem, was man sonst noch so an scharfen Gegenständen im Handgepäck mit sich führen könnte. Da ist der biometrische Fingerabdruck, um Pässe fälschungssicher zu machen.

Und natürlich wird es an deutschen Flughäfen bald auch den Nacktscanner geben, um die Passagiere zu durchleuchten.

Die Signale aus der Politik sind nach dem gescheiterten Attentatsversuch in Detroit eindeutig. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) kann sich den Einsatz der Geräte grundsätzlich vorstellen. Selbst bei der FDP, die ihre freiheitlichen Prinzipien sonst so stolz vor sich her trägt, ist kaum Widerstand zu erkennen. Sofern die Würde des Menschen gewahrt werde, "müssen wir zur Sicherheit der Passagiere auch in solche Systeme investieren", sagt Innenpolitikerin Gisela Piltz.

Natürlich gibt es gute Gründe für den Einsatz von Nacktscannern. Wenn alles so läuft, wie die Erfinder sich das vorstellen, dann entdecken sie Dinge, die in der herkömmlichen Sicherheitskontrolle im toten Winkel liegen. Dann wirken sie auf jene abschreckend, die Böses im Sinn haben. Und nicht zuletzt fühlen Reisende sich dann sicherer. Das ist alles nicht unerheblich im Zeitalter des globalen Terrorismus.

Semantische Schummeleien

Doch ist die Debatte um Nacktscanner gleich in mehrerer Hinsicht problematisch.

Sie ist erstens problematisch, weil sie von den Befürwortern unehrlich geführt wird. Alle wissen, dass der Einsatz von Scannern ein massiver Eingriff in die Privatsphäre wäre. Wie auch immer das letztendliche Bild auf den Monitoren konturiert sein wird - Passagiere werden künftig beim Einchecken das Gefühl haben, von irgendeinem Flughafenbediensteten hüllenlos begafft zu werden.

Statt aber aufrichtig zu argumentieren, dass Privatsphäre dort enden muss, wo es um Leben und Tod geht, glauben die Anhänger von Nacktscannern, die Akzeptanz mit semantischen Schummeleien steigern zu können. Viel ist deshalb inzwischen von "Bodyscannern" die Rede, noch mehr von technischen Details. Und der Innenminister verspricht, die Geräte erst dann einzusetzen, wenn sie gesundheitlich unbedenklich sind. Als ob es darum ginge, die Pilotmodelle zu entseuchen.

Die Debatte ist zweitens problematisch, weil sie die Illusion totaler Sicherheit im Flugverkehr weckt. Nur wird es die nie geben. Weil ein mögliches menschliches Versagen an den Kontrollpunkten immer mitgedacht werden muss. Und weil Terroristen längst dabei sein dürften, nach Wegen zu suchen, die Nacktscanner zu umgehen.

Problematisch ist die Debatte drittens aber vor allem deshalb, weil sie den Blick verengt, von Gefahren an anderer Stelle ablenkt und die eigentlichen Erfordernisse einer effektiven Terrorbekämpfung vernachlässigt.

Al-Qaida denkt explizit in Bildern

Natürlich ist es nicht ungerechtfertigt, ein besonderes Auge auf den Schutz des zivilen Luftverkehrs zu haben. Das Terrornetzwerk al-Qaida pflegt einen regelrechten Flugzeug-Fetisch. Schon in den Achtzigern grübelte Chalid Scheich Mohammed, der spätere 9/11-Chefplaner, über massenhafte Entführungen von Passagierjets. Am 11. September 2001 kamen Flugzeuge dann tatsächlich zum Einsatz - als Waffen, um Tausende Menschen zu töten.

Es gibt einen Grund für diese Besessenheit: Explodierende oder abstürzende Flugzeuge sind spektakulär. Und al-Qaida denkt explizit in Bildern. Wer das bezweifelt, sollte einen Blick auf die Diskussionen richten, die Qaida-Sympathisanten nach den Anschlägen auf die Londoner U-Bahn 2005 führten. Sie hätten keine guten Bilder geliefert, kritisierten da nicht wenige - weil alles unterirdisch ablief.

Doch wäre es ein Irrglaube, davon auszugehen, der globale Dschihadismus wäre in seiner Zielauswahl nicht flexibel. Oder zynisch gesagt: Je sicherer die Flüge, desto gefährdeter andere Verkehrssysteme und "weiche" Ziele.

Von anderen Gefahren wird abgelenkt, wahre Erfordernisse vernachlässigt

Denn: Al-Qaida und Co. dürften weiter ihrem Flugzeug-Fetisch frönen, künftig aber gleichzeitig darauf achten, auch andere Ziele anzugreifen, die "Erfolg" versprechen. Züge zum Beispiel. In Deutschland sind sie so gut wie ungeschützt, in Spanien werden Gepäckstücke in manchen Zügen schon durchleuchtet. Und: Es wird auch weiterhin Terrorakte geben, bei denen die Wirkung, nicht nur die Zahl der Opfer, im Vordergrund steht. Beispiele dafür sind Attacken auf internationale Hotelketten, Entführungen und Ermordung von Geiseln vor laufender Kamera.

Auch deutsche Sicherheitsbehörden diskutieren über derartige Szenarien, ohne das offen zu sagen. Als al-Qaida im Herbst 2009 mit Terror in Deutschland drohte, ließ sich an den öffentlich sichtbaren Maßnahmen erkennen, welche Befürchtungen die Beamten haben: Neben den Flughäfen wurden auch Bahnhöfe von bewaffneten Polizisten bewacht, Hubschrauber beobachteten die Infrastruktur-Knotenpunkte von oben. Der Schutz des Oktoberfests wurde massiv verstärkt, weil es in einer Drohbotschaft vorkam.

Gewisse Szenarien dürften unwahrscheinlicher bleiben als andere. Die Sprengung eines Kindergartens oder eine Attacke auf ein gefülltes Fußballstadion wären zwar ohne Zweifel spektakulär, sind aber selbst für al-Qaida nicht ohne weiteres an die eigenen Sympathisanten vermittelbar. Das Oktoberfest mit seinen zahlreichen angetrunkenen Besuchern ließe sich wiederum besser "rechtfertigen". Garantien lassen sich aus solchen Erwägungen keinesfalls ableiten, aber in dschihadistischen Zirkeln und in den Strategiepapieren von Terrorgruppen dürften solche Argumente eine Rolle spielen.

Terror basiert auch auf dem Moment der Überraschung, weil diese den erzielten Schrecken verstärkt. Deshalb bitten al-Qaida und ähnliche Organisationen ihre Kader und Anhänger oft explizit darum, sich neuartige, beispiellose Terroranschläge auszumalen und vorzuschlagen. Es gehört gewissermaßen zum Wesen des Terrorismus, dass er nicht zu verhindern ist. Zumindest aber hat Terrorismusbekämpfung immer zwei Aspekte: die Vereitelung einer geplanten Tat - und die Beseitigung der Ursachen von Terrorismus.

Wer sich nur auf Nacktscanner stützt, droht den wichtigeren, zweiten Ansatz zu vernachlässigen.

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Forum - Besserer Terrorschutz durch Nacktscanner?
insgesamt 537 Beiträge
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1. Restrisiko
Was-weis-Duden 29.12.2009
Zitat von sysopDie Bundesregierung ist nach dem vereitelten Terroranschlag auf ein US-Passagierflugzeug alarmiert: Deutschland erhöht die Sicherheitskontrollen auf Flughäfen. Sind Nacktscanner nötig zum Schutz der Passagiere?
Sie sind NICHT nötig, wenn wir das Rest-Risiko, dass ein potentieller Angreifer ohne sie Sprengstoffe am/im Körper ins Flugzeug transportieren kann, zu tragen bereit sind.
2.
shatreng 29.12.2009
Hallo lieber Spiegel, welche "Experten" und welche "Sicherheitsexperten"? Bitte Namen und Arbeitgeber. Danke! Bei den Sicherheitsdebatten wird immer von "Experten" gesprochen, die noch nie jmd gesehen hat... Oder solche Experten wie der Kriminologe Pfeiffer mit seiner "Killerspielphobie". Solche und ähnliche "Experten" darf man getrost nicht zur Kenntnis nehmen..
3. Experten
Was-weis-Duden 29.12.2009
Zitat von shatrengHallo lieber Spiegel, welche "Experten" und welche "Sicherheitsexperten"? Bitte Namen und Arbeitgeber. Danke! Bei den Sicherheitsdebatten wird immer von "Experten" gesprochen, die noch nie jmd gesehen hat... Oder solche Experten wie der Kriminologe Pfeiffer mit seiner "Killerspielphobie". Solche und ähnliche "Experten" darf man getrost nicht zur Kenntnis nehmen..
Volle Zustimmung!! Gerade Pfeiffer ist zu aller erst mal *Politiker* und *Selbstdarsteller*. Dann "Experte" in eigener Sache - als ernst zu nehmender Wissenschaftler rangiert er (auch mit seinem Institu KFN) ganz weit hinten.
4.
Gofio 29.12.2009
Zitat von sysopDie Bundesregierung ist nach dem vereitelten Terroranschlag auf ein US-Passagierflugzeug alarmiert: Deutschland erhöht die Sicherheitskontrollen auf Flughäfen. Sind Nacktscanner nötig zum Schutz der Passagiere?
Wir können uns nur durch neueste Technik von perfiden Terroristen schützen. Wenn die Nacktscanner halten was sie versprechen schnellstens einsetzen. Ich habe nichts zu verbergen und bin froh wenn ich mit mehr Sicherheitsgefühl in ein Flugzeug steigen kann. Das Nacktscannen ist allemal besser als das oftmals langwierige Herumgefummele und es ist mir absolut nicht vermittelbar wie dabei in Persönlichkeitsgefühle oder die Intimsphäre eingegriffen werden könnte. Das muss doch nicht personalisiert ablaufen.
5. ...
Vex 29.12.2009
Zitat von GofioWir können uns nur durch neueste Technik von perfiden Terroristen schützen. Wenn die Nacktscanner halten was sie versprechen schnellstens einsetzen. Ich habe nichts zu verbergen und bin froh wenn ich mit mehr Sicherheitsgefühl in ein Flugzeug steigen kann. Das Nacktscannen ist allemal besser als das oftmals langwierige Herumgefummele und es ist mir absolut nicht vermittelbar wie dabei in Persönlichkeitsgefühle oder die Intimsphäre eingegriffen werden könnte. Das muss doch nicht personalisiert ablaufen.
Wer nichts zu verbergen hat brauch keine Privatsphäre das ist der typisch faschistoide Trick. Hier wird einfach die Beweislast umgekehrt. Man muss nicht mehr die Schuld einer Person nachweisen sondern die Person muss ihre Unschuld beweisen.
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Nacktscanner
Was ist der Vorteil eines Nacktscanners?
Körperscanner sind Geräte, mit denen die Oberfläche des menschlichen Körpers unter der Kleidung abgebildet werden kann. So sollen versteckte Gegenstände sichtbar gemacht werden - etwa Sprengstoff oder sogenannte Nichtmetallwaffen wie Keramikmesser, die bei herkömmlichen Scannern unerkannt bleiben.
Wie funktioniert das Gerät?
REUTERS/ TSA
Für die Nacktscanner gibt es zwei technische Methoden: Röntgenstrahlen und die Terahertzstrahlen. Bei der Röntgenmethode ist die mittlere Gesamtstrahlenbelastung geringer als beim konventionellen Röntgen. Die dabei anfallende Strahlung entspricht nach Angaben der US-Flugsicherheitsbehörde TSA in etwa der Dosis, der ein Passagier innerhalb von zwei Minuten in einem Flugzeug auf Reiseflughöhe ausgesetzt ist.

Die Terahertzmethode setzt elektromagnetische Strahlung im Grenzbereich zwischen Infrarotlicht und Mikrowellenstrahlung ein. Die sogenannten T-Wellen sind Teil der natürlichen Wärmestrahlung. Bis vor wenigen Jahren waren diese technisch noch gar nicht zugänglich. Die Terahertzmethode wird untergliedert in eine aktive und eine passive Form. Bei der aktiven Methode scannt ein fokussierter Strahl den Körper ab und konstruiert aus der Rückstreuung ein Bild. Bei der passiven Methode wird nur die natürliche Wärmestrahlung des menschlichen Körpers erfasst, wodurch ein Bild ohne anatomische Details erzeugt wird. Im Vergleich zur Röntgenmethode ist die auf den menschlichen Körper wirkende Energie bei der aktiven Terahertzmethode wesentlich geringer, im Passivmodus wirkt sogar überhaupt keine Strahlenquelle auf den Körper.
Warum ist der Scanner umstritten?
Datenschützer halten den flächendeckenden Einsatz von Scannern für unverhältnismäßig. Besonders kritisiert wird an den Geräten, dass die erzeugten Nacktbilder die Privatsphäre oder sogar die Menschenwürde verletzen. Außerdem können die Scanner keine Substanzen oder Gegenstände erkennen, die in Körperöffnungen wie Mundhöhle, Gehörgang oder Rektum eingeführt wurden.
Wird der Körperscanner in Europa eingesetzt?
Sogenannte Nacktscanner werden in der EU bislang nur zu Testzwecken eingesetzt. Die EU-Kommission erklärte zwar im Herbst 2008, den Einsatz dieser Geräte an Flughäfen zulassen zu wollen, doch das Europaparlament stoppte das Vorhaben. In Deutschland begannen im Dezember 2008 Laborversuche bei der Bundespolizei, ab September 2010 sollen erste freiwillige Tests am Hamburger Flughafen stattfinden.

DPA
Eine neue Generation von Scannern wird derzeit in Amsterdam, London und Zürich getestet - ebenso wie in Moskau und US-amerikanischen Städten. Laut Experten sind diese Geräte vollkommen automatisiert. Die Scanbilder von unbekleideten Körpern bekommt - angeblich zumindest - kein anderer Mensch mehr zu sehen, sondern nur noch der Computer. Sobald dem Rechner an einem Körper etwas gefährlich erscheint, sendet er eine Warnmeldung.

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