Eine Analyse von Franz Walter
Und aus dieser Unsicherheit entsteht großer Unmut über Politik, Parteien und Parlamentariern. Die Mitte stellt durchaus keine hohen Anforderungen an die politische Aktionsfähigkeit; sie weiß um die Restriktionen nationaler Politik. Aber sie nimmt den Politikern übel, dass fast die gesamte politische Klasse nach der Maxime handelt: "Was schert mich mein Geschwätz von gestern."
Die Indifferenz gegenüber Prinzipien, Werten, Grundsätzen wird, so die bittere Bilanz der Mitte, von der Politik geradezu vorgelebt. Und dadurch breite sich ein Normenvakuum aus, in dem der Einzelne nur noch schwer verantwortlich handeln könne.
Der politische Held der Mitte wäre derjenige, der deutlich die Problem dekliniert, der den Vierklang aus Analyse, Lösungswege, Instrumente und Ziel stringent verknüpft und exakt in dieser Schrittfolge vorgeht. Doch diesen Typus sehen sie nicht. Und sie erkennen auch nicht, dass Vernünftiges noch entstehen könnte.
Die Mitte träumt von einer neuen Stunde null. Die Mitte, die sonst gern wahren und tradieren möchte, sehnt sich nach dem Bruch, nach einem radikalen Neuanfang der politischen Institutionen.
Tatsächlich: Es gärt im Zentrum der deutschen Gesellschaft.
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