Delegiertentreffen Grüne bestätigen ihr Spitzen-Duo

Gegenkandidaten gab es nicht: Die Grünen haben Claudia Roth und Cem Özdemir auf ihrem Parteitag in Freiburg für zwei weitere Jahre an die Parteispitze gewählt. Beide bekamen große Mehrheiten - die Partei erwartet 2011 das erfolgreichste Jahr ihrer Geschichte.

Claudia Roth und Cem Özdemir: Große Mehrheit für die Führungsspitze
AFP

Claudia Roth und Cem Özdemir: Große Mehrheit für die Führungsspitze


Freiburg - Die Grünen haben ihre Parteispitze für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt. Claudia Roth erhielt beim Parteitag der Grünen am Samstag in Freiburg mit 79,3 Prozent der Stimmen ein knapp schwächeres Resultat als 2008. Für die Vertreterin des linken Parteiflügels votierten 567 Delegierte, 95 stimmten gegen sie, 53 enthielten sich.

Cem Özdemir wurde mit 88,5 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Vor zwei Jahren, als er zum ersten Mal für den Parteivorsitz kandidierte, hatte er 79,2 Prozent bekommen. Beide hatten keine Gegenkandidaten.

"Ich möchte weiterkämpfen mit euch für den nächsten großen grünen Schritt", warb Roth bei den Delegierten. Das Wahljahr 2011 könne das erfolgreichste der grünen Parteiengeschichte werden. Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Berlin werde auf Sieg und nicht auf Platz gespielt. Sie wolle sich weiterhin für eine dem Umweltschutz und der Gerechtigkeit verschriebenen Politik einsetzen, sagte Roth.

"Als gelernte Rock-and-Rollerin weiß ich, die Bühnenshow die bringt gar nichts, wenn der Song nichts taugt." Die in Bayern aufgewachsene Roth, die nach dem Abitur das Studium der Theaterwissenschaften abbrach und zeitweilig Managerin der Band Ton, Steine, Scherben war, ist seit 1987 Mitglied der Grünen. Vor zwei Jahren kam Roth auf 82,7 Prozent. Roth ist mit einer Unterbrechung seit 2001 Parteichefin.

Grünen-Chef Cem Özdemir rief seine Partei auf, die neuen politischen Gestaltungsmöglichkeiten aktiv zu nutzen. Wie zuvor Roth betonte auch Özdemir, für Klimaschutz und Gerechtigkeit kämpfen zu wollen. Der Partei dürfe wegen der guten Umfragewerte nicht Angst und Bange werden, sondern sie müsse "die Arme weit aufmachen", sagte Özdemir. "Wir haben das immer gewollt", betonte er bei seiner erneuten Kandidatur für den Parteivorsitz, als "Mann an der Seite von Claudia" Roth. Die Co-Vorsitzende war zuvor mit großer Mehrheit in ihrem Amt bestätigt worden.

Özdemir kritisierte die schwarz-gelbe Koalition scharf. Er habe nicht erwartet, dass die Regierung gesellschaftliche Konflikte derart hemmungslos radikalisieren auf diese "brutale Weise" eine Politik der Entsolidarisierung betreiben würde. Der gelernte Sozialarbeiter ist 1981 bei den Grünen eingetreten.

ore/dpa/dapd



Forum - Taugen die Grünen als Volkspartei?
insgesamt 3495 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ewspapst 13.11.2010
1. Parteien
Zitat von sysopDerzeit arbeitet alles für die Grünen: Bei den aktuellen Streit-Themen der Politik steht die Partei von Claudia Roth und Jürgen Trittin gut da. Bei Umfragen erzielen die Grünen nie gekannte Spitzenwerte. Renate Künast tritt selsbtbewusst in Berlin gegen Klaus Wowereit an. Taugen die Grünen gar als neue Volkspartei?
Sie verhalten sich nicht anders als die meisten "Volksparteien", sie kleben an der Macht, wenn sie sie haben. In Hamburg hätten sie die Laufzeitverlängerung der AKW kippen können, wenn sie die Koalition aufgekündigt hätten, aber Macht ist ein geldwerter Vorteil.
ray4901 13.11.2010
2. sind sie ja schon lange
Zitat von sysopDerzeit arbeitet alles für die Grünen: Bei den aktuellen Streit-Themen der Politik steht die Partei von Claudia Roth und Jürgen Trittin gut da. Bei Umfragen erzielen die Grünen nie gekannte Spitzenwerte. Renate Künast tritt selsbtbewusst in Berlin gegen Klaus Wowereit an. Taugen die Grünen gar als neue Volkspartei?
sind sie schon seit längerer Zeit. Man kann das daran ersehen, dass sie von links UND rechts kritisiert werden. Unsachlich zumeist, mit primitiven persönlichen Attacken und Rückgriffen auf uralte Vorkommnisse. Oder in der vagen Hoffnung auf ein zukünftiges Scheitern in Regierungsverantwortung. Jedenfalls deuten die nervösen Reaktion auf eine grosse Verunsicherung der andern Parteien und aller "ungebundenen Besserwisser" hin. Die Grünen sind wirklich daran, die neue Mitte dauerhaft zu besetzen.
Palmstroem, 13.11.2010
3. Lieber Grün als Rot
Zitat von sysopDerzeit arbeitet alles für die Grünen: Bei den aktuellen Streit-Themen der Politik steht die Partei von Claudia Roth und Jürgen Trittin gut da. Bei Umfragen erzielen die Grünen nie gekannte Spitzenwerte. Renate Künast tritt selsbtbewusst in Berlin gegen Klaus Wowereit an. Taugen die Grünen gar als neue Volkspartei?
*Als Ersatz für die SPD - warum nicht!*
ray4901 13.11.2010
4. die Koalitionsverpflichtung
Zitat von ewspapstSie verhalten sich nicht anders als die meisten "Volksparteien", sie kleben an der Macht, wenn sie sie haben. In Hamburg hätten sie die Laufzeitverlängerung der AKW kippen können, wenn sie die Koalition aufgekündigt hätten, aber Macht ist ein geldwerter Vorteil.
Das ist nun mal ein "gutes" Argument. Nicht in Koalitionen arbeiten, wenn man sich nicht durchsetzen kann? Mit 23% bundesweit trägt man Verantwortung, die man gegebenenfalls in eine Koalition einbringen MUSS. "Geldwerte Vorteile" (die kann man bei kleineren Parteien auch in Parteiämtern haben, im ERNST ;-)) hin oder her. Da müssten ja die möglichen Koalitionspartner der Grünen auch sofort weg aus der Regierung, wenn ein einziger Euro mehr für Subventionen an Alternativenergien ausgegeben oder die Bundeswehr nicht augenblicklich ganz abgeschafft wird. Nicht sehr logisch, Ihre Argumentation, sicher aber geeignet die Diskussion loszutreten. Ein Vorschlag noch: wir konzentrieren uns auf die Frage nach der Eignung als VOLKSPARTEI und weniger auf die VERLOGENHEIT der Partei. Sonst steht plötzlich ein Viertel des Volkes als aktive Lügner oder ahnungsloseTrottel da.
takeo_ischi 13.11.2010
5. .
Zitat von sysopDerzeit arbeitet alles für die Grünen: Bei den aktuellen Streit-Themen der Politik steht die Partei von Claudia Roth und Jürgen Trittin gut da. Bei Umfragen erzielen die Grünen nie gekannte Spitzenwerte. Renate Künast tritt selsbtbewusst in Berlin gegen Klaus Wowereit an. Taugen die Grünen gar als neue Volkspartei?
Nein. Denn sie agieren populistisch, bis sie gewählt werden. Wenn Sie dann an der Macht sind lassen sie sich - stante pede - durch diese korrumpieren. Man kann nicht erst - fern aller Realpolitik - das Blaue vom Himmel versprechen und dann völlig gegensätzlich handeln. Diese Divergenz zwischen Schein und Sein haben die Grünen schon unter Schröder (Kriegseinsätze etc.) zelebriert. Das Problem ist, dass die Zeit der Volksparteien vorbei ist, da der Wähler pragmatische, ergebnisorientierte Wahlkämpfe nicht mehr hinreichend honoriert. Der politisch leider immer ungebildeterer Wähler steht auf radikale plakative Lagerwahlkämpfe - will quasi belogen werden um sich danach darüber aufregen zu können. So kann man wählen ohne im Nachhinein für die Politik seiner Wahl verantwortlich fühlen zu müssen. Irgendwer schrieb mal von der Dagegenrepublik. Das Wählen von populistischen Heilsversprechern (wie auch das Nichtwählen) ist ein deutliches Zeichen dafür. Man will nicht mehr Deutschland mitgestalten, man will sich aus der bürgerlichen Verantwortung stehlen. Es wird den Grünen nicht anders gehen als der ebenfalls verlogen-populistischen FDP nach der letzten BTW. Von 16% auf 4% durch Verhedderung in die eigenen 'Wahlversprechen'.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.