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Reaktion auf Ausschreitungen in Dresden: "Zeigen Sie Menschlichkeit!"

Teilnehmer der NPD-Demonstration in Dresden: "Zeigen Sie Menschlichkeit!" Zur Großansicht
DPA

Teilnehmer der NPD-Demonstration in Dresden: "Zeigen Sie Menschlichkeit!"

Eine NPD-Demo gegen eine Zeltstadt für Flüchtlinge in Dresden ist eskaliert, es fliegen Flaschen und Steine, Knallkörper werden gezündet, Helfer bedroht. Sachsens Landesregierung zeigt sich erschrocken: "Hier werden Grenzen überschritten."

Drei Menschen verletzt, ein Mann festgenommen - das ist die vorläufige Bilanz der Ausschreitungen in Dresden vom Freitagabend. Dort war es am Rande des Zeltlagers für Flüchtlinge zu Gewalt gekommen, Flaschen und Steine flogen. Rechtsextreme attackierten bei einer NPD-Demo Gegendemonstranten, dabei wurden auch Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) angegriffen. Erst gegen Mitternacht beruhigte sich die Lage wieder.

Nun hat sich der sächsische Staatskanzleichef Fritz Jaeckel (CDU) zu Wort gemeldet. Angriffe auf Mitarbeiter des Roten Kreuzes und Körperverletzungen gegenüber Menschen, die Flüchtlinge willkommen heißen, seien nicht hinzunehmen. "Hier werden Grenzen überschritten", sagte er. "Diejenigen, die das tun, werden wir unerbittlich verfolgen und zur Rechenschaft ziehen."

Jaeckel appellierte an die Dresdner, die Flüchtlinge willkommen zu heißen: "Zeigen Sie Menschlichkeit!" Bund und Länder würden derweil schnellere Asylverfahren vorbereiten, Ergebnisse seien im Frühherbst zu erwarten.

Auch Sven Giegold, Mitglied der Grünen-Fraktion im Europaparlament, verurteilte die Gewalt in Dresden.

Sachsens Innenstaatssekretär Michael Wilhelm (CDU) zeigte sich ebenfalls beschämt über die Vorfälle. Auch Mitarbeiter des Innenministeriums seien attackiert worden, als sie Informationsmaterial in die Briefkästen des Viertels warfen: "So etwas ist einfach nicht hinnehmbar."

Bereits am Donnerstagabend waren Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes von Asylgegnern beim Aufbau der Zeltstadt behindert und in einem Fall auch bedroht worden. Am Freitagmittag hatte der NPD-Kreisverband Dresden zur Demo gegen ein Notaufnahmelager aufgerufen. Etwa 200 Asylgegner aus dem rechten Lager standen 350 Asylbefürwortern gegenüber.

Inzwischen sind nach Polizeiangaben etwa 470 Flüchtlinge in der Zeltstadt im Stadtteil Friedrichstadt eingetroffen. Insgesamt sollen an diesem Wochenende laut Landesdirektion 800 Asylbewerber kommen. Betreiber des Lagers ist das DRK. Um die Sicherheit der Flüchtlinge zu garantieren, will das Innenministerium mehrere Züge der Polizei und der Bereitschaftspolizei in die Friedrichstadt verlegen.

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vks/dpa

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