Demo in Berlin Kinder als Attentäter verkleidet - Vater verurteilt

Ein Palästinenser, der seine drei Kinder bei einer Demonstration in Berlin als Selbstmordattentäter verkleidet hatte, muss nicht ins Gefängnis. Der Familienvater wurde von einem Gericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Ihm droht nun die Abschiebung.


13. April: Der Palästinenser mit einer Tochter während der Demo
AP

13. April: Der Palästinenser mit einer Tochter während der Demo

Berlin - Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten verurteilte den 33-Jährigen wegen der öffentlichen Billigung von Straftaten zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten auf Bewährung. Außerdem muss der aus dem Libanon stammende Mann 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Das Foto der sechsjährigen Tochter, die bei einer Kundgebung gegen Israel auf den Schultern ihres Vaters saß und eine Dynamit-Attrappe um den Bauch gebunden trug, hatte im Frühjahr weltweit für Aufsehen gesorgt. Der Angeklagte gestand zwar während der Verhandlung den Tathergang. Er betonte aber, er habe damit keine Selbstmordanschläge billigen wollen. Er habe vielmehr darauf aufmerksam machen wollen, dass das Palästina-Problem gelöst werden müsse. "Das Elend in den besetzten Gebieten ist zu groß", ließ der Familienvater erklären.

Der Mann hatte am 13. April dieses Jahres gemeinsam mit seinen sechs, zehn und zwölf Jahre alten Kindern an der Kundgebung auf dem Berliner Alexanderplatz teilgenommen. Alle drei Kinder trugen dabei aus Pappe gefertigte Sprengstoffgürtel. Vor Gericht ließ der gelernte Schmied und Hydraulikmechaniker durch seinen Verteidiger erklären, er liebe seine Kinder und würde ihnen nie erlauben, Sprengstoffattentate zu begehen. Er bedauere sehr, sich so missverständlich verhalten zu haben, und wolle sich bei allen entschuldigen, deren Gefühle er verletzt habe.

Das Gericht wertete diese Aussage des Angeklagten, der seit zwei Jahren in Deutschland lebt, als Schutzbehauptung. Seine Absicht sei sehr wohl gewesen, Selbstmordattentate zu billigen, meinten die Richter. Ob Rechtsmittel eingelegt werden, ist noch unklar. Wird das Urteil rechtskräftig, droht dem Asylbewerber die Abschiebung.



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