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23. Februar 2013, 19:13 Uhr

Demo

Protest gegen Stuttgart 21 nimmt wieder Fahrt auf

"Endstation - alle aussteigen!" Unter diesem Motto haben Tausende Menschen am Samstag gegen das umstrittene Bahnprojekt S 21 demonstriert. Die Gegner forderten erneut den sofortigen Baustopp - und skandierten Parolen gegen Bundeskanzlerin Merkel.

Stuttgart - Sie geben nicht auf: Mehrere tausend Menschen haben in Stuttgart erneut gegen das milliardenschwere Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 demonstriert. Nach Angaben der Veranstalter versammelten sich rund 8000 Gegner auf denn Straßen, der Polizei zufolge waren es etwa 6000. Die Organisatoren, das Aktionsbündnis "Stuttgart 21", wollen einen sofortigen Baustopp für das Tiefbahnhofsprojekt erreichen.

Die Projektgegner kritisierten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) scharf. Für Merkel, die sich jüngst für den Weiterbau ausgesprochen hatte, sei Stuttgart 21 nur noch ein Symbol ihrer Durchsetzungskraft, sagte Hannes Rockenbauch vom Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 laut "Stuttgarter Zeitung". "Sie wollen uns schlicht zeigen, wer der Herr im Haus ist, wer die Herrin in der Bundesrepublik ist."

Einige der Demonstranten skandierten demnach "Merkel weg", auf Plakaten war "Merkeldämmerung" und "Angie braucht den Tiefbahnhof wie der Pharao die Pyramide" zu lesen. Statt der teuren Umbaus des Sackbahnhofs zu einer unterirdischen Durchgangsstation fordern die Gegner eine billigere Modernisierung.

Von der Veranstaltung unter dem Motto "Endstation - alle aussteigen!" sollte ein Appell an den Bahn-Aufsichtsrat ausgehen: Er soll in seiner Sitzung Anfang März den endgültigen Ausstieg aus dem Bauvorhaben beschließen.

Der Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn, Volker Kefer, hatte am Montag die vertraglich vereinbarte Sprechklausel aktiviert Diese besagt, dass im Falle von Kostensteigerungen, die den Rahmen von 4,5 Milliarden Euro überschreiten, Bahn und Land "Gespräche" aufnehmen. Im Dezember war diese Situation quasi eingetreten, nachdem die Bahn für die kommenden Jahre Mehrkosten von bis zu 2,3 Milliarden Euro verkündet hatte. Bisher lehnen es Bund, Land und die Stadt Stuttgart ab, sich an den Mehrkosten zu beteiligen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält trotzdem an dem Projekt fest. "Stuttgart 21 wird gebaut", sagte er der "Stuttgarter Zeitung" vom Samstag Es gebe ein gesamtstaatliches Interesse an dem Projekt. Der Tiefbahnhof und die Schnellbahntrasse seien von enormer Tragweite für Baden-Württemberg.

cib/AFP

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