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Demografischer Wandel: Rente mit 67? Aber gerne!

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Arbeiten bis 67 - für viele Arbeitnehmer ist das ein Alptraum. Doch nicht für alle: Eine neue Generation von Alten mischt gerne länger mit. Auch im Berufsleben.

Älterer Arbeiter im Stahlwerk: Angepasste Arbeitskultur entwickeln Zur Großansicht
dpa

Älterer Arbeiter im Stahlwerk: Angepasste Arbeitskultur entwickeln

Hamburg - Dietrich Wagner, 66, ist zum Symbol geworden. Das hat er so nicht gewollt - und die Konsequenzen wird er bis an sein Lebensende spüren. Aber das Foto, das ihn mit blutenden Augen zeigt, steht für den Protest gegen Stuttgart 21. Neben Schülern, Studenten und jungen Familien demonstrieren in diesem Herbst auffallend viele Grauhaarige gegen den Bahnhofsumbau in der baden-württembergischen Landeshauptstadt.

Wissenschaftler und Journalisten diskutieren nun über das Phänomen der in die Jahre gekommenen Protestler , die jegliche Veränderung ablehnen, oder revolutionäre Geister, die gegen die Staatsmacht aufbegehren.

Sie sind viel mehr: Der sichtbar gewordene Ausdruck eines neuen Selbstverständnisses der Über-60-Jährigen, glaubt der renommierte Heidelberger Altersforscher Andreas Kruse. "Die Generation der heute 60- bis 70-Jährigen ist mit der früheren Generation älterer Menschen nicht vergleichbar." Sie seien mit einer anderen Diskurskultur aufgewachsen, unter anderen sozialen und ökonomischen Umständen. Sie sind kurz vor oder mitten hineingeboren worden in das deutsche Wirtschaftswunder. Sie haben die erste Jugendrevolte Ende der fünfziger Jahre erlebt, die Demonstrationen und Diskussionen der sechziger Jahre. Man muss nicht mal mitmarschiert sein, um dennoch durch das damalige Infragestellen der Gesellschaft geprägt worden zu sein.

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Alte Meister: Die Generation 60+ rockt
Vertreter dieser Geburtsjahrgänge nehmen sich als Teil einer Generation wahr, die weiter mitmischt, haben Kruses Untersuchungen ergeben. Die Vorstellung vom klassischen Ruhestand als Rückzug ins Private ist für viele von ihnen ein Graus - auch jenseits der 65 noch zu arbeiten dagegen für manche verlockend. Und wenn der Arbeitgeber einen mit dem Renteneintritt zur Ausgangstür begleitet, dann sich wenigstens irgendwo engagieren. "Das zivilgesellschaftliche Engagement wird größer", hat Kruse beobachtet.

Mit dieser Generation werde sich das Bild vom Alter radikal ändern, prognostiziert der Forscher. "Junges Alter bedeutet späte Freiheit."

"Will you still need me, will you still feed me, when I'm sixty-four", trällerten die jungen Leute 1967 sorglos mit den Beatles mit. Heute sind sie 64. Und so wie sie damals die Gesellschaft verändert haben, könnten sie es nun wieder tun. "Nur weil jemand 60 oder 70 Jahre alt ist, wird er ja nicht plötzlich ein anderer Mensch", konstatiert Kruse.

Durch Arbeit jung bleiben

Was spricht also dagegen auch länger zu arbeiten? Seit Jahren debattiert das Land über die Rente mit 67. Für viele Menschen ist es ein Alptraum, länger zu arbeiten. Doch muss das immer so bleiben?

Eine neue Generation von Alten könnte schon bald heilfroh sein, wenn sie länger im Job bleiben kann. Denn Arbeit bedeutet auch: Man nimmt aktiv am gesellschaftlichen Leben Teil, man tut etwas Sinnvolles.

Den Zweiflern hält der Geschäftsführer des Zukunftsinstituts, Andreas Steinle, entgegen, dass ein verlängertes Erwerbsleben Chancen bietet. "Das Potential, durch Arbeiten jung zu bleiben, wird noch nicht gesehen." Allerdings fordert er auch eine angepasste Arbeitskultur. Die Wirtschaft muss mehr Engagement in altersgerechte Jobs stecken. Der in der Diskussion immer gern benutzte Dachdecker kann natürlich kaum bis 67 auf den Zinnen balancieren.

Inzwischen zeigen sich erste Tendenzen, länger im Berufsleben zu bleiben. Entscheidend ist natürlich, dass die Unternehmen Ältere auch wollen, sie nicht aufs Altenteil abschieben. Doch auch hier gibt es offenbar ein Umdenken. Das zeigt der aktuelle Bericht, den Arbeitsministerin Ursula von der Leyen am Mittwoch im Kabinett vorlegte. Demnach haben sich die Beschäftigungschancen für Ältere klar verbessert. Wegen des steigenden Fachkräftemangels greifen immer mehr Firmen verstärkt auf Ältere zurück. Die Beschäftigungsquote von Älteren habe sich verdoppelt, heißt es.

"Das Engagement der Alten wächst"

Länger arbeiten - für viele Alte ist das schon heute kein Problem mehr. Immer häufiger arbeiten vor allem gut ausgebildete Rentner - Ärzte, Manager, Handwerksmeister - auch als sogenannte Senior Experten, weil sie ihr Wissen an Jüngere weitergeben wollen - häufig für ein kleines Entgelt. Sie beraten Existenzgründer oder bieten ihre Hilfe in Entwicklungsländern an.

Das passt zu der Beobachtung des Gerontologen Kruse, der auch die Altenberichtskommission der Bundesregierung leitet: "Die Alten wollen ihre Erfahrung weitergeben." Und das Verhalten der Senioren sei keineswegs egoistisch, meint der Soziologe Klaus Schömann vom Jacobs-Zentrum für lebenslanges Lernen. "Mit dem Älterwerden entwickelt sich oft eine längerfristige Perspektive - die Rentner wollen etwas Bleibendes schaffen und an nachfolgende Generationen weitergeben." Das Horrorszenario von der Rentnerrepublik, in der die Alten auf Kosten der Jungen leben, wäre zumindest übertrieben.

Alter dürfe man nicht gleichsetzen mit dem Verlust an kognitiven Fähigkeiten und Engagement, sagen die Forscher.

In der Welt der Schauspieler und Musiker hat sich der Wandel längst vollzogen. Marius Müller-Westernhagen, 61, war gerade auf Tournee, Annette Humpe vom Duo Ich+Ich feierte Ende Oktober ihren 60. Geburtstag und hat in jüngster Zeit ein paar erfolgreiche Hits abgeliefert. Iris Berben, 60, und Hannelore Hoger, 68, dürfen selbst in der öffentlich-rechtlichen Samstagabend-Unterhaltung ein Liebesleben haben. Als Inge Meysel und Heidi Kabel im gleichen Alter waren, undenkbar.

Die alternde Gesellschaft bedeute keinesfalls eine Abnahme der Innovationsfähigkeit, beschwört Kruse. Für diese verbreitete Befürchtung gebe es überhaupt keine wissenschaftlichen Belege. "Wir erleben ja gerade das Gegenteil."

Die ersten Generationen, die signifikant von einem späteren Renteneintritt betroffen sein werden, sind die in den fünfziger und sechziger Jahren Geborenen. Viele von ihnen waren in den siebziger und achtziger Jahren an der Uni - dem Zeitalter der Bummelstudenten, als man sich mit dem Abschluss gerne auch schon mal bis 30 Zeit ließ. In diesen Generationen haben sich auch andere Lebensabschnitte deutlich nach hinten verschoben: Heiraten etwa oder die Geburt des ersten Kindes. Da ist ein späterer Eintritt ins Rentenalter nur konsequent.

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1. Passt dieser Beitrag nicht ins Bild?
gflegels, 17.11.2010
In diesem Bericht werden Äpfel mit Pflaumen verglichen. So schreibt der Spiegel: ---Zitat--- Immer häufiger arbeiten vor allem gut ausgebildete Rentner - Ärzte, Manager, Handwerksmeister - auch als sogenannte Senior Experten, weil sie ihr Wissen an Jüngere weitergeben wollen - häufig für ein kleines Entgelt. Sie beraten Existenzgründer oder bieten ihre Hilfe in Entwicklungsländern an. ---Zitatende--- Das sind keine Rentner, die bis 67 arbeiten sollen, denn sie sind nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) versichert, sondern in ständischen Versorgungswerken, die von der gesetzlichen Erhöhung der Lebensarbeitszeit nicht betroffen sind. ---Zitat--- Aber das Familienministerium legte jüngst Zahlen vor, wonach das Alter mit dem die Menschen in Ruhestand gehen, zwischen 2002 und 2008 von 62 auf 63 Jahre gestiegen ist. Und ein klares Signal setzen auch diese Zahlen: Vor zehn Jahren waren 19,9 Prozent der 60- bis 64-Jährigen erwerbstätig, 2009 waren es 38,4 Prozent. ---Zitatende--- Das auslaufende Altersteilzeitmodell verfälscht die Statistik. Wer mit 61 in Altersteilzeit geht und mit 63 aufhört zu arbeiten, wird als passiver Mitarbeiter noch bis zum 65. Lebensjahr als beschäftigt geführt. Das verfälscht die Statistik auch bei jenen, die bereits mit 59 in die Altersteilzeit gegangen sind. Auch sie haben den Arbeitsprozess bereits mit 61 beendet, werden aber bis 63 als aktiv geführt. Verschwiegen wird auch, dass die "Entosrgung" Älterer in den Unternehmen vor 10 Jahren noch über die Arbeitslosigkeit praktiziert wurde. Sie meldeten sich arbeitslos und bekamen von den Unternehmen einen Aufstocker-Betrag. Seit Hartz IV geht das nicht mehr. Deshalb wurde das Atersteilzeitmodell eingeführt. Wie viele ältere Arbeitnehmer außerdem in der Statistik fehlen, weil sie in Modellen wie 50-plus oder Ein Euro Jobs abgeschoben wurden, das scheint die Presse nicht weiter zu interessieren. Es sind auch nicht die "Bummelstudenten", die von der Rente bis 67 betroffen sind, sondern hauptsächlich die Menschen, die mit einem Hauptschulabschluss ins Berufsleben eingestiegen sind. Diejenigen, die als "Bummelstudenten" aufgeführt werden, sind später als Anwälte, Steuerberater, Ärzte oder Politiker aktiv geworden oder in die Beamtenlaufbahn eingestiegen und sind deshalb ebenfalls nicht von der Rente mit 67 betroffen. Die Rente mit 67 betrifft in der Hauptsache Arbeiter und kleine Angestellte, sowie die Angestellten im öffentlichen Dienst. Alle anderen sind durch andere Versorgungswerke im Alter von den Eingriffen des Staates in die GRV nicht betroffen. Aber das vergisst die Presse bei ihren Darstellungen immer. Für die Presse sind "Rentner" immer alle Alten, wenn es gilt, positive Aspekte aufzuzeigen. Geht es aber um die Demographie, dann scheint das immer nur die GRV-Versicherten zu betreffen, obwohl es keine Studien gibt, mit denen die Lebenserwartung der Pflichtversicherten gesondert ausgewiesen wird. Zum Schluss sei noch angemerkt, dass die so genannten Sterbelisten nichts weiter als mathematische Wahrsagereien sind, die einfach hochrechnen, wie viele Menschen bei der Fortschreibung der Bedingungen der letzten Jahre wie alt werden könnten. Aber die Bedingungen ändern sich ständig (siehe Gesundheitsreform). Und faktisch erwiesen ist, dass der Lebensstil und die Gesundheitsvorsorge erheblichen Einfluss auf die Lebenserwartung haben. Dass die Lebenserwartung der GRV-Versicherten nicht ausufert, dafür sorgen unsere Politiker schon sei Jahren.
2. Oh je da wurde ja wieder alles reinverwurschtet
README.TXT 22.11.2010
was nicht zusammenpasst. Erst die Protestkultur dann der Fachkräftemangel dann Senioren die andere Schützenhilfe geben. Nat. dürfen die Glaskugelkucker nicht unerwähnt bleiben, modern auch Zulunftsforscher genannt. Eigentlich gehts um längeres arbeiten im Berufsleben und was bringt die Lisa als Beispiel? Ärzte, Schauspieler und Musiker. Die die wirklich hart arbeiten müssen, werden erst gar nicht erwähnt, hat die Lisl noch nie was von gehört. Ein peinlicher Propagandaartikel, schön platziert auf Spon, der die Rente mit 67 beschönigen soll: Is ja alles gar nicht so schlimm.
3. Vortäuschen falscher Tatsachen
Hubert Rudnick, 22.11.2010
Zitat von sysopSie gehen demonstrieren, mischen länger auf dem Arbeitsmarkt mit, halten sich mit Sport gesund. Rentner sind in der Gesellschaft immer präsenter. Nicht nur, weil sie mehr werden - sie sind selbstbewusster und länger fit. Ruhestand war gestern. Rente mit 67:*na und? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,724295,00.html
So einen unsinnigen und völlig überflüssigen Beitrag hat spon schon lange nicht mehr gezeigt. Er soll nun die Tatsachen verdrehen und aufzeigen, wie gut es doch den Rentnern in diesem Lande geht. Warum zeigen sie denn nicht mal auf, wie es der arbeitenden Mehrheit der Bevölkerung wirklich geht? Die arbeitende Bevölkerung wird heute so stark beansprucht, so dass ein Großteil, falls sie noch gebraucht werden kaum ihren 60 zigsten Geburtstag im Arbeitsleben miterleben können. Die Arbeitsbedingungen sind dermaßen stark angewachsen, dass viele vor dem Erreichen des gesetzlichen Rentenalters aus gesundheitlichen Gründen aufhören müssen. Deutschland war lange Zeit Exportweltmeister, aber das wurde auch zum großen Teil nur auf die Knochen der Beschäftigten erreicht und das alles hat dann auch Spuren hinterlassen. Die fröhlichen und gesundheitlich gutgehenden Rentner stammen nicht aus den Bereichen wo man wirklich hart für sein Geld arbeiten musste und das sind nicht nur schlechtqualifizierte Arbeitnehmer gewesen. HR
4. Danke
ger123 22.11.2010
Zitat von gflegelsIn diesem Bericht werden Äpfel mit Pflaumen verglichen. So schreibt der Spiegel: Das sind keine Rentner, die bis 67 arbeiten sollen, denn sie sind nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) versichert, sondern in ständischen Versorgungswerken, die von der gesetzlichen Erhöhung der Lebensarbeitszeit nicht betroffen sind. Das auslaufende Altersteilzeitmodell verfälscht die Statistik. Wer mit 61 in Altersteilzeit geht und mit 63 aufhört zu arbeiten, wird als passiver Mitarbeiter noch bis zum 65. Lebensjahr als beschäftigt geführt. Das verfälscht die Statistik auch bei jenen, die bereits mit 59 in die Altersteilzeit gegangen sind. Auch sie haben den Arbeitsprozess bereits mit 61 beendet, werden aber bis 63 als aktiv geführt. Verschwiegen wird auch, dass die "Entosrgung" Älterer in den Unternehmen vor 10 Jahren noch über die Arbeitslosigkeit praktiziert wurde. Sie meldeten sich arbeitslos und bekamen von den Unternehmen einen Aufstocker-Betrag. Seit Hartz IV geht das nicht mehr. Deshalb wurde das Atersteilzeitmodell eingeführt. Wie viele ältere Arbeitnehmer außerdem in der Statistik fehlen, weil sie in Modellen wie 50-plus oder Ein Euro Jobs abgeschoben wurden, das scheint die Presse nicht weiter zu interessieren. Es sind auch nicht die "Bummelstudenten", die von der Rente bis 67 betroffen sind, sondern hauptsächlich die Menschen, die mit einem Hauptschulabschluss ins Berufsleben eingestiegen sind. Diejenigen, die als "Bummelstudenten" aufgeführt werden, sind später als Anwälte, Steuerberater, Ärzte oder Politiker aktiv geworden oder in die Beamtenlaufbahn eingestiegen und sind deshalb ebenfalls nicht von der Rente mit 67 betroffen. Die Rente mit 67 betrifft in der Hauptsache Arbeiter und kleine Angestellte, sowie die Angestellten im öffentlichen Dienst. Alle anderen sind durch andere Versorgungswerke im Alter von den Eingriffen des Staates in die GRV nicht betroffen. Aber das vergisst die Presse bei ihren Darstellungen immer. Für die Presse sind "Rentner" immer alle Alten, wenn es gilt, positive Aspekte aufzuzeigen. Geht es aber um die Demographie, dann scheint das immer nur die GRV-Versicherten zu betreffen, obwohl es keine Studien gibt, mit denen die Lebenserwartung der Pflichtversicherten gesondert ausgewiesen wird. Zum Schluss sei noch angemerkt, dass die so genannten Sterbelisten nichts weiter als mathematische Wahrsagereien sind, die einfach hochrechnen, wie viele Menschen bei der Fortschreibung der Bedingungen der letzten Jahre wie alt werden könnten. Aber die Bedingungen ändern sich ständig (siehe Gesundheitsreform). Und faktisch erwiesen ist, dass der Lebensstil und die Gesundheitsvorsorge erheblichen Einfluss auf die Lebenserwartung haben. Dass die Lebenserwartung der GRV-Versicherten nicht ausufert, dafür sorgen unsere Politiker schon sei Jahren.
Danke für diesen Beitrag, der diesen unsinnigen Bericht richtigstellt!
5. Rente mit 67
ispahir 22.11.2010
Der Anteil der körperlich schwer Arbeitenden in unserer Gesellschaft ist stetig gesunken. Warum sollte da - vom medizinischen Standpunkt her - keine Rente mit 67 möglich sein? Wenn immer nur die Pflegekräfte und Bauarbeiter zitiert werden, spiegelt das nicht unsere aktuelle Arbeitswelt wider. Die schwer Belasteten sollten die Möglichkeit haben, ohne Abzüge früher verrentet zu werden. Der Rest aber kann ruhig länger arbeiten. Übrigens: Die Rente mit 67 kommt ja nicht morgen, wie die Panikmache der Medien und Gewerkschaften glauben machen will. Sie soll ja schrittweise über viele Jahre erst eingeführt werden! Ich erlebe als Konsument immer wieder, dass ältere Arbeitsnehmer serviceorientierter, kenntnisreicher und engagierter sind als die jungen. Wenn diese Menschen zunehmend aussortiert werden, dann wird das Niveau der Dienstleistungen zunehmend sinken. Wenn Alt und Jung miteinander arbeitet, sich gegenseitig unterstützt und die Fähigkeiten kombiniert, kann eine erhöhte Produktivität herauskommen. Dies sei auch den Arbeitgebern gesagt, die heute leider immer noch auf jung = billig setzen!
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Alles zur Rente ab 67
So steigt das Rentenalter
Wann Sie mit Ihrer vollen Rente rechnen können
Jahrgang Alter*
1946 65
1947 65+1
1948 65+2
1949 65+3
1950 65+4
1951 65+5
1952 65+6
1953 65+7
1954 65+8
1955 65+9
1956 65+10
1957 65+11
1958 66+0
1959 66+2
1960 66+4
1961 66+6
1962 66+8
1963 66+10
ab 1964 67+0
* in Jahren + Monaten
Ab 2012 steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre. Die Umstellung beginnt mit dem Geburtsjahrgang 1947. Menschen, die in diesem Jahr geboren wurden, müssen einen Monat länger arbeiten, wenn sie ihre Rente vollständig erhalten wollen. Bis 2023 kommt dann für die einzelnen Jahrgänge jeweils ein Monat Mehrarbeitszeit hinzu. Ab 2024 geht es weiter mit Zweimonatsschritten. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt so schließlich das neue Rentenalter 67.
Das sind die Ausnahmen
Wer schon 45 Jahre Rentenbeiträge bezahlt hat, kann auch künftig mit 65 in Rente gehen, ohne Abzüge akzeptieren zu müssen. Dabei zählt auch die Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Nachwuchses bei den Beitragszeiten mit. Allerdings schaffen es nur wenige Arbeitnehmer tatsächlich auf 45 Beitragsjahre - bei den Männern waren es zuletzt 28 Prozent, bei Frauen sogar nur vier Prozent.
So viele Abschläge zahlen Sie
Wer 35 Jahre Beiträge gezahlt hat, soll auch künftig mit 63 in Rente gehen können, muss aber Abschläge dafür in Kauf nehmen: 0,3 Prozent für jeden Monat, den man vor der Regelzeit aufhört.
Das ändert sich bei der Witwenrente
Hinterbliebene Ehepartner bekommen künftig statt ab 45 erst ab 47 die große Witwenrente (55 Prozent der normalen Versichertenrente). Bis dahin muss man sich mit der kleinen Witwenrente von 25 Prozent zufriedengeben.
So ändert sich Ihr Versicherungsbeitrag
Der Beitragssatz zur Rentenversicherung soll durch die Reform bis 2020 nicht über 20 Prozent und bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen. Das ist eine schwierige Aufgabe: Dem Statistischen Bundesamt zufolge wird der Altersdurchschnitt der Bevölkerung im Jahr 2050 von 42 auf 50 Jahre steigen.
Das ändert sich für Schwerbehinderte
Für Schwerbehinderte wird das Renteneintrittsalter stufenweise von 63 auf 65 Jahre angehoben. Mit finanziellen Abschlägen ist aber auch der Renteneintritt mit 62 möglich.
Das ändert sich bei den Erwerbsminderungsrenten
Wer aus gesundheitlichen Gründen nur eingeschränkt arbeiten kann, muss sich auf maximal 10,8 Prozent Abschlag einstellen. Er kann als Erwerbsgeminderter zudem mit 63 Jahren ohne Einbußen in Rente gehen. Diese Regelung gilt bis 2023, danach sind 40 Beitragsjahre erforderlich.
Die Berechnung der Rentensteigerung
Lohn der Arbeitnehmer
Das Prinzip der dynamischen Rente besagt, dass die Rentner vom steigenden Wohlstand der Arbeitnehmer proftieren sollen. Deshalb steigen die Bezüge der älteren Generation grundsätzlich um den gleichen Prozentsatz, mit dem sich auch der Durchschnittslohn je Arbeitnehmer im Vorjahr erhöht. Vereinfacht gesagt: Verdient ein durchschnittlicher Arbeitnehmer dank Lohnererhöhungen zwei Prozent mehr, erhöht sich auch die Rente entsprechend. Allerdings wurden in den vergangenen Jahren zwei Faktoren eingeführt, die den Rentenanstieg bremsen.
Riester-Faktor
Der Riester-Faktor wurde 2001 eingeführt. Der Abzug von der sich rechnerisch ergebenden Rentenerhöhung soll den erhöhten Aufwendungen der Arbeitnehmer für die private Altersvorsorge (Riester-Rente) Rechnung tragen. Der Sonderfaktor hat den Rentenanstieg in den vergangenen Jahren um 0,5 bis 0,6 Prozent jährlich gedämpft. Allerdings wurde er für die Jahre 2008 und 2009 ausgesetzt. Das damals fällige Minus soll allerdings 2012 und 2013 nachgeholt werden.
Nachhaltigkeitsfaktor
Der Nachhaltigkeitsfaktor wurde im Rahmen der Rentenreform des Jahres 2004 eingeführt. Er soll sicherstellen, dass die Renten dann weniger stark steigen, wenn die Zahl der Beitragszahler sinkt. Weil es künftig immer mehr Rentner und immer weniger Arbeitnehmer geben wird, führt er mit großer Wahrscheinlichkeit in den kommenden Jahren regelmäßig zu geringeren Rentensteigerungen. Auch in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit dämpft der Sonderfaktor das Plus bei den Renten.
Rentengarantie
Die Rentengarantie wurde 2009 beschlossen. Sie soll sicherstellen, dass die Altersbezüge auch dann nicht niedriger ausfallen, wenn die Lohnsumme sinkt. Allerdings soll die ausgefallene Rentenkürzung in besseren Zeiten nachgeholt werden. Dann steigen die Altersbezüge nur halb so viel wie rechnerisch möglich.


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