Krawalle in Hamburg und Berlin: Mai-Demonstranten greifen Polizisten an

Ausschreitungen in Hamburg und Berlin: Krawallmacher haben am 1. Mai Polizisten angegriffen, Steine geworfen und Mülleimer angezündet. Die Einsatzkräfte gingen rigoros gegen die Demonstranten vor - mit Tränengas, Pfefferspray und Wasserwerfern.

Mai-Kundgebungen: Leichte Ausschreitungen bei Krawallen Fotos
Getty Images

Hamburg/Berlin - Im Hamburger Schanzenviertel ist es am Abend des 1. Mai vereinzelt zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Demonstranten attackierten wiederholt Beamte mit Böllern, Knallkörpern, Flaschen und Steinen. Einige bewarfen Beamte gezielt mit Flaschen von Dächern angrenzender Häuser, wie SPIEGEL-ONLINE-Redakteurin Christina Hebel berichtete. Die Einsatzkräfte riegelten das Gelände um den Autonomentreff "Rote Flora" ab.

300 bis 400 Teilnehmer, meist sehr junge und teilweise vermummte Menschen, versammelten sich im Schanzenviertel. Anwesend waren zudem viele Touristen. Die Aktivisten skandierten immer wieder: "Ganz Hamburg hasst die Polizei." Einige zündeten Mülltonnen an.

Die Polizei setzte vier Wasserwerfer gegen die Krawallmacher ein, zog Stein- und Flaschenwerfer aus der Masse. Zudem verschafften sich Beamte Zugang zu Häusern, um Flaschenwerfer von den Dächern zu holen.

Die Sicherheitskräfte drängten Randalierer und Schaulustige mit Schlagstöcken und Wasserwerfern in die Seitenstraßen des Viertels ab. Die Beamten nahmen mehrere Personen in Gewahrsam, wie Polizeisprecherin Sandra Levgrün sagte. Einige Demonstranten seien auch festgenommen worden. Zwei Beamte wurden bei dem Einsatz am 1. Mai verletzt. Ein Teilnehmer der Demonstration trug Kopfverletzungen davon, andere litten unter dem Reizgas- und Pfeffersprayeinsatz der Polizei. Gegen Mitternacht zogen immer mehr Demonstranten aus dem Schanzenviertel ab.

Auch wenn die Stimmung "ein bisschen aufgeheizt" gewesen sei, sei der 1. Mai in diesem Jahr insgesamt friedlicher verlaufen als in den Jahren zuvor, sagte die Polizeisprecherin. 2010 war es im Schanzenviertel zu schweren Krawallen gekommen: 36 Polizisten waren damals verletzt, zahlreiche Geschäfte verwüstet worden.

Reizgas und Pfefferspray

Bereits bei der Schlusskundgebung der "Revolutionären 1. Mai-Demonstration", die unter dem Motto "Keine Alternative zur Revolution!" stand, war es im Hamburger Stadtteil Ottensen am frühen Abend vereinzelt zu Randale gekommen. Als die Polizei die Demonstration am Spritzenplatz stoppte und einkesselte, wurde es hektisch: Aus der Menge flogen mehrmals Böller, Steine und Flaschen. Die Polizei ging mit Schlagstöcken und Pfefferspray vor.

Am frühen Dienstagabend waren zuvor mehr als 1400 Teilnehmer von den St.-Pauli-Landungsbrücken aus über die Reeperbahn nach Ottensen gezogen. Entlang Hamburgs Vergnügungsmeile hatten die Demonstranten immer wieder Böller gezündet und Feuerwerkskörper abgebrannt. Auf den vor der Davidwache in Stellung gebrachten Wasserwerfer flogen einzelne Steine. Demonstranten riefen immer wieder "Nieder mit der Polizei". Mehr als 1000 Polizisten waren im Einsatz, darunter eine Pferdestaffel.

Demonstranten bedrängten die Polizisten

Auch in Berlin ist es bei der "Revolutionären 1. Mai-Kundgebung" im Stadtteil Kreuzberg zu Ausschreitungen gekommen. Kurz nach dem Start des Aufzugs mit rund 10.000 Teilnehmern warfen Randalierer Flaschen und Steine gegen Einsatzbeamte, wie ein Polizeisprecher sagte. Immer wieder rannten Teilnehmer der Demonstration an der Spitze des Zuges auf Beamte zu, schubsten und bedrängten sie. Die Demonstranten zündeten auch Knallkörper und Rauchbomben.

Nach Polizeiangaben waren rund 7000 Beamte im Einsatz. Die Demonstration zum "Revolutionären 1. Mai", die in der Vergangenheit Ausgangspunkt von Krawallen war, führte in diesem Jahr erstmals in den Stadtteil Mitte, wo sich auch das Regierungsviertel befindet.

Wie später am Abend bekannt wurde, hat die Polizei den Veranstalter nach den gewaltsamen Zwischenfällen zum Abbruch des Aufzugs aufgefordert. Per Lautsprecher forderte das "Revolutionäre-1.Mai-Bündnis" die Demonstranten auf der Lindenstraße auf, sich zum Myfest in Kreuzberg zu begeben.

Die Veranstalter machten die Polizei für die Zwischenfälle verantwortlich. Sie warfen den Sicherheitskräften vor, eine Eskalation der Situation herbeigeführt zu haben. "Wir wollten eine friedliche Demonstration im Zentrum der Macht", sagten sie in Lautsprecherdurchsagen. Wie Demonstranten sagten, hätten die Einsatzkräfte sehr hart durchgegriffen und großzügig Pfefferspray verteilt.

SPIEGEL-ONLINE-Reporter Michael Kröger berichtete von einer entspannten Stimmung. "Das einzige, das hier brennt, sind die Feuer in den Grills, die vor den Kneipen stehen." Die Menschen seien gut gelaunt und freuten sich über die Musik auf den Straßen. Die Polizei gab am späten Abend allerdings noch keine Entwarnung.

kha/dpa/AFP/dapd

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insgesamt 176 Beiträge
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1.
Schleswig 01.05.2012
Sie wollen doch nur spielen. Fehlt bei der ganzen Spielerei nur noch SPD Zauselbart Thierse. Der nur eine kritische Meinung zu dem Polizeieinsatz haben wird. Keine Beleidigung. Was denken Sie denn.
2.
marthap 01.05.2012
Jedes Jahr üben sich dekadente Wohlfahrtsgeschädigte und alkoholisierte Autisten in der Salonrevolution. Beliebter Spruch dieses Jahr: Reichtum für alle und nehmt euch, was euch gehört. Abenteuerlich!
3.
schwarzes_lamm 01.05.2012
Zitat von sysopREUTERSSie werfen Steine, Flaschen und Böller: Bei den Kundgebungen zum 1. Mai sind Demonstranten in Hamburg und Berlin am Abend gewalttätig geworden. Die Teilnehmer attackierten Polizisten und warfen Scheiben ein. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,830808,00.html
Warum bin ich darüber nicht sonderlich überrascht?
4.
papierloser 01.05.2012
Der Herr auf dem Foto mit der Flagge in der Hand hat sicherlich gute Chancen mal Außenminister im Namen dieser neuen Partei zu werden. Er zeigt immerhin Flagge am "Tag der nationalen Arbeit"!
5. Same procedure every year.
unmoderiert 01.05.2012
Zitat von sysopREUTERSSie werfen Steine, Flaschen und Böller: Bei den Kundgebungen zum 1. Mai sind Demonstranten in Hamburg und Berlin am Abend gewalttätig geworden. Die Teilnehmer attackierten Polizisten und warfen Scheiben ein. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,830808,00.html
Jedes Jahr der gleiche Mist. Ist denn die Deeskalationsstrategie der Polizei dieses Mal aufgegangen ?
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