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Demonstration gegen Wulff: Schuhprotest vor dem Schloss

Er sieht sich als Mann des Volkes - doch vor Christian Wulffs Amtssitz protestieren Hunderte gegen den Bundespräsidenten. Laut Presseberichten haben sich Kanzlerin Merkel und Vizekanzler Rösler bereits auf die Suche nach einem Nachfolger gemacht. Sogar zwei Namen sind schon im Gespräch.

Berlin - Hausschuhe, rote Pumps, Sportschuhe, sogar feine Budapester recken die Menschen ihrem Staatsoberhaupt entgegen: Etwa 300 Demonstranten sind an diesem Samstagnachmittag trotz stetigen Nieselregens vor dem Schloss Bellevue in Berlin erschienen, um Bundespräsident Christian Wulff zum Rücktritt aufzufordern.

"Shoe for you" heißt die Aktion. In der arabischen Kultur werden mit dieser Geste Menschen verhöhnt, aber auch Ärger und Verachtung werden so zum Ausdruck gebracht.

"Wulff muss weg, Wulff muss weg", rufen die Protestierenden in Richtung Schloss. Wulffs Umgang mit den Vorwürfen in der Kredit- und Anrufaffäre hat bei ihnen große Wut hervorgerufen. Die konnte auch das TV-Interview am Mittwoch nicht beruhigen. "Wir haben keine Lust mehr auf eine solche Arroganz", sagt eine Demonstrantin, die mit Kinderwagen vor das Schloss Bellevue gezogen ist. Der Protest zieht sich durch alle Alters- und Bevölkerungsschichten.

Die Aktion selbst verlief friedlich, nach dem Protest kam es jedoch zu Rangeleien zwischen Polizei und Demonstranten. Nach Angaben der Behörde versuchten einige Protestierende, näher an das Schloss Bellevue heranzukommen. Die Beamten hätten sie daran gehindert - ein Polizist sei dabei von einem Faustschlag im Gesicht getroffen worden. Ein festgenommener Demonstrant musste laut der Polizei im Krankenhaus behandelt werden.

Organisiert hatte die Aktion der Verein Creative Lobby of Future (Cof), der sich selbst als überparteiliche Plattform für verschiedene Projekte des Bürgerprotests versteht. "Das ist kein Party-Happening", sagte der Sprecher des Vereins, Jürgen Jänen, "es ist eine politische Auseinandersetzung mit der klaren Forderung des Rücktritts an Herrn Wulff."

Mit solchen Forderungen sieht sich Wulff bereits seit Tagen konfrontiert. Sie werden jeden Tag ein bisschen lauter.

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Demonstration vor Bellevue: Zeigt her eure Schuhe
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht zwar offiziell weiter hinter Wulff. Doch laut Presseberichten sucht sie gemeinsam mit FDP-Chef Philipp Rösler schon nach einem Nachfolger. Die beiden Spitzen der Bundesregierung stünden in engem telefonischen Kontakt über die Frage, wer Wulff im Falle eines Rücktritts beerben könnte, meldet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf FDP-Kreise. "Der Vorschlag muss so sein, dass es der SPD schwerfällt, ihre Unterstützung zu verweigern", hieß es. Mögliche Kandidaten demnach:

Zuvor hatte bereits die "Rheinische Post" gemeldet, die Regierung suche einen Nachfolger für Wulff. Koalitionsvertreter dementierten jedoch alle Berichte über mögliche Absprachen. Einen Plan B "gibt es nicht, ausdrücklich: nein", sagte CSU-Chef Horst Seehofer. Der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Peter Altmaier (CDU), sprach im selben Sender von einer "blanken Spekulation", die er zurückweise. Auch Stefan Müller, Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, dementierte. "Die Diskussion über die Wulff-Nachfolge ist pure Spekulation", sagte er SPIEGEL ONLINE. "Der Bundespräsident hat erklärt, dass er im Amt bleiben wird. Es gibt daher keine Notwendigkeit, sich über Nachfolgekandidaten zu unterhalten." Doch wie echt sind diese Dementis?

Der Bundespräsident steht seit Tagen heftig in der Kritik - zum einen wegen der Finanzierung seines Privathauses bei Hannover, für die er sich als niedersächsischer Ministerpräsident eine halbe Million Euro von der Frau eines befreundeten Unternehmers geliehen hatte. Später löste er das Privatdarlehendurch Kredite bei der BW-Bank ab. Zum anderen ist Wulff zusätzlich unter Druck geraten, als bekannt wurde, dass er mit einem Anruf beim "Bild"-Chefredakteur die Berichterstattung über die Affäre beeinflussen wollte.

Die SPD verschärft nun ihren Ton in der Auseinandersetzung. Parteichef Sigmar Gabriel sagte der "Bild"-Zeitung: "Es ist schlimm, dass der Bundespräsident es so weit hat kommen lassen. Diese ganze Auseinandersetzung ist unwürdig und abstoßend." Kassiererinnen im Supermarkt würden schon entlassen, "weil sie nur einen Pfandbon eingesteckt haben. Aber der Bundespräsident meint, für ihn können Sonderregeln gelten".

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier forderte Merkel auf, sich "endlich zu der Bewertung durchzuringen, ob die Präsidentschaft Wulff für weitere dreieinhalb Jahre trägt". Merkel habe Wulff durchgesetzt. Sie könne nicht so tun, als hätte sie mit der ganzen Angelegenheit nichts zu tun, sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag".

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Thomas Oppermann, forderte Wulff zur Selbstanzeige auf. Das biete dem Bundespräsidenten die Chance, "die Debatte zu beenden und seine Glaubwürdigkeit wiederherzustellen", sagte Oppermann der "Rheinischen Post".

lup/stk/dpa/Reuters/dapd/AFP

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insgesamt 334 Beiträge
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    Seite 1    
1. Töpfer for President
Fritz Knullepup 07.01.2012
Endlich ein würdiger Präsident, das wäre doch mal was: Klaus Töpfer muss Bundespräsident werden! | Facebook (http://de-de.facebook.com/pages/Klaus-T%C3%B6pfer-muss-Bundespr%C3%A4sident-werden/126059497417150)
2. Wenn..
vincent1958 07.01.2012
Zitat von sysopEr sieht sich als Mann des Volkes - doch vor Christian Wulffs Amtssitz protestieren Hunderte gegen den Bundespräsidenten. Laut Presseberichten haben sich Kanzlerin Merkel und Vizekanzler Rösler bereits auf die Suche nach einem Nachfolger gemacht. Sogar zwei Namen sind schon im Gespräch. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,807760,00.html
...unsere geliebte Regierungskoalition "etwas"dementiert,dann wird mit 100% Sicherheit dieses "etwas"eintreten!
3. Die dürfen das
makake62 07.01.2012
Zitat von sysopEr sieht sich als Mann des Volkes - doch vor Christian Wulffs Amtssitz protestieren Hunderte gegen den Bundespräsidenten. Laut Presseberichten haben sich Kanzlerin Merkel und Vizekanzler Rösler bereits auf die Suche nach einem Nachfolger gemacht. Sogar zwei Namen sind schon im Gespräch. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,807760,00.html
Jeder darf demonstrieren. Das darf auch unseriös sein. So wird dann vielleicht der Weg für Würdenmänner und-frauen frei. Das einzige was ich schade finde, dass es den Demonstranten noch nicht gelungen ist, sich kopfüber bis zu den Hüften, aber mit Stöckelschuhen in der Hand, in Automaten-Präservative der Marke Billyboy einzuhüllen. Das käme noch etwas besser rüber ...
4. ...!
kodu 07.01.2012
Zitat von sysopEr sieht sich als Mann des Volkes - doch vor Christian Wulffs Amtssitz protestieren Hunderte gegen den Bundespräsidenten. Laut Presseberichten haben sich Kanzlerin Merkel und Vizekanzler Rösler bereits auf die Suche nach einem Nachfolger gemacht. Sogar zwei Namen sind schon im Gespräch. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,807760,00.html
Klaus Töpfer könnte tatsächlich der Richtige sein !
5. So...So...
Tyxaro 07.01.2012
Töpfer und Lammert Nunja was mich stört das beide aus der CDU sind. In meinen Augen sollte das Amt des Bundespräsidenten ein Parteiloser ausüben. Sonst fängt dieser Parteisumpf wieder von vorne an, für mich, und sollten diese Kandidaten auch noch so Kompetent für dieses Amt sein, wäre diese Wahl wieder nicht Parteiunabhängig.
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