Demonstrationen Mai-Krawalle verliefen zumeist glimpflich

Zahlreiche Demonstrationen zum 1. Mai sind von Extremisten auch in diesem Jahr wieder zu Krawallen genutzt worden. Dabei gab es jedoch in zahlreichen Städten meist weniger Zwischenfälle als in den Vorjahren. Auch in Berlin kam es bis zum Sonntagabend nicht zu den befürchteten Ausschreitungen.


Berlin - Bei einem Neonazi-Aufmarsch in Leipzig lieferten sich 850 Rechtsextreme und 4000 linke Gegendemonstranten Auseinandersetzungen. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt, die Polizei nahm rund 70 Personen vorläufig fest. Da die Behörden trotz 2500 Polizisten die Sicherheit der Rechten nicht mehr garantieren konnte, wurde der Marsch vorzeitig beendet.

Ursprünglich sollte der Neonazi-Marsch in Leipzig durch ein linksalternatives Stadtviertel führen. Das hatte das Sächsische Oberverwaltungsgericht gegen den ausdrücklichen Willen der Stadt entschieden. Die Polizei bewegte jedoch den Initiator der Kundgebung, einen Hamburger Neonazi, vorzeitig zur Umkehr.

Am Hauptbahnhof lieferten sich Rechtsextreme schon am Mittag Rangeleien mit der Polizei. Einige Gegendemonstranten zündeten Leuchtraketen. Die Polizei räumte den Platz, es kam zu ersten Festnahmen. Später setzte die Polizei Wasserwerfer gegen Sitzblockaden der linken Szene ein. Am Vormittag hatten rund 1500 Menschen friedlich gegen den Aufmarsch der Rechten protestiert.

Bereits am Samstagabend war es in Leipzig zu Zwischenfällen gekommen. Elf Linke wurden laut Polizei vorläufig festgenommen. Ein Beamter erlitt durch einen Steinwurf eine Platzwunde am Kopf. Rund 20.000 Menschen protestierten bei einem Konzert friedlich gegen rechte Gewalt.

Berlin erlebte einen verhältnismäßig ruhigen 1. Mai. Die Hauptstadt verzeichnete bis Sonntagabend weniger Krawalle als in den Vorjahren. Bei vereinzelten Krawallen nahm die Polizei in der Nacht zum Sonntag 65 mutmaßliche Randalierer fest. Weitere 46 Störer erhielten Platzverweise. Drei Polizisten wurden leicht verletzt. Die Polizei war mit rund 1000 Beamten im Einsatz.

Tausende Menschen feierten am Sonntag im Berliner Szene-Stadtteil Kreuzberg ein Volksfest. Die befürchteten Krawalle blieben nach Polizeiangaben bis zum Abend aus. An zwei Demonstrationen der linken Szene am Nachmittag in Kreuzberg beteiligten sich mehr als 2000 Menschen.

Am Abend kam es zu einzelnen Ausschreitungen. Bei einer spontanen Demonstration linksradikaler Gruppen warfen Randalierer ein Auto um. Vereinzelt flogen Feuerwerkskörper und Flaschen. Die Polizei nahm mehrere Störer fest.

Auch bei einer NPD-Kundgebung in Worms gab es Randale. Ein Aufmarsch von etwa 200 REchtsradikalen eskalierte trotz eines großen Polizeiaufgebots. 300 Gegendemonstranten warfen auf dem Marktplatz immer wieder Steine und gefüllte Glasflaschen und verletzten mehrere Polizisten.

Die mehr als 800 Polizisten hatten Mühe, die beiden Lager getrennt zu halten. Zwölf Demonstranten wurden vorläufig festgenommen. Am Abend beendete die Polizei die NPD-Kundgebung. Durch einen Hintereingang des völlig abgeriegelten Wormser Bahnhofs wurden die Neonazis - unter ihnen viele Minderjährige und junge Mädchen - in einen wartenden Zug geleitet.

Zuvor war ein Aufmarsch der NPD-Anhänger im benachbarten Frankenthal ohne größere Störungen verlaufen. Zu einer Protestkundgebung gegen die Rechtsextremen versammelten sich 2000 Menschen auf dem Frankenthaler Marktplatz.

Rund 5000 Menschen demonstrierten in Nürnberg gegen einen Neonazi-Aufmarsch. 4000 Menschen versammelten sich nach Angaben der Polizei zu einer DGB-Kundgebung in Nürnberg, während rund 300 Rechtsextreme durch die Stadt zogen. Weitere 1000 Menschen begleiteten den NPD-Aufmarsch in Rufweite. Zwei Demonstranten wurden vorläufig festgenommen, weil sie vermummt waren.



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