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Kundgebungen: Tausende fordern Aufklärung von NSU-Ermittlungspannen

Vor einem Jahr flog die Mordserie des rechtsextremen Zwickauer Zelle auf. Tausende gingen zum Jahrestag auf die Straße und protestierten gegen skandalöse Ermittlungspannen. Sie fordern ein Ende des Schweigens zu Rassismus und Gewalt.

NSU-Terror: Protest gegen Rassismus Fotos
Getty Images

Berlin - Der Zorn über die massiven NSU-Ermittlungspannen ist noch immer groß: Zum Jahrestag der Aufdeckung der mörderischen Aktivitäten des Nationalsozialistischen Untergrunds sind Tausende in Deutschland auf die Straße gegangen, um an die Opfer rechtradikalen Terrors zu erinnern.

Allein in Berlin versammelten sich laut Veranstalterangaben rund 2000 Teilnehmer. Zum Auftakt wurden die Namen der Opfer des NSU verlesen, einige Teilnehmer hatten Gesichter und Namen der Getöteten auf T-Shirts gedruckt. Der Protestzug lief vom Kreuzberger Oranienplatz bis zum Berliner Sitz des Bundeskriminalamtes am Treptower Park. Den wollten einige Demonstranten laut Plakataufschriften am liebsten ganz abschaffen.

"Der Verfassungsschutz hat jahrelang verhindert, dass die Morde lückenlos aufgeklärt werden", sagte Deniz Yilmaz vom Bündnis gegen Rassismus, das zu der Demonstration aufgerufen hatte. Das dringende Problem sei nicht nur der Rechtsextremismus, sondern auch der Rassismus in der Mitte der Gesellschaft, sagte Yilmaz.

Das rechtsradikale Terror-Trio Uwe Mundlos, Uwe Bönhardt und Beate Zschäpe soll neun türkisch- und griechischstämmige Kleinunternehmer sowie eine Polizistin getötet haben. Die Zelle war vor einem Jahr nach einem Banküberfall im thüringischen Eisenach aufgeflogen. Mundlos und Bönhardt töteten sich selbst, ihre mutmaßliche Komplizin Zschäpe stellte sich der Polizei. Gegen sie soll in Kürze Anklage erhoben werden. Die Ermittlungspannen bei der Aufklärung der Taten beschäftigen mehrere Untersuchungsausschüsse in Bund und Ländern.

"Nazibande - Deutschlands Schande"

Kundgebungen gab es auch in Leipzig, Jena, Bochum und Nürnberg. In Magdeburg demonstrierten rund 120 Menschen gegen Rechtsextremismus und Gewalt. Aufgerufen zu der Aktion hatten linke Bündnisse und Parteien. Auf Transparenten hieß es unter anderem: "Nazibande - Deutschlands Schande". Teilnehmer legten Zettel mit den Namen der Opfer auf die Straße.

Im thüringischen Jena, der Stadt aus der das Trio stammte, zogen etwa 250 Demonstranten friedlich durch die Innenstadt. Im sächsischen Zwickau, wo die drei Neonazis lange Zeit untergetaucht waren, sei es dagegen trotz intensiver Bemühungen nicht gelungen, eine Aktion zu initiieren, sagte ein Sprecher des Bündnisses.

Über 1000 Menschen hatten laut Polizei bereits am Samstag in der Hamburger Innenstadt an die Mordopfer der NSU erinnert. Zuvor hatten Hamburgs Innenbehörde und Polizei versucht, den Demonstranten das Vorbeiziehen am Sitz der Innenbehörde am Johanniswall zu verbieten. Die Beamten fürchteten Ausschreitungen aus dem linksextremistischen Umfeld. Doch das Hamburgische Oberverwaltungsgericht erlaubte die Route in einem Eilverfahren am Samstag nach einer Klage des "Hamburger Bündnisses gegen Rechts".

Bereits am Freitag hatten mehrere Migrantenorganisationen des Hamburger NSU-Mordopfers Süleyman Tasköprü gedacht. Sie legten am Tatort im Stadtteil Bahrenfeld Blumen nieder. Tasköprü war Gemüsehändler. Vertreter der Organisationen kritisierten, dass das Vertrauen in die deutschen Sicherheitsbehörden auch ein Jahr nach Auffliegen des Terror-Trios weiter tief erschüttert sei.

ala/dapd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 36 Beiträge
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1. ich
tottibln36 04.11.2012
Ich als deutscher türkischen herkunfst hätte sowas nie für möglich gehalten. Der nsu und auch die schlampige arbeit der behörden hat mich zutiefst erschüttert. Meine familie ist seit 4.generationen in deutschland und ich hoffe, dass wir endlich akzeptiert werden als ein teil deutschlands. Eine andere heimat haben wir nicht
2. Danke
bolle3 04.11.2012
an die, welche auf die Straße gegangen sind, ich ziehe meinen Hut.- vor einigen Tagen sah ich einen Bericht im TV, überr das Verwaltungsorgan in Deutschland kurz nach ende des Krieges, da zu weinige Spezialisten vorhanden waren, so bediente man sich der alt Nazis und die wurden dann in die verwaltung eingestellt. Und ich glaube wirklich, da diese ja spezial waren, das Nazistum weiter lebte und auch manchmal auch wenn nicht willentlich praktiziert wurde. Schade leider war es ja nichht so Krieg zu ende keine Nazis mehr da, nein leider, die Leben weiterhin, und auch hier glaube ich, es gibt Polizei seit ein paar hundert jahren und niemand kann oder wird mir sagen können die Polizei wußte von nix. Ich bin froh und auch stolz auf alle die sich erheben und auf die Straße gehen. Und ehrlich es reicht jetzt mal und die verantwortlichen und alle die gegen Menschlichkeit sind sollen an die Sonne gezogen werden. Vielen vielen Dank euer Bolle
3.
divecrab 04.11.2012
Leider habe ich den Verdacht, dass bei Polizei und Verfassungsschutz doch einige Mitarbeiter mit rechter Gesinnung beschäftigt sind. Diese werden diese nicht offen zur Schau tragen, aber in die Ermittlungsarbeit wird diese doch einfließen.
4. Nenne mich bloß nicht..
nur 04.11.2012
Zitat von sysopGetty ImagesVor einem Jahr flog die Mordserie des rechtsextremen Zwickauer Zelle auf. Tausende gingen zum Jahrestag auf die Straße und protestierten gegen skandalöse Ermittlungspannen. Sie fordern ein Ende des Schweigens zu Rassismus und Gewalt. Demonstrationen: Tausende fordern Aufklärung von NSU-Ermittlungspannen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/demonstrationen-tausende-fordern-aufklaerung-von-nsu-ermittlungspannen-a-865246.html)
Ermittlungspanne, Baby!
5. <1%
rl1972 04.11.2012
Zitat von sysopGetty ImagesVor einem Jahr flog die Mordserie des rechtsextremen Zwickauer Zelle auf. Tausende gingen zum Jahrestag auf die Straße und protestierten gegen skandalöse Ermittlungspannen. Sie fordern ein Ende des Schweigens zu Rassismus und Gewalt. Demonstrationen: Tausende fordern Aufklärung von NSU-Ermittlungspannen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/demonstrationen-tausende-fordern-aufklaerung-von-nsu-ermittlungspannen-a-865246.html)
An diesen Demos nahmen nichtmal 1% der Bevölkerung der jeweiligen Städte teil , und die Medienpräsenz die diese Demos geniessen steht in keinerlei Relation zu der Beteiligung. Man sollte es als das bezeichnen was es ist, eine verschwindend geringe Minderheit schreit rum und fordert was.
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