Demonstrationen Tausende machen bei Ostermärschen mit

Gestern noch mussten einige Ostermärsche abgesagt werden, weil kaum jemand kam. Heute stießen die Demonstrationen auf mehr Resonanz. Allein in Nordbrandenburg protestierten mehr als 10.000 Menschen gegen das "Bombodrom".


Frankfurt/Main - Beim bundesweit größten Ostermarsch demonstrierten heute im Norden Brandenburgs laut Veranstalterangaben rund 12.000 Menschen gegen die geplante militärische Nutzung des Truppenübungsplatzes Wittstocker Heide. Auf Plakaten und in Reden forderten sie von Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung, auf die Nutzung des so genannten "Bombodroms" auf dem ehemals sowjetischen Truppenübungsplatz nördlich von Berlin zu verzichten. Seit 14 Jahren streiten die Bundeswehr und die Gegner um das rund 14.000 Hektar große Gelände.

Ostermarsch in der Kyritz-Ruppiner Heide bei Fretzdorf: "No bomb"
DPA

Ostermarsch in der Kyritz-Ruppiner Heide bei Fretzdorf: "No bomb"

Auf Plakaten hieß es "No bomb" und "Wer den Angriff übt, will den Angriffskrieg". Die Veranstalter sammelten rund tausend Protestpostkarten, die sie an Bundeskanzlerin Angela Merkel schicken wollen. Mehrere Redner nannten die Bundeswehrpläne zum Abwurf von Übungsmunition aus Düsenjägern unnötig. Sie verwiesen auf die in den vergangenen Jahren in der Tourismusbranche entstandenen zahlreichen Arbeitsplätze, die bei einer Inbetriebnahme des "Bombodroms" gefährdet seien. Auch die aktuelle Lage im Atomkonflikt mit dem Iran wurde thematisiert. Redner forderten die westlichen Staaten auf, besonnen auf die Drohungen aus Teheran zu reagieren.

Gegen die Pläne des Verteidigungsministeriums zur Nutzung des Geländes sind mehrere Klagen anhängig. Das Verteidigungsministerium will pro Jahr 1700 Einsätze fliegen. Auch Nato-Partner sollen in der Heide üben. Kritiker befürchten mehr als 10.000 Flüge jährlich - auch nachts und unter 300 Meter Höhe. Das Potsdamer Verwaltungsgericht hat bis zur endgültigen juristischen Klärung den Vollzug der militärischen Nutzung untersagt.

In der Colbitz-Letzlinger Heide, in Frankfurt an der Oder und im Ruhrgebiet schlossen sich mehrere hundert Menschen den Ostermärschen an. "Es waren so viele wie im vergangenen Jahr", sagte Willi van Ooyen vom Ostermarschbüro in Frankfurt am Main. Die Forderungen lauteten "Abrüstung statt Sozialabbau" und "Für Frieden, Abrüstung und Demokratie - Atomwaffen abschaffen."

Weitere Märsche am Ostermontag

Die Friedensbewegung setzt am Ostermontag ihre Aktivitäten in vielen Städten Deutschlands fort. In Landshut steht etwa ein Ostermarsch unter dem Motto "Europa auf dem Weg zur Supermacht" auf dem Programm. In Nürnberg plant das Friedensforum einen Demonstrationszug durch die Innenstadt. Die Münchner Bürgerinitiative für Frieden und Abrüstung ruft zu einer mehrstündigen "Landschaftswanderung" auf. In Berlin heißt es "Atomwaffen abschaffen - bei uns anfangen! Abrüstung statt Sozialabbau!" Im Ruhrgebiet wird die Radtour unter dem Motto "Für Frieden, Abrüstung und Demokratie - Atomwaffen abschaffen - bei uns anfangen!" fort gesetzt. Das Motto einer gemeinsamen Rad-Demo von Darmstadt nach Frankfurt lautet: "Wir wollen keine neuen Kriege. Spart endlich an der Rüstung."

Bereits am Samstag hatten in mehreren Städten Aktionen stattgefunden. In München nahmen nach Polizeiangaben 400 Menschen an einem Ostermarsch teil, die Veranstalter sprachen von 800 Teilnehmern. In Augsburg wurde ein geplanter Marsch durch die Innenstadt wegen zu geringer Teilnehmerzahl abgesagt. "Wir haben eine Grenze von hundert Personen, ab der wir marschieren", sagte der Sprecher der Augsburger Friedensinitiative, Klaus Stampfer, am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Mit 82 Teilnehmern habe die Zahl unter dieser Grenze gelegen. Deshalb habe man es bei einer Kundgebung belassen. In Erlangen kamen nach Angaben der Polizei zu einer anderthalbstündigen Kundgebung gestern bis zu 45 Menschen. Am Vortag war nur von elf Teilnehmern die Rede gewesen.

phw/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.