Demos in Deutschland: Guttenberg-Gegner verhöhnen Guttenberg-Fans

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Gebt uns Gutti wieder! Erst organisierten die Anhänger Karl-Theodor zu Guttenbergs eine riesige Facebook-Gruppe, jetzt versammelten sich Hunderte in deutschen Städten, um für den Ex-Verteidigungsminister zu demonstrieren. Doch sie dürften nicht mit so viel Spott gerechnet haben.

Die anderen sind schon da: Als die Guttenberg-Fans, wie über Facebook verabredet, sich am Samstag um 13 Uhr auf dem Gänsemarkt in Hamburg treffen, dröhnt ihnen Musik entgegen. Ein Mann im braunen Sakko mit Sonnenbrille verteilt Zettel mit "Dr."-Aufschrift an Passanten. "Wir brauchen einen starken Führer", sagt der Mann, der Alouis Günther genannt werden will.

Günther ist einer der versammelten Guttenberg-Gegner. Sie haben Plakate dabei, auf denen sie die Einführung der Monarchie fordern. Sie machen sich lustig über die Anhänger der Jungen Union, die hier ihre Solidarität mit dem Ex-Verteidigungsminister zeigen wollen. Sie seien "von einer Splittergruppe der Hedonistischen Internationalen". Die politisch links stehenden Spaß-Demonstranten hatten im Internet dazu aufgerufen, die Pro-Guttenberg-Demos zu unterwandern.

Ebenfalls im Netz, auf Facebook, hatten sich binnen weniger Tage mehr als eine halbe Million Nutzer zu Guttenberg bekannt, rund 25.000 davon aus Hamburg. Rund 300 haben es tatsächlich zur Demonstration geschafft. "Das kann man schon als Erfolg bewerten", sagt Christoph Bähnk, der Vorsitzende der Jungen Union in Geesthacht. Allerdings hatte diese eigentlich mit 1000 Unterstützern gerechnet.

"Wir sind Dein Volk"

In Berlin kaperten Spaßdemonstranten die Kundgebung der Guttenberg-Fans vor dem Brandenburger Tor. Rund 80 junge Menschen feierten zu Techno-Musik und machten sich über die Guttenberg-Getreuen mit Transparenten wie "Guttenberg muss Kaiser werden" lustig. In Sprechchören forderten sie "Jetzt oder nie: Monarchie" und versicherten dem CSU-Mann: "Wir sind Dein Volk."

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Guttenberg-Demos: "Monarchie jetzt!"
Kamerateams und Fotografen drängten sich um die Ironie-Protestler, während die rund 50 meist älteren Guttenberg-Anhänger am Rand des Geschehens zurückblieben.

Die Polizei ließ die Anti-Guttenberg-Demonstranten gewähren, denn offenbar war es einer von ihnen, der die offiziell als Pro-Guttenberg-Demo angekündigte Veranstaltung angemeldet hatte.

Guttenbergs Vater beschwert sich über Häme

In Guttenberg, dem oberfränkischen Heimatort des CSU-Politikers, sind es ebenfalls mehrere hundert Menschen. Der Veranstalter, die Junge Union Kulmbach, sprach gar von rund 4000 Teilnehmern, die Polizei von etwa 1500. Hier kommen die Guttenberg-Fans aus allen Teilen Bayerns und fordern bei der knapp zweistündigen Kundgebung mit Plakaten wie "Neid muss man sich erarbeiten" und "Gutti war zu gut für Euch" die Rückkehr des 39-Jährigen in die Politik. Unterstützt werden sie dabei von Guttenbergs Vater, Baron Enoch zu Guttenberg.

Riesenbeifall brandet auf, als er über eine Leiter auf einen Traktoranhänger steigt und ans Mikrofon tritt. "Danke für Ihre liebevolle Verbundenheit, danke, danke für ihre Liebe", sagt der 64 Jahre alte Dirigent. Wenige Minuten vor der Kundgebung habe er noch mit seinem Sohn telefoniert. "Er schickt Ihnen sein Herz und verspricht Ihnen seine Treue, mehr hat er nicht gesagt."

Fehlerlos sei sein Sohn aber nicht: "Auch er ist keiner, der über's Wasser laufen kann", sagt Enoch zu Guttenberg. Er kritisiert die "Häme und Selbstgerechtigkeit", mit der über seinen Sohn hergezogen worden sei. "Dieser Geifer und dieser Jagdrausch der politischen Gegner macht Angst um das Verbleiben der Mitmenschlichkeit in unserem Land. " So etwas habe er seit 1945 so nicht mehr erlebt.

Ob dieser Vergleich nun unbedingt angemessen ist, darüber ließe sich sicherlich streiten. Häme gibt es aber in Hamburg tatsächlich genug. "Guttenberg muss wieder her, sonst holen wir die Bundeswehr", schallt es vom anderen Ende des Gänsemarkts her, eine zweite Gruppe Gegendemonstranten ist eingetroffen, noch mehr Plakate, "Geist wär geil", ist da zu lesen. Die Polizei hat damit offenbar nicht gerechnet, ein Beamter ist vor Ort. Die Guttenberg-Demonstration ist angemeldet, die Demos der Gegner sind es nicht. Der Gänsemarkt ist knapp zur Hälfte gefüllt, die beiden Gruppen halten sich die Waage - und bleiben friedlich.

Die machtvolle Demo für Guttenberg fiel aus

Die Hamburger Guttenberg-Anhänger sind gut bürgerlich angezogen, gucken leicht angewidert auf die etwa 150 Gegendemonstranten. "Die sind es nicht wert", sagt eine Frau zu ihrer Bekannten, als die ein Foto von der bunten Truppe machen will.

Drei Damen in Pelzmänteln flanieren über das Kopfsteinpflaster, sie haben rote Clownsnase und elegante Kopfbedeckungen auf. "Wir brauchen dich als Showmaster in Afghanistan", steht auf einem ihrer Schilder an Guttenberg gerichtet. Die Guttenberg-Fans haben es da schwer, einer von ihnen reckt seine Faust im schwarzen Lederhandschuh in die Luft und stimmt an "Guttenberg, Guttenberg".

Die machtvolle Demonstration, die sich die vielen Tausend auf Facebook ausgemalt habe, in Hamburg fällt sie mehr als bescheiden aus.

Mit Material von dapd und dpa

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insgesamt 725 Beiträge
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1. Fan von dem? Gehts noch?
elbröwer 05.03.2011
Linke müßen schwören, daß die DDR ein Unrechtsstaat war sonst sind sie sakrosant. Guttenberg hat nachweislich und nach eigenem Eingeständnis Unrecht getan. Wer dies aber sagt wird von Merkel und Seehofer auf eine schwarze Liste gesetzt. Ob am Tage X diejenigen liquidiert werden sollen sagen sie nicht aber wer Stimmung gegen die Gesetze der BRD macht dem ist alles zuzutrauen.
2. Blah
amerlogk 05.03.2011
Man kann Facebook Likes und Friends kaufen angeblich... Aber jenseits davon, bißchen ernsthafter. 200x Pro-Guttis bei 25.000 aus Hamburg und 10.000 CDU Mitgliedern bei bestem Hamburger Wetter. Bißchen Mau ist das schon.
3. Und ewig miese Politik ...
rkinfo 05.03.2011
Eigentlich kein Wunder dass nur noch Idioten Politiker werden und die Bürger entsprechend chaotisch regiert werden. Wir haben eher die Fettropfen S.Gabriel und C. Roth heute verdient als den Gentleman zu Guttenberg. Sicherlich kann man zu Recht vermuten dass zu Guttenberg betrügerisch beim Doktortittel war. Nur, lt. § 263 StGB ist es kaum vorstellbar das es dafür mehr als Geldtrafe und natürlich Verlust des Titels vor Gericht gegeben hätte. Zu Guttenberg wurde von den Medien gejagd - wie ein Jahr zuvor schon Kachelmann.
4.
kjartan75 05.03.2011
Komisch...in den letzten Tagen wurde immer davon gesprochen, dass sich Tausende in den verschiedenen Städten für Gutti auf die Straße gehen wollten und in HH hat man mit 1000 gerechnet. Jetzt sagt der von der JU 200 sind doch schon als Erfolg zu werten. Soso, mehr Schein als Sein - das Motto geht also auch nach der Gutti-Ära noch weiter.
5. Typisch, dass hier die Junge Union in erster Reihe
chrissie 05.03.2011
steht. Das sitzen nämlich die Mini-Guttenbergs, die auch mal Kanzler oder wenigstens Minister werden wollen und jetzt schon ihre Lebensläufe stylen, ich weiß es, habe selbst mal dazu gehört...
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