Deniz Yücel In Freiheit

"Ich bin nicht in Deutschland. Aber ich bin unter Freunden", schreibt Deniz Yücel auf Twitter und postet ein Foto von sich in Freiheit. Sein Chef sagt: "Er genießt sein Leben, wir lassen ihn in Ruhe."

Deniz Yücel mit Ehefrau und Freunden
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Deniz Yücel mit Ehefrau und Freunden


Ein Jahr lang saß der deutsche Journalist Deniz Yücel in der Türkei in Haft - ohne Anklage. Am Freitag kam er frei und flog noch am selben Tag nach Deutschland. Nun hat er Deutschland wieder verlassen. Wo genau er sich aufhält, ist nicht bekannt.

"Ich bin nicht in Deutschland. Aber ich bin unter Freunden", schrieb der 44-jährige "Welt"-Korrespondent am Samstag auf Twitter. Auf einem angehängten Foto ist er mit seiner Ehefrau und acht weiteren Menschen auf einer Wiese zu sehen. Die beiden hatten im April 2017 im Gefängnis in Silivri westlich von Istanbul geheiratet.

"Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt appellierte, Yücel in Ruhe zu lassen. "Wir bekommen Dutzende Anfragen zu Deniz", schrieb Poschardt bei Twitter. "Deniz geht es gut, er genießt sein Leben in Freiheit, wir lassen ihn in Ruhe. Einverstanden?"

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Türkei: Yücel auf freiem Fuß

Yücel hatte die Türkei nach seiner Ausreise als Willkürstaat angeprangert. Viele Menschen säßen dort nur im Gefängnis, weil sie "eine oppositionelle Meinung zu diesem Regime haben", sagte er in einer Videobotschaft.

Über seine Zeit im Gefängnis sagte Yücel: "Ich weiß immer noch nicht, warum ich vor einem Jahr verhaftet wurde, genauer, warum ich vor einem Jahr als Geisel genommen wurde. Und ich weiß auch nicht, warum ich heute freigelassen wurde." Und er setzte hinzu, eigentlich wisse er das doch ganz genau: "So wie meine Verhaftung nichts mit Recht und Gesetz zu tun hat, hat auch meine Freilassung nichts mit all dem zu tun." Sein Fazit: "Natürlich freue ich mich. Aber es bleibt etwas Bitteres zurück."

Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei waren schon nach dem Putschversuch in der Türkei 2016 in eine schwere Krise gestürzt. Ankara verhängte den Ausnahmezustand, rief "Säuberungen" aus und inhaftierte seitdem mehr als 50.000 Menschen. Der größte Streitpunkt mit Berlin war aber zuletzt die Verhaftung Yücels im Februar 2017.

koe/dpa

insgesamt 11 Beiträge
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volker_morales 17.02.2018
1. Und über den EU-Beitritt
dieser Türkei wurde doch tatsächlich noch vor wenigen Jahren ernsthaft debatiert. Das mit dem "mehr Europa" muss die SPD wirklich etwas näher erläutern.
ser4t 18.02.2018
2. Ambivalent
Schön, dass ein unschuldig inhaftierter Journalist freikommt. Aber: noch zu viele andere bleiben in Haft. Es ist zu hoffen, dass hier kein "Handel" erfolgt ist. Bitte bleiben Sie am Ball!
roby111 18.02.2018
3. die gute Nachricht daran:
Er ist nicht mehr in Deutschland! Insofern kann man nur hoffen, das Deutschland damit auch nicht mehr im Mittelpunkt dieses innertürkischen Konflikts steht. Was uns das Ganze als Steuerzahler aber wieder gekostet hat, daran mag man gar nicht denken! Die Politik sollte endlich anerkennen, das Nationen und nationale Interessen ein GLOBALES FAKTUM sind und auch wir als DEUTSCHE am BESTEN FAHREN, wenn wir unsere nationalen Werte hochhalten, verteidigen und bewahren! Und zur nationalen Identität gehört auch eine homogene Bevölkerung, allein schon, um innere Konflikte wie z.b. zw. Türken und Kurden in der Türkei zu verhindern, wobei es extrem viele solche Beispiele in der Welt gibt! Insofern: dem starken und gesunden NATIONALSTAAT
jetbundle 18.02.2018
4. Nicht vergessen!
Den vorletzten Satz darf man nicht vergessen: In der Türkei wurden tausende Journalisten, Wissenschaftler, Lehrer und Politiker verhaftet. Viele sind spurlos in den Gefängnissen verschwunden, niemand weiss was mit ihnen geschehen ist. Erdogan hat den gescheiterten "Putsch" gegen ihn als Legitimierung genutzt, ein Unrechtsregime aufzubauen.
comfortzone 18.02.2018
5. Ironie des Schicksals
dass Herr Yücel ausgerechnet von dem Staat "befreit" wurde, den er ideologisch ablehnt. Man darf sich nichts vormachen: Ich freue mich sehr darüber, dass er befreit wurde, denn er war eine politische Geisel und es war ein Verbrechen an der Meinungsfreiheit, ihn einzusperren. Aber seine Ansichten über Deutschland sind mit fremd.
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