Reaktionen auf Yücel-Freilassung "Eine großartige und überfällige Nachricht"

Außenminister Gabriel spricht von einem "guten Tag für uns alle", Kanzlerin Merkel hofft nun auf Bewegung bei weiteren Gefangenen: Die Freilassung von Deniz Yücel freut Politiker und Journalisten.

Deniz Yücel
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Die Türkei lässt den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel frei. Seit der Inhaftierung vor einem Jahr hatten Menschen unter dem Hashtag #freedeniz auf Twitter die Freilassung des Türkei-Korrespondenten der "Welt" gefordert. Nun zeigen sich Politiker und Journalisten erleichtert - mahnen aber zugleich an, dass noch viele Menschen in der Türkei unschuldig im Gefängnis sind. Die ersten Reaktionen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte zu Yücels Freilassung: "Ich freue mich natürlich für ihn, ich freue mich für seine Frau und die Familie, die ja ein sehr, sehr schwieriges Jahr der Trennung aushalten mussten." Auf die Frage, was genau zur Freilassung geführt habe, sagte die Kanzlerin: "Es zeigt sich, dass Gespräche auch vielleicht nicht ohne Nutzen sind. Wie genau die Wirkungen sind, weiß man nicht." Merkel setzt nun darauf, dass auch weitere Deutsche aus türkischer Haft entlassen werde. Sie hoffe, dass es auch in anderen, weniger prominenten Fällen Bewegung gebe, sagte Merkel.

Außenminister Sigmar Gabriel begrüßte Yücels Freilassung. "Das ist ein guter Tag für uns alle", sagte der SPD-Politiker. "Ich danke ausdrücklich der türkischen Regierung für ihre Unterstützung bei der Verfahrensbeschleunigung."

Die Bundesregierung hat sich seit Monaten für eine Freilassung Yücels eingesetzt. Gabriel sagte, er habe sich auch zwei Mal mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan getroffen, um eine Beschleunigung des Verfahrens zu erreichen.

Auch der geschäftsführende Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) reagierte erleichtert. "Das ist eine großartige und überfällige Nachricht", sagte er. "Jeder Tag, den Deniz Yücel im Gefängnis verbracht hat, war einer zu viel." Maas kündigte an, die Regierung werde "weiter alles dafür tun, dass alle in der Türkei zu Unrecht inhaftierten Deutschen so schnell wie möglich freigelassen werden".

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker begrüßte die Entscheidung. Er habe "fortwährend die Freilassung von Herrn Yücel gefordert", sagte ein Sprecher der Kommission. Er wies aber zurück, dass diese eine Bedingung für ein Ende März geplantes Spitzentreffen der EU mit dem türkischen Präsidenten Erdogan gewesen sei.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland sprach von einer "sehr glücklichen Nachricht": "Seit über einem Jahr saß Deniz Yücel unschuldig im Gefängnis." "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt nannte die Freilassung die "beste Nachricht aller Zeiten".

Can Dündar, Ex-Chefredakteur der Zeitung "Cumhuriyet", schrieb bei Twitter, er freue sich für Yücel, 150 Kollegen seien aber immer noch in Haft und hätten keine Politiker hinter sich, die für sie verhandelten.

Auch Politiker verschiedener Parteien forderten die Freilassung weiterer Gefangener in der Türkei. "Die Freilassung Yücels ist ein positives Signal", sagte FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff. "Wichtig ist, dass seine Ausreise jetzt unverzüglich sichergestellt wird." Lambsdorff mahnte aber auch: "Sechs weitere Deutsche bleiben inhaftiert, über 100 türkische Journalisten genauso. Sie dürfen wir nicht vergessen, es gilt #freethemall."

Auch der Grünen-Abgeordnete Cem Özdemir schrieb auf Twitter: "endlich!" Aber man dürfe die anderen Inhaftierten nicht vergessen.

Im Video: Deutschtürken über Deniz Yücel

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cte/kev/dpa



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