News-Blog Das war DerMorgen @SPIEGELONLINE

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6/5/14 6:51 AM An dieser Stelle – der SPON-Wärter ist gerade neuen Kaffee holen – kann ich ja mal unauffällig eine zweite Werbemaßnahme für befreundete Leute einbauen. Und zwar einen Aufruf, es gibt da eine Plattform namens Krautreporter, wo zwei Dutzend Journalisten eine neue Art Magazin versuchen wollen umzusetzen. Nicht werbegetrieben, nicht mit hektischem Aktionismus vollgepumpt. Nur den Lesern verpflichtet, also der Community.  Man kann sie unterstützen, in dem man sie jetzt schon abonniert für 60 Euro im Jahr . 6/5/14 6:47 AM Verdammt, Verzeihung. Ich bin durch die Beschäftigung mit dem radikalen, antidemokratischen Spähterror der weltweiten Geheimdienstmaschinerie wieder in eine Stimmung des politischen Weltschmerzes hineingeraten. Ist gleich wieder gut. 6/5/14 6:45 AM Charlize Theron soll irgendjemandem ein großzügiges Trinkgeld gegeben haben. Interessiert das wirklich jemanden, eigentlich? Warum steht sowas in einem Nachrichtenticker? 6/5/14 6:44 AM In der Ferne bellt ein Hund. 6/5/14 6:43 AM Irgendeine Börse schließt leicht im Plus. 6/5/14 6:43 AM Ein Kollege von heise.de weist in einem Akt der selbstbewussten Eigenwerbung via Twitter auf seine Zusammenfassung des durch Snowden aufgedeckten Spähterrors hin . Die Zusammenfassung ist 26 Kilometer lang, die dort verlinkte Timeline ist sogar 235 Kilometer lang, und schon dadurch wird eine zentrale Schwierigkeit der ganzen Katastrophe deutlich: Es ist alles zuviel. Viel zu viel. Und es wird ja noch mehr. Ich meine, ernsthaft, wenn man die Meldung rückwirkend zum Beispiel in den September 2013 einbauen würde: "GCHQ hat weltweit sämtliche Schlafzimmer mit Überwachungskameras bestückt", das würde man doch heute überlesen und nicht einmal kurz irritiert sein. Ich frage mich ernsthaft, ob es überhaupt noch eine Meldung zur Spähsituation geben kann, die eine Steigerung darstellt.  Und ich glaube, dass das ein Problem ist, die meisten Leute haben noch nicht im Ansatz überblickt, dass es um eine Spähideologie geht, darum, dass die Spionage des 21. Jahrhunderts sich nicht mehr auf Staatsgeheimnisse bezieht, sondern standardmäßig SÄMTLICHE Bürger versucht, ständig immer überall zu überwachen. Mit der Tendenz dazu, sie auf diese Weise zu kontrollieren. Es geht um Kontrolle, nicht um Terrorismus. Aber solange die Leberwurst nicht mehr als 1,99 kostet, scheint der Großteil der Bevölkerung mit solchen demokratigefährenden Entwicklungen zurechtzukommen. 6/5/14 6:33 AM Ah, er hat begonnen zu spielen. Ein überwachungskritisches Lied, gerichtet an die Vereinigten Staaten von Amerika. Es wird mir live vorgeführt, ich bin begeistert (auf eine Art). Und doch ist natürlich, das muss ich als Verfechter der Neuen Ernsthaftigkeit anmerken, die Reduktion der Spähkatastrophe auf die USA oder die NSA der völlig falsche Ansatz. Aber da schauen wir geschmeidig drüber hinweg, schon wegen des nahezu perfekt vorgetragenen Drei-Akkorde-Blues um den kritischen Text herum. 6/5/14 6:27 AM Wo wir gerade dabei sind, ein kurzer Musik-Track zwischendurch: ein Mann namens Tammo Sachs kommt hier ins winzige Büro, hat eine Gitarre dabei und droht mit dem Vortragen von Liedern. Bin schon sehr gespannt, ober Country oder Western spielen wird. Der Grund dafür: nicht die geringste Ahnung. Das "Warum" steht ehern im Raum. 6/5/14 6:26 AM Inzwischen hat man mir Kaffee gebracht. Endlich. Ich denke, wer um 8.24 Uhr morgens SPIEGEL-ONLINE-Ticker liest, von dem kann man zu Recht annehmen, er sei schwerst koffeinsüchtig. Das werte Ticker-Publikum kann daher mit Sicherheit gut nachvollziehen, wie die vergangenen Stunden ohne Koffein sich angefühlt haben. Wie ein Staffellauf auf bleiernen Stelzen durch Treibsand, während College Rock gespielt wird. 6/5/14 6:21 AM "Tokios Börse schließt kaum verändert", diese Meldung reißt mich heute früh nicht das geringste bisschen vom Sitz. Überhaupt dieses ganze Börsengetöse, ist das nicht eigentlich nur für Randgruppen interessant? Täusche ich mich, oder ist das tatsächlich mehr geworden in den letzten Jahren? Kommt das, weil Investmentbanken die Welt an den Abgrund der Wirtschaftskatastrophe geführt haben? Oder weil die an der Börse schon immer herrschende Hektik des Passierfetischs (ständig passiert was) inzwischen durch die digitale Vernetzung auch auf den Rest der Welt übergegriffen hat? Haben Sie inzwischen Christian Rickens Top-Artikel "Das Ende des Kapitalismus wie wir ihn kennen" gelesen? Ich werde das bald tun, und sie sollten es auch, er ist sehr gut (bestimmt), trotz der ein Ideelein effektheischenden Überschrift: www.spiegel.de 6/5/14 6:16 AM Wobei es schon ganz spannend ist. Lettow-Vorbeck, der zu den sehr wenigen Menschen gehört, nach denen ein Dinosaurier benannt ist, schreibt im Vorwort gewissermaßen als Anleitung zur Spionage: "Wir müssen schon den eigenen Freunden falsche Nachrichten geben, um das Geheimnis zu wahren. Immer kleiner wird der Kreis der Vertrauten. Alles ist flüssig, über allem liegt absichtliche Verschleierung."   Voilà, die Grundhaltung der Geheimdienstmaschinerie von heute mit den Worten von 1931 perfekt abgebildet. 6/5/14 6:09 AM Eigentlich hatte ich mir es natürlich völlig anders vorgestellt, diese Tätigkeit als Morgenkommentator. Hier zum Beispiel hatte ich zur Vorbereitung einen Klassiker der Spionageliteratur besorgt, nämlich "Die Weltkriegsspionage" (1931) von Generalmajor von Lettow-Vorbeck, einem hauptberuflichen Soldaten und nebenberuflichen Kolonial-Rassisten. Daraus wollte ich eigentlich Erkenntnisse zur Spionage insgesamt zitieren, und in den heutigen Kontext von Snowden setzen. Naja, vielleicht beim nächsten Mal. 6/5/14 6:05 AM Und da bis jetzt für den Jahrestag der Snowden-Enthüllungen wirklich außergewöhnlich wenig Snowden vorkam, hole ich das jetzt intensiv nach. Zugleich lasse ich mich dazu herab, für befreundete Netzleute ebenso schamlos wie ohne Skrupel Schleichwerbung zu machen, genauer gesagt für die Netzaktivisten von Netzpolitik.org, die zum Jahrestag ein E-Book über die Totalüberwachung verschenken. "Überwachtes Netz". Kostenloser Download hier . 6/5/14 6:02 AM Vielleicht ist es an der Zeit, Ihnen mal einen Überblick über die Nachrichten zu verschaffen, die ich Ihnen eben nicht präsentiere, und zwar samt der dazugehörigen Gründe:   • "Die Weichen stellen – Finanztipps für Berufseinsteiger" sagt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, aber ganz ehrlich: Ist für heutige, durchschnittliche Berufseinsteiger tatsächlich ein drängendes Problem, wo sie ihr Vermögen investieren sollen? Natürlich habe ich wie die meisten Erwachsenen, die über die Jugend sprechen, nicht den geringsten Kontakt mit echten jungen Leuten (zu anstrengend), aber so rein vom Gefühl her wäre meine Einschätzung: neeeee. • "3 officers killed, 2 injured in Canada shooting", von den Kollegen der kanadischen Nachrichtenagentur. Darüber schreibe ich nichts, weil es mir generell so seltsam erscheint, nach welchen Kriterien Mordmeldungen ausgewählt werden. Im Jahr 2010 zum Beispiel gab es in den USA laut Wall Street Journal 14.043 Morde, das macht also 38,5 am Tag. Ich hätte da bei solchen einzelnen, herausgehobenen Meldungen das Gefühl, den vielen anderen Ermordeten irgendwie nicht gerecht zu werden. Ganz zu schweigen von den noch viel mehr Morden in anderen Teilen der Welt. Hm, ein Dilemma, ganz unironisch gesprochen übrigens.  • Der WWF meldet mit Sperrfirst für heute um 9.30 Uhr per WWF-Report: "Augenlose Spinnen und fliegende Frösche entdeckt" (Warum kein Ausrufezeichen dahinter oder gleich vier oder fünf?). Das melde ich natürlich nicht wegen der Sperrfrist, klar. Wäre sonst Topmeldung, vermutlich auch für die Kollegen von Spiegel Online selbst. 6/5/14 5:42 AM So schnell kann es gehen: Ich bin jetzt schon tickersüchtig. Das Gefühl, direkt am Puls des Weltgeschehens das Blut der Jetztzeit abzuzapfen, Verzeihung, ich habe mich in den Metaphern verheddert. Was ich aber eigentlich mitteilen wollte: In diesen Minuten scheint nicht so viel zu geschehen, die Nachrichtenagenturen schleudern Meldungen zu irgendwelchen Dividenden und Baseball-Ergebnisse durch den Äther. Schwierig für meine neue Sucht, ungefähr, als würde man nur minderwertigen Stoff bekommen. Ob ich allerdings, wenn "Der Morgen" im SPIEGEL-ONLINE-Büro vorbei ist, mich selbst an den Ticker anschließen werde, ist fraglich, der Preis ist nämlich außerordentlich hoch: Der Ticker funktioniert nur mit dem Internet Explorer. 6/5/14 5:36 AM Nur einen Klick weiter die Meldung hier auf SPIEGEL ONLINE, dass die Parlamentarier des Bundestags sich darauf geeinigt haben, in Zukunft ihre Kommunikationsdaten nur noch 7 Tage speichern zu lassen und nicht mehr drei Monate wie bisher. Ja, der Bundestag hatte für Abgeordnete bisher eine eigene Vorratsdatenspeicherung, was aber erst durch den Fall Edathy bekannt wurde. Und während bis zum Urteil des Europäischen Gerichtshofs die Abgeordneten in großer Mehrheit begeisterte Anhänger für die Vorratsdatenspeicherung waren – so haben sie für sich bereits nach wenigen Wochen erkannt, dass sich die Speicherung solcher Daten vielleicht nicht ganz so super anfühlt, wenn man selbst betroffen ist. Zack, Regelung geändert, nun soll "zügig" umgesetzt werden. Es kann so schnell gehen, wenn man nur will. Hier der entsprechende Bericht . 6/5/14 5:28 AM Nebenbei bemerkt: genaue Beobachter, die Sie sicher alle sind, haben bemerkt, dass ich nicht Screenshots verwende, sondern abfotografierte Bildschirminhalte. Der Grund dafür ist recht einfach: AAAAARGH! 6/5/14 5:21 AM Die Welt des Nachrichtentickers ist mir übrigens – das für Ihren Hintergrund – bisher ebenso verborgen geblieben wie Ihnen. Ich habe über Jahre vermeiden können, in Redaktionen gehen zu müssen. Aber jetzt habe ich mich – na vielen Dank, Snowden! – wegen des Jahrestags der Snowden-Leaks breitschlagen lassen. Und sitze ebenso staunend vor diesen Agenturmeldungen wie Sie. Als Beispiel nebenan von den Kollegen der dpa transportiert: der Hinweis, man solle doch bitte im Juni und Juli den Rasendünger erneuern. Darauf glaubt die Landwirtschaftskammer NRW hinweisen zu müssen. Aber lassen Sie uns nicht hämisch losprusten und das Mineralwasser auf dem weißen Oberhemd verteilen, auch Düngerkügelchen haben ihren Nachrichtenwert. Jedenfalls im Juni und Juli. 6/5/14 5:15 AM Mir ist der Wunsch nach einem Foto zugetragen worden, ich antworte mit einem "Extended Selfie", im Hintergrund ist der Kollege Stefan Kuzmany zu sehen, dem ich praktisch fast gar nicht mehr übel nehme, dass alle drei Kaffeemaschinen des SPIEGEL Hauptstadtbüro außer Betrieb sind. Mein Blick ist angemessen ernst für die derzeitige Weltlage und zum Friseur könnte ich auch mal wieder, ja, aber Sie ahnen nicht, was rote Haarfarbe mit Bleiche-Anteil mit der Kopfhaut macht. 6/5/14 5:11 AM Wobei, zum Thema Krieg am Tag vor dem D-Day-Jubiläum natürlich angefügt werden muss, dass Nazi-Deutschland nach meiner persönlichen Einschätzung eher nicht mit offensivem Pazifismus, strengen Blicken und Strafzöllen für Krupp-Stahl hätte besiegt werden können. 6/5/14 5:08 AM Während wir hier bei "Der Morgen" sind, werden Pressestimmen aus aller Welt verbreitet, darunter vom belgischen "De Morgen". Dort ist man zu der Auffassung gelangt, Zitat via dpa: "Ein Kalter Krieg hätte nur Verlierer". Eine ebenso simple wie einfache und doch schlichte Erkenntnis, von der ich allerdings das Gefühl habe, dass sie a) gar nicht stimmt, weil es ja durchaus Kräfte gibt, die von Kriegen profitieren und sich b) die Erkenntnis, dass die allermeisten Menschen fast immer Kriegsverlierer sind, sich an maßgeblichen Stellen noch nicht so recht durchgesetzt hat. 6/5/14 5:00 AM Währenddessen kommt die Nachrichtenagentur dpa um die Ecke mit knallhartem Vermutungsjournalismus: "Neue Gerüchte über Smartphone von Amazon". Das Unternehmen kündigte für den 18. Juni eine Produktvorstellung an. Basis der Vermutung ist ein Video von Amazon, in dem kein Handy zu sehen ist, aber Leute über eins sprechen sowie ein Tweet von Amazon selbst, wo die Rückseite eines smartphonehaften Geräts zu sehen sein soll. Wie unglaublich filigran und subtil, diese Inszenierung, wir haben hier Tränen in den Augen vor Glück. Aber überzeugen Sie sich selbst anhand des Amazon-Tweets: twitter.com 6/5/14 4:54 AM Haben Sie den Rickens-Artikel inzwischen gelesen? Damals, als ich im Knax-Club das erste Mal von Zinsen und Lombard-Sätzen hörte, hätte ich nicht gedacht, dass Zinspolitik so spannend sein kann. Illustriert ist der Artikel übrigens mit einem Bild von Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank. Ich kann mir nicht helfen, aber speziell dieses Foto erinnert mich heftig an jemand ganz anderen, eine Figur der Filmgeschichte. Eine mir nicht bekannte Person, die offensichtlich urheberrechtliche Fragen tendenziell lax beantwortet, scheint das ähnlich gesehen zu haben und hat soeben auf der Bild-Plattform imgur ein entsprechendes Ähnlichkeitsbild hochgeladen: Show more Tickaroo Liveblog Software



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deBeers 05.06.2014
1. yeah
...und ich werde versuchen, noch weit subjektiver zu kommentieren :D
Rassek 05.06.2014
2. Guten Morgen, Herr Lobo !
Erschrecken Sie den deutschen Michel nicht so sehr... Der hält Killerraut in Australien für bedrohlicher als das abhören seiner Mails. Eigentlich müsste der Genurtstag von O.b.L. von der NSA gefeiert werden. Wie viele haben dadurch erst eine Stelle, Millionenetats von der Regierung und Handlungsfreiheit gegen die Grundgesetzte bekommen. Und dürfen, im Namen der Paranoia, endlich geheime Gerichte mit noch geheimeren Beschlüssen zusammenstellen. Der Terror gegen die eigene Bevölkerung heißt " wir schützen euch ". Die Eunuchen der Regierung haben Heftchen mit Artikeln mit " Menschenwürde und deren Unantastbarkeit' herumliegen, schauen sich aber lieber den NSA Sadokanal an. Unzucht mit den Grundrechten ist ja mit mehr Lustgewinn verbunden, als sich die ollen Schwarzweißstreifen der Grundgesetzväter anzutun.
finanzamtsopfer 05.06.2014
3.
Bitte mehr Lobo am Morgen :-)
ice-t.polarbear 05.06.2014
4. Lobo und der Morgen ist gut
... auch, wenn ich vor lauter Lesefreude zu spät zur Arbeit starte. Wenn Lobo kommentiert, ist mir eben nichts tl;dr ^^
d.re 05.06.2014
5. Danke
an Sascha Lobo für den ausgesprochen unterhaltsamen "DerMorgen".
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